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QUERFUNK 104,8 MHz
Freies Radio Karlsruhe |
Orsinos Lied 13.02.2005
Studio 0721 / 38 50 30 |
Redaktion & Moderation: Roland Altenburger
www.querfunk.de/sendungen/orsino
kontakt: orsino@querfunk.de
Orsino-Jingle
Ohne Musik müsste die Liebe verhungern. Deshalb will ich Euch füttern mit tönenden Speisen aus aller Welt. Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung beim Querfunk, herzlich Willkommen zur Orsinos Lied, herzlich Willkommen sagt Orsino.
Die kleine musikalische Weltreise entführt Euch in der kommenden Stunde nach Ost- und Westafrika, nach Nord- und Südamerika, vom fernen Osten ins nahe Baden-Baden. In "Schau an - Musik" möchte ich Euch zwei DVDs von Youssou N`Dour und Calexico vorstellen. Der Goldene Orsino geht an Bebo und Cigala für ihre schwarzen Tränen, für "Lágrimas Negras".
Los geht's mit einem musikalischen Dreierpack aus der Türkei. Die wunderbare Doppel-CD "Made in Turkey" stellt in fast 40 Songs türkischen Folkmit Sümeyra, türkischen Ragga mit Raga Oktay, türkischen Pop mit Sezen Akzu, türkische Latinmusic mit Ayhan Sicimoglu, türkischen Rock mit Erkin Koray und, und, und vor. Die Musikerinnen und Musiker sind zudem ein Spiegel des Vielvölkerstaates Türkei mit Kurden, Arabern, Tscherkessen, Assyrern, Griechen, Tataren usw. Mit "Made in Turkey" hat mir meine liebe Kollegin, die Radiomacherin, Dichterin und Djane Gülbahar Kültür wiedermal eine neue Lieblingsplatte geschenkt. Türkische Musik in all ihren, hierzulande völlig unbekannten, Fassetten. Ihr sollt jetzt als Beispiel Nil Karaibrahimgil sowie Ara Dinkjian mit Arto Tuncboyaciyan hören.
Nil Karaibrahimgil hat es als Sängerin innerhalb von zwei Jahren geschafft, zur Identifikationsfigur von modernen jungen türkischen Frauen zu werden.
Von ihren Fans wird sie auch hochachtungsvoll Alanis Morisette der Türkei genannt. Dabei zeichnet sich Nil Karaibrahimgil für mich vor allem durch ihren musikalischen Humor aus.
Im zweiten Song lässt sich Sänger Ara Dinkjian vom armenisch-türkischen Jazz-Urgestein Arto Tuncboyaciyan begleiten. Ara Dinkjian spielt die armenische Laute Saz und das arabische Hackbrett Kanun. Bekannt ist der Sänger jedoch auch als Komponist für türkische Stars wie Sezen Aksu oder Ahmet Kaya. Mit Arto Tuncboyaciyan gründete er vor Jahren die erfolgreiche Worldmusikband Night Ark und Arto spielt Ara Dinkjian auch heute noch Songs ein. Der Multiinstrumentalist Arto Tuncboyaciyan ist wohl einer der erfolgreichsten türkischen Jazzmusiker aller Zeiten. Auch mit seinem neusten Projekt der Armenian Navy Band überschreitet Arto wieder die Grenzen zwischen Jazz, Folk und Worldmusic. Das gleich zu hörenden Lied geht mir garnicht mehr aus dem Kopf und meine Kinder summen ihn schon mit.
Song Nummer Drei stammt von Mercan Dede, diesem digitalen Derwisch, der wie kein anderer türkischer Musiker modernste Clubsounds mit traditioneller Sufimusik verbindet. Seine neuste Platte heisst "Su". Wieder hat sich Mercan Dede sowohl klassische als auch moderne Musiker ins Studio geholt und wieder geht er selbst mit der Rohrflöte Ney genauso virtuose um wie mit Soundmaschinen und Computern. Auch auf "Made in Turkey" ist ein Stück von Mercan Dede zu finden, ich möchte Euch jedoch Mercan Dedes Stück mit der indischen Sängerin Susheela Raman vorstellen. Jetzt also Nil Karaibrahimgil, Ara Dinkjian mit Arto Tuncboyacian und Mercan Dede mit Susheela Raman.
V.A. made in turkey I 6 + 10 3.41 + 2.50
Soulstar 2004 LC 00877
www.soulstarrecords.com
Mercan Dede su 5 6.30
Doublemoon 2004 Gema
www.doublemoon.com.tr
Von der Türkei auf die Komoren. Die vier Inseln liegen im Indischen Ozean zwischen Madagaskar und Ostafrika. Einer der populärsten Musiker der Komoren ist Mikidache. Seine zweite Platte, die schlicht seinen Namen als Title trägt, ist ein CD voller Sonnenschein, abwechslungsreich und harmonisch und so unterschiedlich, wie die Sonne scheinen kann, von rot und warm bis weiß und heiss. Um den wunderbaren Sound der CD zu kreieren, hat sich Mikidache in Paris unter anderen das madegassische Akkordeongenie Régis Gizavo und den erstaunlichsten Flötisten von ganz Westafrika, Magic Malik, ins Studio geholt. Mikidache selbst besticht nicht nur durch seinen Gesang sondern auch durch sein ausserordentliches Gitarrenspiel.
Mikidache dito 4 3.39
Worldconnection 2003 LC 10236
www.worldconnection.nl
Terezinha Aroújo nos riqueza 6 4.02
Nocturne 2004 Gema
www.malagueta- music.com
www.nocturne.fr
Vor Afrikas Westküste liegen die Kapverdischen Inseln. Neben Cesaria Evora und ihren Musikern ist die Gruppe Simentera die wichtigeste Band der Kapverden. Deren Sängerin Terezinha Araújo hat nun ihre erste Soloplatte veröffentlicht. "Nos Riqueza" hat sie jedoch wieder mit Musikern von Simentera eingespielt. Ein warmer Wind scheint von dieser zarten Platte auszugehen. Kapverdische Musik - so wie ich sie liebe: leicht, unaufdringlich und doch immer mit einem Schuss Melancholie.
In "Schau an -Musik" bleiben wir noch in Westafrika und kommen zu einer DVD von einem der bekanntesten und erfolgreichsten Musiker dieser Region:
Youssou N`Dour. "Live in London" dokumentiert ein Konzert, dass Youssou N`Dour mit seiner exzellenten Band im Dezember 2002 im der Union-Chapel gegeben hat. Die BBC hat das Konzert aufgenommen und das britische öffentlich-rechtliche Fernsehn ist nicht von ungefähr für seine guten Filme berühmt. "Live in London" bietet zwar neben einem kurzen Dok-Film über die Vorbereitungen zu dem aufgezeichneten Konzert nicht viel mehr, aber dieses Konzert ist einfach grandios, in jeder Hinsicht. Youssou N`Dour singt Songs aus allen Stationen seiner Karriere und gibt auch jedem seiner Bandmitglieder und Gäste grossen Raum, sich selbst zu zu präsentieren.
"Live in London" - einfach eine tolle, bodenständige DVD.
Youssou N`Dour dvd live in london 10 3.54
BBC 2003 Gema
www.youssou.com
Calexico dvd world drifts in - live at the barbican london 14 3.10
City Slang 2004 LC 06853
www.casadecalexico.com
www.cityslang.com
Calexico. Seit knapp 10 Jahren steht die Band um John Convertino und Joey Burns für zeitgenössische Tex-Mex-Music aus Tucson/Arizona. Ihr DVD "World drifts in" bietet den Mitschnitt eines Konzertes im Londoner Barbican im Jahr 2002, bei dem sich Calexico unter anderem von der Sänger Francoiz Breut und den Mariachi-Band Luz de Luna unterstüzten lassen. Die DVD bietet zudem noch drei kurze Dokumentarfilme über die Band, reichlich Interviewmaterial, ein Comic und 3 Musikvideos. Dies sind über 2 ½ Stunden Material, mit dem mit Sicherheit nicht nur Calexico-Fans ihren Spass haben werden.
Vom weißen Latinosound, zum schwarzen Country. Ich geben zu, ich bin kein grosser Fan dieses Musikstils, doch die CD "Dirty Laundry" ist die coolste Country-Platte, die ich je bewusst gehört habe. Der Untertitel "the soul of black country" sagt eigentlich auch warum. 24 afro-amerikanischen Musikerinnen und Musiker interpretieren Country-Songs, dass es eine Freude ist. Das Afroamerikaner Country spielen, war eigentlich schon immer so, auch wenn es Plattenfirmen und Rassisten nicht immer gern gesehen haben.
Auf der Platte "Dirty Laundry" sind unter anderem James Brown, die Pointer Sisters, Solomon Burke und Curtis Mayfield zu hören. Auch die grosse Dame des Rhythm & Blues Etta James hatte immer eine Schwäche für Country und hat erst vor drei Jahren eine Platte mit bluesigen Countrysongs veröffentlicht.
Schön, dass auch Etta James auf "Dirty Laundry" zu finden ist.
V.A. dirty laundry 11 3.20
Trikont 2004 LC 04270
www.trikont.de
Grupo Cimarrón si, soy llanero 4 3.18
Trikont 2004 LC 04270
www.trikont.de
Die Grupo Cimarrón hat sich ganz dem Joropo, der Musik des östlichen Kolumbiens verschrieben. Dort in den fruchtbaren Ebenen um den Orinoco- Fluss haben sich die zehn herausragenden Musiker zusammen-getan, um den Joropo, der auch Musica Llanera - Musik des Flachlands genannte wird, mit neuem Feuer zu beleben. Dabei würzt die Grupo Cimarrón auf ihrer Platte "Si, soy llanero" den Joropo auch mit ein bisschen Jazz, karibischen Klängen und einer weiblichen Stimme, was für diesen Stil durchaus revolutionär ist.
Auch Shunsuke Mizuno geht auf seine Art revolutionär mit der Musik seiner Heimat um. Der japanische Kontrabassist Shunsuke Mizuno sucht mit neun Landsleute auf der Platte "Slow Time" nach neuen Möglichkeiten, asiatische Musik zu spielen. Dabei kommen sowohl traditionelle japanische Instrumente, wie die Zitter Koto oder die Oboe Hitiriki zum Einsatz, wie auch indische Tablas, Klavier und Gitarre. Geschickt umschifft Shunsuke Mizuno jedoch die Klippen der Esotherik und spielt Musik, die beruhigend dahinfliesst wie ein kleiner Bach.
Shunsuke Mizuno slow music 7 3.17
Ozella 2005 LC 10268
www.ozellamusic.com
Ronu Majumdar morning mood 3 12.52
Peshkar 1998 GEMA
www.peskar.de
Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, dann sind die Ragas von Ronu Majumdar Erotik pur. Ronu Majumdar spielt die indische Bambusflöte Bansuri und ist neben Hariprasad Chaurasia einer der wichtigsten und erfolgreichsten Meister seines Instruments. Majumdar spielte unter anderem mit Ravi Shankar, Amjad Ali Khan und V.M. Bhatt. Ihr hörte gerade den Schluss des Raga Nat Bhairav. Ronu Majumdar wurde dabei von seinem langjährigen Begleiter, dem Tabla-Meister Abhijit Banerjee unterstützt. Die CD, auf der noch ein weiterer Raga zu hören ist, heisst "Morning Mood" und ist so ziemlich die beste Platte, um einen Morgen ruhig angehen zu lassen.
Wesentlich heftiger geht es bei der Gruppe Mynta zur Sache. Diese bietet auf ihrer aktuellen Platte "Teabreak" wieder ihre ureigene schwedisch- indische Melange. Mynta überschreiten seit 1979 die Grenzen dess Jazzrock und lassen Musikstile aus aller Welt in ihre Musik einfliessen, in den letzten Jahren vor allem indische. Das Album "Teabreak" hat diesmal jeoch eine sehr spezielle Geschichte. Ursprünglich sollten die Aufnahmen in September 2001 erfolgen. Doch der Terrorakt in New York zwangen den Sänger Shankar Mahadevan und den Tablaspieler Fazal Qureshi die Reise nach Schweden abzusagen. So schickte der schwedische Teil von Mynta ihre vorproduzierten Bänder nach Indien, wo Shankar und Fazal ihrer Parts einspielten. Das ganze Material wurden nach wieder nach Schweden geschickte und fertigstellt. Auch so kann also über auf der jedweiligen anderen Seite der Erde Weltmusik produziert werden: Mynta.
Mynta teabreak 4 3.18
Pläne 2004 LC00972
www.plaene- records.de/mynta
Rüdiger Oppermann same same - but different 12 3.05
Klangwelten 2004 LC 06818
www.klangwelten.com
In Baden-Baden wohnt einer der umtriebigsten Weltmusiker Deutschlands:
Rüdiger Oppermann. Seit nunmehr 30 Jahren wandert er mit seinen Harfen durch die Musikstile dieser Welt und seine Klangwelten- und Harfenfestivals haben so manchen Musiker aus den entlegendsten Ecken der Erde im Westen bekannt gemacht. Oppermann selbst hat sei sieben Jahren keine eigene CD mehr aufgenommen. Doch mit "Same same - but different" feiert er nun mit vielen Weggefährten sein Jubiläum. Neben Rüdiger Oppermann sind unter anderem der ungarische Geiger Zoltán Lantos, der indische Tablaspieler Jatinder Thakur und Kora-Spieler Tata Dindin aus Gambia sowie der Meister der mongolischen Pferdegeige Enkh Jargal zu hören.
Von Baden-Baden nach Krakau. Die alte jüdische Bezeichnung von Krakau heisst Kroke und so nennt sich auch die erfolgreichste Band dieser Stadt.
Kroke spielen jüdische Musik, mischen den Klezmer jedoch mit Jazz, Chanson und Folkeinflüssen. Für die CD "Live at Home" haben sich der Geiger Tomasz Kukurba, der Akkordeonspieler Jerzy Bawol sowie Bassist Tomasz Lato diesmal noch den Perkussionisten Tomasz Grochot auf die Bühne geholt. Wer Kroke je live erlebt hat, wird merken, dass es diese Platte sehr gut gelingt, die aussergewöhnliche Konzertatmosphäre der Band wiederzugeben.
Kroke live at home 3 4.35
Oriente 2004 LC 03592
www.kroke.krakow.pl
www.oriente.de
Der Goldene Orsino. Dieser Preis für Musik, die wirklich die Bezeichnung Weltmusik verdient, weil sie verschiedene Stile zu einen neuen Ganze zusammenfügt geht heute an Bebo und Cigala.
Bebo & Cigala lágrimas negras 4 3.07
Calle54 Rec 2003 LC00116
www.calle54records.com
Der 86-jährige kubanische Pianist Bebo Valdes hat 2002 gemeinsam mit dem spanischen Flamencosänger Diego El Cigala die Platte "Lágrimas Negras" eingespielt. Flamenco trifft auf kubanischen Jazz und dies in einer Art und Weise, wie es bisher noch nie zu hören war. Bebo und Cigala haben ein Album eingespielt, sowohl in Spanien als auch in den beiden Amerikas Preise über Preise eingeheimst hat. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem vom uruguayischen Jazz-Saxophonisten Paquito D'Rivera, vom spanischen Gitarristen El Nino Josele und vom brasilianischen Sänger Caetano Veloso.
Weltmusik im besten Wortsinne also und dafür gibt's hier beim Querfunk den Goldnen Orsino für Bebo und Cigala.
Das war`s auch schon für heute. Mehr Infos im Internet unter www.querfunk.de, dort zu Orsinos Lied durchklicken. Orsino sagt damit auf pakistanisch khuda hafiz und denkt daran: Gute Musik gibt es überall, halten die Ohren und Herzen offen.
Bebo & Cigala lágrimas negras 8 8.58