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QUERFUNK 104,8 MHz
Freies Radio Karlsruhe |
Orsinos Lied 10.07.2005
Studio 0721 / 38 50 30 |
13 Uhr
Redaktion & Moderation: Roland Altenburger
www.querfunk.de/sendungen/orsino
Kontakt: orsino@querfunk.de
Orsino-Jingle
Da die Musik die Nahrung der Liebe ist, sollt Ihr in der kommenden Stunde verwöhnt werden mit einem internationalen Mahl der Spitzenklasse!
Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung beim Querfunk, herzlich Willkommen zu Orsinos Lied, herzliche Willkommen sagt Orsino.
Heute auf dem Speiseplan: einen Menge Blues-Chicken, indisches Masala und Zigeunersteak. Dazu grossartigen Appenzeller und eine einmalige Art Couscous. Ein bisschen konkreter? Okay, ich verrate Euch, der Goldene Orsino geht an Studio Pagol für ihre Platte "the rest of the world".
Los geht's mit einem musikalischen Dreierpack aus Brasilien. Drei junge Damen lassen hören, wie vielfältig die moderne Musik ist, die aus diesem riesigen Land Südamerikas kommt, das fast 25mal so gross ist wie Deutschland. Nummer 1: Virginia Rodrigues. Die Afrobrasilianerin verzaubert mit ihrer opernfähigen Alt-Stimme seit Jahren eine immer grösser werdende Fangemeinde. Virginia Rodrigues stammt aus den Slums, aus den Favelas von Salvador de Bahia. Dort entdeckte der brasilianischen Superstar Caetano Veloso das Stimmwunder. Die mittlerweile dritte Platte von Virginia Rodrigues heißt "Mares Profundos". Auf ihr interpretiert sie Afro-Sambas der zwei brasilianischen Altmeister Vinicius de Moraes und Baden Powell; wie gleich zu hören sein wird auch im Duett mit ihrem Förderer Caetano Veloso.
Die zweite Sängerin der heutigen Sendung ist Maria Rita. Als Tochter von Elis Regina, der Königin des Samba, des Bossa Novas und der Musica Popular Brasileira, wollte Maria Rita nie selber auf der Bühne stehen. Vielleicht auch, weil ihre sehr erfolgreiche Mutter schon mit 36 Jahren durch Drogen den Tod fand. Zum Glück liess sich Rita Maria jedoch überreden.
Rausgekommen ist eine fabelhafte, rein akustisch eingespielte, Platte. Sie heisst ganz schlicht "Maria Rita" und beschenkt uns 13 sehr abwechslungsreichen Songs.
Auch Sängerin Nummer Drei hat ihre Debüt-Platte nach sich selbst benannt:
Cibelle. Doch ihr Debüt-Album ist nicht die erste Platte, auf der Cibelle zu hören ist. Die junge Sängerin war die weibliche Stimme in den Stücken von Suba, einem der wichtigsten Initiatoren der elektronischen Musik Brasiliens. Auf ihrem Debüt-Album ist Cibelle der elektronischen Musik treu geblieben und bietet kleine, nette Popperlen, mit ein bisschen Samba und Bossa Nova, teils in portugiesisch, teils in englisch gesungen.
Los geht's nun also mit Virginia Rodrigues, gefolgt von Maria Rita und schliesslich Cibelle.
Virginia Rodrigues mares profundos 6 3.50
Natasha Rec 2003 LC 12216
www.deutschegrammophon.com/rodrigues-maresprofundos
Maria Rita maria rita 13 5.05
Warner Brazil 2003 Gema
www.maria-rita.com
Cibelle cibelle 9
Ziriguiboom 2003 LC 08689
www.ziriguiboom.com
Bleiben wir noch ein bisschen bei heissen Rhythmen aus Amerika. Trinidad, die klein Insel südlich der Karibik ist vor allem für eins bekannt:
Calypso. Nun könnte eine Alt-Herren-und-Damen-Truppe a la Buena Vista Social Club eine neue Renaissance des Calypso einläuten. Die CD "Calypso @ Dirty Jim's" hat nämlich das Zeug zum Party- und Barschlager zu werden, wie einst die erste Platte der alten Kubaner. "Dirty Jim's Swizzle Club" war ein Nachclub, wo in den 50er Jahren die wildesten Partys mit den besten Musikern der Insel abgingen. Nun haben sich unter anderem Lord Superior, Relator, Bomber, Mighty Sparror, Mighty Terror und Calypso Rose noch mal zusammengetan, um die alten Zeiten hochleben zu lassen. Und es ist einfach sensationell, was diese hochbetagten Männer und Frauen für eine Kraft und Lebenslust versprühen. Warum das auch heute so gut funktioniert wie vor 50 Jahren: Lord Superior verrät es Euch: Never ever worry!
V.A. calypso @ dirty jim's 13 4.25
Maturity Music 2004 LC 03098
www.musicfromemi.com
Taj Mahal meets The Culture Musical Club of Zanzibar mkutano
Tradition & Moderne 2004 LC 06142
www.tradition-moderne.com
Der gute Mann ist 63. In einem Alter, wo sich andere zur Ruhe setzten, macht er sich auf, komplett neue Wege zu gehen. Die Rede ist von Henry Saint Clair Fredericks, besser bekannt als Taj Mahal. Der Sänger und Gitarrist ist zwar nach wie vor in erster Linie Bluesmusiker, doch schon oft hat er mit Musikern aus anderen Kulturen, sei es Indien, Hawaii oder Mali Platten eingespielt. Sein neustes Projekt für Taj Mahal nach Sansibar, die arabisch geprägte Inselgruppe vor Afrikas Ostküste. Dort traf er den Culture Musical Club of Zanzibar, der schon seit Jahren die Taarab-Musik zu einer neuen Blüte führen. Taarab ist ein Mix aus arabischer, indischer und ostafrikanischer Musik und spiegelt die kulturelle Vielfalt der sansibarischen Ursprünge wieder. "Mkutano" heisst die Platte mit Taj Mahal und dem Culture Musical Club of Zanzibar.
Mit "Schau an - Musik" gehen wir zu den Ursprüngen von Taj Mahal zurück.
Denn auf der DVD "Live at Ronnie Scott's" ist ein Konzert dokumentiert, dass Taj Mahal 1988 gab. In bester Bluesrock-Manier lässt es der Meister krachen. Wer Taj Mahal noch nie live gesehen hat, dem vermittelt die DVD einen Eindruck von der Bühnenpräsens des Powerpakets. Die DVD bietet neben dem knapp einstündigen Konzert noch ein Interview mit Taj Mahal, das seltsamerweise immer zwischen die neun Songs geschnitten wurde. Mein Lieblingsstück von der DVD "Live at Ronnie Scott's" ist die herrliche Schnulze "Soothin'": Taj Mahal.
Taj Mahal DVD live at ronnie scott's 6
Sanctuary 2002 Gema
www.sanctuaryrecorsgroup.co.uk
Asian Dub Foundation DVD live tour 2003 4 5.17
Rinse Out 2003 Gema
www.asiandubfoundation.com
Ein ganz spezieller Tribut an den grosse Nusrat Fateh Ali Khan von den Asian Dub Foundation. Mit ihrer kraftvollen Musik haben mich die Asian Dub Foundation schon immer überzeugt. Ihre DVD "Live Tour 2003" ist jedoch schlichtweg der Hammer. Nicht nur, dass sich die sieben Londoner Jungs mit indo-pakistanischen Herkunft auf der Bühne die Seele rausspielen, auch der Sound und vor allem der Schnitt des Filmaufnahmen sind absolute Spitzenklasse. Da muss ich schon lange überlegen, wann ich so eine geile Konzert-DVD gesehen hätte. Über eine Stunde rocken die Jungs das Publikum in Belfort und als Bonus gibt's auf der DVD auch noch drei weitere Songs aus anderen Konzerten, sowie zwei Musikvideos. Dem nicht genug liefert die Asian Dub Foundation auch gleich noch eine 20-minütige Dokumentation über die Band und die einzelnen Song mit. Nenn ich noch zwei Fotosammlungen von der Band und dem Konzert, frage ich mich, warum nicht andere Bands auf die Idee gekommen sind, ihre DVDs derart bis zum Anschlag voll zu packen. Mehr kann nicht von einer DVD verlangt werden.
Der Tribut der Asian Dub Foundation an Nusrat Fateh Ali Khan war mir Grund genug, doch mal in meiner Plattensammlung zu suchen, auf welcher Scheibe der Song ist, dessen sich die Asian Dub Foundation bediente. Und siehe da, der Song stammt von der Platte "Mustt Mustt", der allerersten Platte überhaupt, die ich von Nusrat Fateh Ali Khan besaß. Der Pakistani zählt auch noch acht Jahre nach seinem Tod zu den besten Sängern der Welt. Er war es, der die Qawwali-Gesänge der Sufis, der muslimischen Mystiker, in aller Welt bekannt gemachte, auch und gerade durch seine Zusammenarbeit mit westlichen Popstars wie Peter Gabriel, Michael Brook oder Remixes wie die der Asian Dub Foundation und Massive Attack. Noch heute ist für mich die Platte "Mustt Mustt" eine der spannendsten von Nusrat Fateh Ali Khan.
Nusrat Fateh Ali Khan mustt mustt 5 4.47
Real World 1990 LC 03098
www.realworldrecords.com
Shantel bucovina club vol.2 10
Essay Rec 2005 LC 13406
www.essayrecordings.com
Man mag es nicht glauben, aber ein der abwechslungsreichsten neune Platten mit Balkan-Musik kommt aus...Frankfurt. Dort nämlich hat DJ Shantel den Bucovina Club gegründet und den Balkangroove mit digitaler Hilfe in das neue Jahrtausend bugsiert. Auf seiner zweiten CD "Bucovina Club Vol. 2" remixed Shantel nicht nur in bekannt-gekonnter Art Klassiker und neuer Einspielungen vom Balkan, unter anderem vom Sandy Lopicic Orchestar, von Fanfare Ciocarlia und Mahala Rai Banda. Neuster Coup von Shantel, der eigentlich Stefan Hantel heisst, ist das Bucovina Club Orkestar, eine All- Star-Combo, die es richtig krachen lässt. Glaubt ihr nicht? Dann nichts wie hin: morgen Abend, beim Zeltival im Karlsruher Tollhaus ist Shantel mit seinem Bucovina Club Orkestar zu erleben. Ich verspreche Euch, wenn nicht alles schief geht, erlebt ihr eines der heissesten Konzerte des Jahres! Wir sehen uns!
Von Balkangroove zu traditionellen Zigeunerweisen ist es nur ein kleiner Schritt. Die Sängerin Ani?ka Fe?ová stammt aus der Ostslowakei und stand schon als Kind auf der Bühne. Seit 1982 lebt sie in Berlin und hat dort auch als Betreuerin und Erzieherin in Grundschulen, Jugendzentren und Schüler-Clubs gearbeitet, um jungen Menschen die Kultur der Roma und Sinti nahe zu bringen. Ihre grosse Leidenschaft ist jedoch die Musik und so tritt sie immer wieder mit ihrer eigenen Band oder als Gastsängerin auf die Bühne. Ani?ka Fe?ová mit einem Song von ihrer CD "Roma Star - Gipsy Star", bei dem sie vom Martin Weiss, dem Geiger des Sinti Jazz Ensemble begleitet wird.
Ani?ka Fe?ová roma star - gipsy star 10 2.30
Ani?ka Fe?ová 2004 Gema
www.roma-star.de
Beat'n Blow sound of blasmusik 8 4.08
CooCoo 2005 LC 13999
www.beatnblow.de
"Schmeckt & Billig" so einen Songtitel können sich nur Berliner ausdenken.
Wenn die Band dann auch noch Beat'n Blow heisst und ihre CD "Sound of Blasmusik", dann weisse auch im wilden Süden alle, was ihm das Stündchen geschlagen hat. Denn Beat'n Blow haben sich vor zwei Jahren aufgemacht, um das Genre "Brass-Funk - Made in Germany" neu zu definieren, sagen sie jedenfalls. Und dies mit einem süffisanten Lächeln, das verrät, dass nicht alles so gemeint ist, wie es die elfköpfige Combo sagt bzw. musikalisch kommuniziert. Und ich bin mir ziemlich sicher, sollte es Beat'n Blow mal zu einer Tournee in unsere Gegend verschlagen, die Konzertbesucher sicher ihren Spass haben.
Von Beat'n Blow zu einem Musiker, dessen Song mich immer wieder tief berühren. Abaji heisst der grosse Meister. Der in Beirut geborene und in Paris lebende Multiinstrumentalist hat gerade seine vierte Platte veröffentlicht. Der musikalische Nomade lässt die libanesischen, syrischen, armenischen, türkischen und griechischen Einflüsse seine Vorfahren ein seinen ureigenen Mittelmeersound einfliessen. Wieder spielt Abaji rein akustische Instrumente der unterschiedlichsten Art, wie das kolumbianische Bambussaxophon, die griechische Bouzouki oder die von ihm entworfene Sitar- Gitarre. Gelegentlich haucht er auch mit seiner geheimnisvolle Stimme arabische Poesie ins Mikrofon. Abaji lässt sich in einigen Songs vom indischen Perkussionisten Ramesh Shotham, von Djivan Gasparian an der armenischen Oboe Duduk und vom marrokkanischen Oud-Spieler Majid Bekkas begleiten. Die CD heisst "Nomad Spirit" und Abaji ist wieder ein grosses Meisterwerk gelungen.
Abaji nomad spirit 3 7.11
Essay Rec 2005 LC 13406
www.essayrecordings.com
Töbi Tobler so los 9 3.53
Phonag 2003 Gema
www.toebitobler.ch
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Seit drei Jahrzehnten spielt er das Hackbrett und ist heute einer der wichtigsten europäischen Meister dieses Instruments: Töbi Tobler. Der Schweizer Musiker aus dem Appenzell sucht mit seinem Hackbrett nach neuen, zeitgemäßen Interpretationen von schweizer Volksmusik. Bekannt wurde Töbi Tobler gemeinsam mit Bassist Ficht Tanner als Appenzeller Space Schöttl.
Fast zwei Jahrzehnte demonstrierte dieses Duo, das Volksmusik und Avantgarde durchaus produktiv zusammengeführt werden können. Seit einiger Zeit ist Töbi Tobler auch mit anderen Bands, wie beispielsweise dem Neuen Original Appenzeller Streichmusik Projekt oder seiner neuen Gruppe Sternmotor unterwegs. Doch Töbi Tobler wandelt auch auf Solopfaden und ihr hörtet gerade das Titelstück seiner Platte: So los.
Vom Appenzeller Land via Belgien und Indien zum Goldnen Orsino. Die Auszeichnung für eine Produktion, die wirklich die Bezeichnung Weltmusik verdient, geht heute an Studio Pagol für ihr neustes Werk: the rest of the world.
Studio Pagol the rest of the world 1 4.10
Maboul 2005 Gema
www.studiopagol.com
Studio Pagol: dies ist eine multikulturelle und stilistisch bunt zusammen gewürfelte Truppe aus Brüssel. Studio Pagol bietet eine Art "Best of Worldpop" versehen mit harten Technobeat: nichts für Puristen, dafür äußerst club- und bartauglich. Die CD "the rest of the world" ist wesentlich härter ausgefallen als das Debüt-Album von Studio Pagol. Aber gerade dies hebt die aktuelle Produktion aus der Masse der Indien-meets- Clubmusik-Platten heraus. Im Studio Pagol werden viele musikalische Sprachen gesprochen: Bengali und Spanisch, Arabisch und Französisch, Hindi und Englisch. Weltmusik im besten Wortsinne also, und dafür hier den Goldenen Orsino.
Mit Studio Pagol muss ich mich nun auch schon wieder verabschieden. Mehr Infos zu den Musikern und Platten im Internet unter www.querfunk.de.
Orsino verabschiedet sich auf holländisch mit tot ziens und denkt daran:
Gute Musik gibt es überall, haltet die Herzen und Ohren offen.
Studio Pagol the rest of the world 4 4.24