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Orsinos Lied 14.11.2004

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Redaktion & Moderation: Roland Altenburger

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Orsino-Jingle


Die Musik, die Musik, die Musik ist die Nahrung der Liebe. Deshalb will ich Euch verwöhnen mit Musik aus aller Herren und Damen Länder. Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung beim Querfunk. Herzlich Willkommen zu Orsinos Lied. Herzlich Willkommen sagt Orsino.

Es erwarten Euch in der kommenden Stunde Lieder aus Syrien und Kuba, aus Japan und Nigeria, aus Uruguay und Norwegen. Wieder entführt uns Masada zurück in die Zukunft des Klezmer und der Goldene Orsino geht heuer an das Krakauer Motion Trio für ihre CD "Pictures from the streets".


Los geht's mit einem Dreierpakt Blasmusik, Blasmusik der etwas anderen Sorte, Blasmusik von Lalo Schifrin, der Dr. Macaroni Brass Band und Femi Kuti. Erstgenannter Lalo Schifrin ist ein Argentinier, der seit rund einem halben Jahrhundert in Hollywood einer der begehrtesten Filmkomponisten ist.
Aus seiner Feder stammen Soundtracks von Filmhits wie "Dirty Harry", "Mission Impossible", Bruce-Lee-Karate-Klassikern usw. und so fort. Doch Lalo Schifrin ist ebenso im Jazz zugange und komponiert unter anderem Jazzsymphonien, angereichert mit Einflüssen aus der indischen, afrikanischen und natürlich südamerikanischen Musik. Auf der Platte "Most Wanted" sind 16 dieser oftmals äußerst schrägen Komposition von Lalo Schifrin zu hören.


Die Dr. Macaroni Brass Band ist eine bunt zusammengewürfelte Truppe um den Schweizer Schlagzeuger Peter Dieterle. Die sechs weiteren Musiker stammen aus Kuba, Japan, Argentinien, Spanien und den USA. Auf ihrer CD "cum laude" spielte die Dr. Macaroni Brass Band neben Jazz-Klassikern von Duke Ellington, Herbie Hancock und Horace Silver auch Stücke des südafrikanischen Pianisten Abdullah Ibrahim. Und dies alles mit einer wunderbaren Prise Humor. Ich muss beim Hören Dr. Macaroni Brass Band immer schmunzeln. Was ja bei diesem Novemberwetter eigentlich das Beste fürs Gemüt ist.


Platte Nummer Drei in der heutigen Sendung stammt von Femi Kuti. Sein neustes Album ist wieder eine von diesen Wahnsinnsproduktionen, die bei mir tagelang den CD-Player annektieren. "Africa Shrine" ist eine dermaßen geile Scheibe, dass ich sie stundenlang in der Endlosschleife hören könnte. Femi Kuti und seine erstklassige Band Positive Force lassen nicht nur im "Africa Shrine" in Lagos, der Hauptstadt von Nigeria, die Wände wackeln. Alle, die bisher glaubten, Femi Kuti sei nur deshalb so populär, weil sein Vater kein geringerer war als Fela Kuti, der Erfinder des Afrobeat, die sollte spätestens dies Live-Platte überzeugen. Bevor ihr Euch von der vitalen musikalischen Kraft von Femi Kuti überzeugen könnte jedoch erst Lalo Schifrin und die Dr. Macaroni Brass Band.


Lalo Schifrin most wanted 2 2.41

Univeral 2004 LC 10551
www.jazzecho.de


Dr. Macaroni Brass Band cum laude 6 3.42

TCB 2004 LC 5370
www.tcbrecords.com


Femi Kuti africa shrine 4 3.55

Tropical Music LC 9078
www.tropical- music.com


Vom Sohn zum Vater. Von Femi Kuti zu Fela Kuti. Geboren 1938, an Aids gestorben mit 59 Jahren, ist Fela Kuti noch heute, sieben Jahre nach seinem Tod, einer der bekanntesten und einflussreichsten afrikanischen Musiker. Er verband als erster afrikanische Musik mit Jazz und Funk und politischen Statements. Fela schrieb mit seinem Afrobeat Pop-Geschichte als Komponist, Sänger, Trompeter und Saxophonist. Doch auch sein selbstbewusstes Auftreten gegenüber korrupten afrikanischen Politikern machten Fela Kuti zum Ideal einer Generation, die die Zeit des Kolonialismus und des Bürgerkrieges in Nigeria hinter sich lassen wollten. Endlich sind wieder rund zwei Dutzend seiner über 50 Platten als CD wiederveröffentlicht worden. Darunter auch Aufnahmen mit einer seiner frühen Gruppen Koola Lobitos aus den Jahren 1964 bis 68, also noch aus der Zeit, bevor Fela Kuti mit seinen Bands Nigeria 70, Africa 70 und Egypt 80 seinen Afrobeat kreierte.


Fela Kuti koola lobitos/the 69 la sessions 3 5.16

Barclay 2001 LC 00126
www.universal- music.de


Frank London's Shekhina Big Band scientist at work 4 4.35

Tzadik 2002 LC 10584
www.tzadik.com


Ein Tribut an Fela Kuti von der anderen Seite des Teiches. Aus der New Yorker Jazz- und Avantgarde-Szene hat der Trompeter Frank London die Shekhina Big Band zusammengestellt. "Fela" ist eine von sieben Kompositionen, mit denen London zwischen Afrobeat, Klezmer, Jazz und arabischer Musik hin und her pendelt. Eigentlich 1999 als Privat-Platte veröffentlicht hat der Saxophonist und Produzent John Zorn alles neu gemischt und sich dazu weitere Musiker wie unter Mark Feldman, Erik Friedlander, Cyro Baptista und Jamie Saft ins Studio geholt. "Scientist at Work" heisst dieser spannende und abwechslungsreiche Silberling von Frank London.


Von New York in die Karibik. Das Trio Matamoros wird als eine der wichtigsten kubanische Bands aller Zeiten bezeichnet. Gegründet in den 20er Jahren schufen das Trio den Bolero-Son und über 200 kubanische Evergreens.
Auf der CD "Trio Matamoros en San Juan" sind nun endlich zwei legendäre LPs des Trio wieder veröffentlich worden. Aufgenommen in Puerto Rico in den Jahren 1956 und 1960, waren Miguel, Cueto und Siro zu dieser Zeit am Höhepunkt ihrer Karriere. Diese Platte muss jeder haben, der lustvoll in die Tiefen der kubanischen Musik abtauchen will: Trio Matamoros.


Trio Matamoros en san juan 10 3.09

Nuevo Medios 2004 Gema


Luis di Matteo siempre hay algo nuevo/tango y mas allá 2 5.18

Jaro 2004 LC 08648
www.jaro.de


Tango Nuevo in seiner besten Ausformung von letzten grossen, noch lebenden Meister des Fachs: Luis Di Matteo. Kein Geringerer als der Tango-Gott Piazzolla hielt Matteo für den besten Musiker Uruguays und hätte ihn gern in sein Orchester geholt. Doch Luis Di Matteo ist mit seinem Bandoneon schon immer eigene Wege gegangen. Und dieser sind wunderbar auf dem Doppelalbum "Siempre hay algo nuevo" nachzuvollziehen. Denn eine der zwei CD´s heisst "Retrospectivo". Sie gibt einen Überblick über das Werk von Matteo aus den Jahren 1976 bis 99. Auf dem zweiten und neuen Album "Tango y mas allá" schlägt Matteo zu seinem 70. Geburtstag einen völlig neuen Weg ein. Nun finden sich erstmals elektronische Sounds und die menschliche Stimme in seinen Kompositionen wieder. Somit ist das Doppelalbum "Siempre hay algo nuevo" ein würdiges Geburtstagsgeschenk für und von einem grossen Meister.


Vom südamerikanischen Tango zum Sound of Japan und seinem bekanntesten Repräsentant: DJ Krush. Mittlerweile ist DJ Krush nicht nur in der Tokyoter Szene ein gefragter Meister seines Fachs. Seine spezielle Art Club-Musik mit japanischen Sounds zu verbinden, hat überall auf der Welt Fans gefunden. So verwundert es nicht, dass der 42-jähre auch schon mit Szene- Grössen wie The Roots, MC Solaar und DJ Spooky zusammengearbeitet hat.

Die aktuelle Platte von DJ Krush heisst "Jaku". Diesmal hat sich Krush auch traditionelle japanische Musiker, wie den Shakuhachi-Spieler Shuuzan Morita und Tetsuro Naito an diversen japanischen Trommeln, ins Studio geholt. So entsteht ein irregute Mischung aus Tradition und Moderne, welche die üblichen Grenzen solcher Club-orientierten Produktionen weit überschreitet.


DJ Krush jaku 1 5.06

Sony 2004 LC 00162
www.mmjp.or.jp/sus/krush


Karl Seglem new north 7 5.17

Ozella 2004 LC 10268
www.ozellamusic.com


Karl Seglem zwischen Tradition und Moderne. Der Norweger spielt Tenorsaxophon sowie diverse Naturhörner und ist eigentlich im Jazz beheimatet. Aber mittlerweile dürfte es sich rumgesprochen haben, dass die Skandinavier unter Jazz etwas anderes verstehen, als der Rest der Welt.
Seglem verbindet Jazz mit Folk, Elektronik und verschiedensten anderen Einflüssen, um seinen ganz eigenen Sound entstehen zu lassen. Seine aktuelle CD "New North" klingt wie ein Plätschern aus den esoterisch angehauchten Jazzweiten Skandinaviens, in denen sich auch Nils Petter Molvaer, der ebenfalls auf der Platte zu hören ist, oder Jan Garbarek tummeln.


Aus Syrien stammt die Sängerin Zein Al-Jundi. Schon mit fünf Jahren stand Zein auf der Bühne und hatte mit zwölf ihrer ersten Auftritte im syrischen Fernsehen. Seit rund zwanzig Jahren lebt sie mittlerweile in Texas und hat dort eine eigene Bauchtanzschule aufgebaut. Ausserdem ist Zein Al-Jundi als Buchautorin tätig. Nach jahrelanger Pause hat Zein Al-Jundi nun wieder eine Platte mit 13 traditionelle syrischen Songs aufgenommen, unterstützt und präsentiert vom ägyptischen Meistertrommler Hossam Ramzy. Die Platte heisst schlicht "Songs from Syria".


Zein Al-Jundi traditional songs from syria 2 2.52

ARC 2004 LC 05111
www.wmdproductions.com/TraditionalSongsFromSyria.htm


Ben Harper & The Blind Boys of Alabama there will be a light 3+4

Virgin 2004 LC 00542
www.benharper.net


Ben Harper. Der amerikanische Sänger, Gitarrist und Komponist ist immer wieder für Überraschungen gut. Mal singt er lyrische Songs im Reggae-Stil, mal lässt er es krachen wie Jimi Hendrix. Auf seiner neusten Platte "There will be a light" wendet er sich nun dem Gospel zu. Und holt sich dafür auch gleich noch eine der allerbesten Gospelgruppen aller Zeiten ins Studio, die Blind Boys of Alabama. Für mich ist dies eines der geilsten Platten von Ben Harper. Es gelingt ihm, die Klischees zu brechen und auch den Blues im Gospel klingen zu lassen.


Vom Blues zum Klezmer zu "Masada - Zurück in Zukunft des Klezmer". Orsinos Lied feiert mit dieser Reihe das 10-jähriges Bestehen des New Yorker Musiker-Projektes Masada. Der Schlagzeuger Joey Baron, der Bassist Greg Cohen, der Trompeter Dave Douglas und schliesslich der Saxophonist und Kopf von Masada John Zorn sind angetreten, die jüdische Klezmermusik aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen. Heute soll es darum gehen, was denn Masada eigentlich revolutionieren wollte.


V.A. von der khupe zum klezkamp 5 3.00

Piranha 1999 LC 07717
www.piranha.de


Ein Klezmer aus dem Jahr 1930 vom legenderen Naftule Brandwein. Klezmer:
das jiddische Wort Klezmer bedeutet wörtlich "Musiker". Als Bezeichnung für die Musik der in den USA lebenden Juden kam es mit dem Klezmer-Revival in den 70er Jahren in Mode. Die ersten Band dieses Klezmer-Revivals wollten den Klang von Naftule Brandwein und seiner Zeitgenossen wieder lebendig werden lassen. Dabei war dieser Klezmer schon amerikanisiert. Vor allem Jazz-Einflüsse hatte den Klezmer der 20er und 30er Jahre geprägt. Dabei reicht Klezmer viel weiter zurück. Die Musikethnologin Susan Bauer beschreibt in ihrem aufschlussreichen Buch "Von der Khupe zum Klezkamp" den Ursprung der Musik: "Klezmer-Musik hat sich in Osteuropa als Begleitung der Hochzeitsfeierlichkeiten der Aschkenasim, der Jiddisch sprechenden Juden, entwickelt. Durch ihre weite Verbreitung im östlichen Europa ...und anschließend durch die jüdische Massenemigration nach Amerika hat sie zahlreiche Veränderungen erfahren.... Für den Einen ist ...(Klezmermusik) ein fest umrissenes Repertoire, für den Nächsten einfach nur Tanzmusik, für den Dritten eine "Art und Weise" wie eine Melodie gespielt wird." Soweit ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch "Von der Khupe zum Klezkamp" von Susan Bauer. Mit der beigelegten CD ist das Buch ein wunderbarer Einstieg in die Welt des Klezmer. In der Zeit des grossen Klezmer-Revivals in den 70er und 80er Jahren ging es den meisten Klezmermusiker darum, die alten, fast vergessenen Lieder neu zu entdecken. Die vier Musiker von Masada wollen mehr. Ihnen ging es, wie John Zorn in einem Interview sagt, darum" mit Masada eine Art radikale jüdische Musik, eine neue jüdische Musik zu produzieren. Musik für Juden von heute." Mittlerweile gibt es rund 30 Platten, auf den Masada zu hören ist. Auch das ursprünglich Quartett hat mancherlei Erweiterungen erfahren. Unter diesen vielen Platten ist die Doppel-CD "The Circle Maker" einer meiner Lieblingsproduktionen. Eigentlich sind es zwei Produktionen. Nummer Eins heisst Issachar und wurde eingespielt vom Masada String Trio: Greg Cohen am Bass, Mark Feldman an der Violine und Erik Friedlander am Cello. CD Nummer Zwei heisst Zevulun eingespielt vom Bar Kokhba Sextet. Dieses erweitert das Masada String Trio um den Gitarristen Mark Ribot, Masadas Schlagzeuger Joey Baron und den Percussionisten Cyro Baptista. "The Circle Maker" lässt die Kompositionen von John Zorn in einer völlig neuen Instrumentierung hören. Dies ist Klezmermusik der Gegenwart, offen für die Zukunft: Masada


Masada the circle maker - zevulun 2 4.45

Tzadik 1998 LC 10584
www.tzadik.com


Der Goldene Orsino: heute für das Motion Trio aus Krakau und ihre Produktion "Pictures from the streets".


Motion Trio pictures from the street 3 3.24

Asphalt Tango 2004 LC 12494
www.motiontrio.com


Es ist die spannendeste Akkordeonplatte, die ich seit langem gehört habe:
die Debüt-CD des Krakauer Motion Trios. Drei junge Männer, der älteste gerade mal 33 Jahre alt, sind in der Lage, mit drei akustischen Instrumenten, drei Akkordeons, einen Sound zu produzieren, dass es mir ganz anders wird. Marcin Galazyn, Janusz Wojtarowicz und Pawel Baranek, kurz das Motion Trio, haben zwar alle klassisch Akkordeon gelernt und studiert, doch auch in Krakau als Strassenmusiker ihren Horizont erweitert. Deshalb heisst ihr Debütalbum wohl auch "Pictures from the streets". Sie brauchen keine elektronische Hilfsgeräte um mit ihren Akkordeons und den selbstkomponierten Stücken Musik zu machen, die am besten mit dem Wort Weltmusik zu umschreiben ist. Dafür gibt's hier den Goldenen Orsino. Die CD bietet Computerbesitzern zudem ein Extraschmankl: einen knapp 8-minütigen stimmungsvollen Film über das Trio von Justyna Rymer. Kein klassisches Musikvideo, eher ein poetisches Porträt

Orsinos sagt mit dem Motion Trio für heute do widzenia. Mehr Infos zu den vorgestellten CDs und Musikern im Internet unter www.querfunk.de . Tschüss und denkt daran: Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen.


Motion Trio pictures from the street 10 7.58

Asphalt Tango 2004 LC 12494 www.motiontrio.com