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Orsinos Lied 13.06.2004 13 Uhr

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Redaktion & Moderation: Roland Altenburger

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Orsino-Jingle


Die Musik ist die Nahrung der Liebe. Und damit ihr am Anfang des Sommers nicht darben müsst, nun ein klingendes Menü mit Zutaten aus fünf Kontinenten.

Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung beim Querfunk. Herzlich Willkommen bei Orsinos Lied. Herzlich Willkommen sagt Orsino.

In der kommenden Stunde möchte ich Euch verwöhnen mit Musik aus Japan und Kuba. Ihr sollt hören, was der Libanon und Argentinien zu bieten haben.
Auch Finnland und Benin steht auf dem Plan. Masada entführt uns wieder zurück in die Zukunft des Klezmer und der Goldene Orsino geht an das Sandy Lopicic Orkestar für ihre neue Platte "Balkea".


Von der Hülle der ersten CD lächelt mich eine Dame mit rundem Gesicht und ergrauten Rasta-Locken an: Bobi Céspedes. Die aus Kuba stammende Sängerin Bobi Céspedes ist eine Santera, eine Priesterin eines vor allem in Kuba und Brasilien verwurzelten afroamerikanischen Kultes. Diesen Santeria oder auch Lucimi genannten Kult brachten die Sklaven aus Westafrika nach Amerika.
Bobi Céspedes zelebriert mit ihrer tiefen Stimme die Musik dieses Kultes in der westafrikanischen Sprache Yoruba. Zur 19-köpfigen internationalen Crew zählen unter anderem Pianist und Flötist Oriente López, Drummer Nenge Hernández, Bassist Rahsaan Fredericks sowie der Gitarrist und Produzent Greg Landau. Sie alle lassen eine irrwitzig groovenden Sound entstehen, der für micht schlichtweg der Soundtrack für den kommenden Sommer sein wird:
Bobi Céspedes!


Bobi Céspedes rezos 4 4.14

Six Degrees 2002 Gema
www.sixdegreesrecords.com

Angélique Kidjo oyaya! 1 4.33

Sony 2004 LC 00162
www.angeliquekidjo.com

Lhasa the living road 3 4.37

Les Disques Audiogramme 2003 Gema
www.lhasadesela.ca


«The Living Road» heisst die aktuelle Platte von Lhasa de Sela. Mit dieser, ihrer zweiten Platte hat es Lhasa an die Spitze der Europäischen Weltmusikcharts geschafft. Obwohl oder gerade weil diese Platte auf den sonst übliche Elektro-Ethno-Firlefanz verzichtet hat. Ihre Platte ist ein eher stilles Werk, die von der dunklen Stimme Lhasas und den sparsam aber sehr gezielt gesetzten Intrumentierungen lebt. Als Tochter eines mexikanischen Professors und einer us-amerikanischen Fotografin ist Lhasa schon in der Kindheit zwischen den anglo-amerikanischen und der latein- amerikanischen Kultur hin und her gependelt. Über Kanada kam Lhasa schließlich nach Frankreich und hat dort eben jene wunderbare Platte "The Living Road" mit 13 befreundeten Musiker aus aller Welt eingespielt.


Vor Lhasa eine Dame, die seit Jahre eine feste Größe in der Weltmusikszene ist. Angélique Kidjo aus dem kleinen westafrikanischen Benin. "Oyaya!" heißt die aktuelle Platte von Angélique Kidjo und vor allem Freude will sie damit verbreiten. Dazu würzt sie Afro-Pop mit karibischen Zutaten. Wie bei fast allen Platten von Angélique habe ich auch bei "Oyaya" wiedersprüchliche Gefühle. Einerseits bin ich fasziniert von ihre Stimme und von ihrem Mut, verschiedenste Stile zu mischen. Es gibt Songs, die sind einfach wunderbar. Andererseits ist mir vieles dann doch zu populistisch und zu bunt zusammengewürfelt. Nichtsdestotrotz wird Angélique Kidjo auch mit ihrer neusten Platte sicher wieder viele Freunde finden. Aufgenommen hat Angélique Kidjo "Oyaya" hauptsächlich mit kubanischen Musikern und so kommt die Platte auch extrem karibisch daher.


Wenn ich an meine frühsten Erlebnisse mit Weltmusik denke, kommt mir ein Name in den Sinn, der schon zu Kinderzeiten wie ein Zauberformel klang:
Atahualpa Yupanqui. Der 1992 verstorbene Sänger, Gitarrist und Komponist ist eine Art Heiliger der argentischen, ja der ganzen südamerikanischen Folklore. Jetzt ist eine CD erschienen, die ein Konzert aus dem Jahre 1978 dokumentiert, als Atahualpa Yupanqui solo in Köln aufgetreten ist. Im "Concierto Instrumental" spielt Yupanqui hauptsächlich traditionelle Stück, ist aber auch mit einem ein selbstverfasstes Gedicht zu hören. Obwohl das mitgeschnittene Konzert 26 Jahre zurückliegt, fühlte ich mich beim Hören sofort in die Stimmung dieses Abends versetzt. Dies müssen die glattpolierten Live-Alben von sogenannten Superstars erstmal schaffen, die spezielle Atmosphere die besondere Konzerte mit sich bringen einzufangen.


Atahualpa Yupanqui concierto intrumental 8 2.14

Pläne 2004 LC 00972
www.plaene-records.de

Son 14 fuego en la maya 9 4.01

Tumi 2004 LC 03885
www.tumi-music.com


Seit 25 Jahren gehört eine Orchester zu den bekanntesten Big Bands der Latin-Szene: Son 14. Die 14 steht für 14 exzellente Musiker, die von hochkarätigen Son über Salsa bis zu romantischen Boleros einiges zu bieten haben. Sie sehen sich als musikalischen Fahnen der kubanischen Nationalmusik des Son und haben seit ihrer Gründung in Santiago de Kuba immer wieder junge Musiker in das Ensemble aufgenommen. Son 14 stehen für kräftigen, bodenständigen Karibik-Sound und wenn die Boleros auch noch von Salvador Llorens Bestrot vorgetragen werden, dann schmilzt mein Herz. Die aktuelle Platte von Son 14 heisst "Fuego en la Maya".


Nicht nur in der Karibik gibt es wilde Blasmusik, nein auch der Balkan ist dafür bekannt. Dort, vor allem in ehemaligen Jugoslawien war Darko Rundek als Sänger der Rockgruppe "Haustor", als Dichter, Komponist, Schauspieler und Regisseur ein Superstar. Im Balkankrieg weht es Darko ins Pariser Exil und nun meldet er sich mit einer neuen Band zurück. Mit seinem Cargo Orkestar zerlegt Rundek die Balkanmusik in ihre Einzelteile und verschnürt sie mit Asian vibes, Reggae, afrikanische Einflüsse, ein bisschen Bolivien, Peru nicht zu vergessen, russische Klänge und electronic loops neu. Darko bringt seine wilde Mischung mit einem schönen Vergleich auf den Punkt: Wir reisen nicht an Deck eines Touristendampfers. Es ist Cargo. Spannender kann Balkanmusik kaum sein. Darko Rundek und das Cargo Orchestar.


Darko Rundek & Cargo Orkestar ruke - la comédie des sens 1+2 0.56+4.04

Piranha 2004 LC 07717
www.rundekcargoorkestar.com

M.A. Numminen & Sanna Pietiäinen finnischer tango 18 2.05

Trikont 2003 LC 04270
www.manumminen.com


Tango aus Finnland. Tango aus Finnland mit der Tangoprinzessin Sanna Pietiänen. Tango aus Finnland mit der Tangoprinzessin Sanna Pietiänen und dem Neorustikalen Tango-Orchester. Tango aus Finnland mit der Tangoprinzessin Sanna Pietiänen und dem Neorustikalen Tango-Orchester und natürlich mit M.A. Numminen. Finnlands Kultur-Kobold Numminen präsentiert auf seinem neusten Werk "Finnischen Tango", wie der Titel der Platte klar und deutlich zum Ausdruck bringt. 14 Tango mit finnischen und deutschen Texten immer an der Grenze zum Surrealen. Gesungen und gespielt von erstklassigen Musikern, gegen die die Leningradcowboys nette Jungs sind.
Vorsicht, Suchtgefahr!


Es ist schon einige Zeit her, dass von der großen Insel vor Ostafrikas Küste, dass aus Madagaskar eine wirklich gute Platte kam. Mit Rajery hat nun einer der großen Meister der Bambuszither Valiha wieder ein neues Werk veröffentlicht. Die Valiha ist das Nationalinstrument Madagaskars. Und Rajery ist einer der aussergewöhnlichsten Valiha-Spieler, den er hat nur eine Hand. Er hat jedoch eine individuelle Spieltechnik entwickelt, die ihn zu einem der besten und innovativsten Valiha-Musiker macht. Rajery holte sich für die Produktion "Volontany" einige der besten jungen Musiker seiner Insel vor ins Studio. Madagaskars Musik übt auf mich immer wieder einen magischen Reiz aus.


Rajery volontany 12 3.36

Label Bleu 2004 LC 09743
www.label-bleu.com

Charbel Rouhana the art of the middle eastern oud 5 3.11

ARC Music 2004 LC 05111
www.arcmusic.co.uk


Charbal Rouhana ist Meister der arabischen Laute Oud. Rouhana zählt zu den wenigen libanesischen Musikern, die ausserhalb ihrer Heimat bekannt sind.
Dabei hat es Rouhana in Beirut mit seinen Kompositionen alles andere als einfach. Er widersetzt sich den Gesetzen des arabischen Musikmarktes und mischt westliche Musik in seine an die arabische Hof-Musik angelehnten Lieder. Somit sitzt Charbal Rouhana zwischen alle Stühle. Aber genau dies macht ihn zu einem aussergewöhnlichen, hörenswerten Musiker. Charbal Rouhanas aktuelle im Westen erschienene Platte nennt sich ein bisschen farblos "The Art of the Middle Eastern Oud". Dahinter versteckt sich jedoch eine überaus spannende Produktion.


Vom nahen in den fernen Osten. Mit der Pianisten Satoko Fujii und dem Schlagzeuger Yoshida Tatsuya haben sich zwei herausragende Musiker der japanischen Avantgarde zusammengetan. Die Musik von Fujii und Tatsuya ist ein brodelndes Bild der Globalisierung. Ost und West, Tradition und Moderne verknüpfen sich zu einer spannenden Einheit. Die Songs von Fujii und Tatsuya sind raum- und zeitlos, trotzdem klangkonkret und rhytmisiert. Die Platte "Erans" ist extrem dicht und bietet Ausflügen in die fantastischen Musikwelten von Satoko Fujii und Yoshida Tatsuya. Musik für Menschen mit Lust an Grenzüberschreitungen.


Yoshida Tatsuya & Satoko Fujii erans 4 6.02

Tzadik 2004 LC 10584
www.tzadik.com


"Masada - Zurück in die Zukunft". Mit dieser Rubrik feiert Orsinos Lied das 10-jährige Bestehen eines der ehrgeizigsten Musikerprojekte der Gegenwart.
Die Band Masada will mit ihren Songs nicht viel weniger als die Klezmermusik, die Musik der Juden, erneuern. Das Jahr 1995 spielt dabei eine wichtige Rolle. In diesem Jahr lieft das von John Zorn, dem Initiator, Komponist und Saxophonspieler von Masada in New York gegründete das Plattelabel "Tzadik" richtig an. Nun gab es eine Plattform, auf als erstes alle 10 Studio-Platten von Masada sowie die Extraedition und die Liveplatten veröffentlicht werden konnten. Zudem begann John Zorn mit der Reihe "Radical Jewish Culture" die wichtigsten Musiker der nordamerikanischen Klezmerszene herauszugeben. 1995 wurde die fünfte CD der Masada-Studioplatten eingespielt, die als Titel das hebräische Zeichen für Fünf, Hei, trägt. Im selben Jahr gab Masada drei Konzert in Taipei/Taiwan, die mittlerweile als Doppel-CD erschienen sind. Von allen Konzerten, die Masada veröffentlicht haben, war ihr Set in Taipei das vielleicht bedeudendste. Band und Publikum wurden von einer Welle der Begeisterung getragen, die sich gegenseitig hochschaukelte. Wie sich John Zorns Kompositionen auf der Bühne im Zusammenspiel der vier Musiker Zorn, Douglas, Cohen und Greg verändern zeigt ein direkter Vergleich. "Hafla`ah".
Erst in der Studio-Version und im Anschluß in der Liveversion aus Taipei.


Masada five - hei 9 4.55

Tzadik 2004 LC 10584
www.tzadik.com

Masada live in taipei 1995 II/8 6.34

Tzadik 2004 LC 10584
www.tzadik.com


Der Goldene Orsino geht heute an das Sandy Lopicic Orkestar für ihre Platte "Balkea".


Sandy Lopicic Orkestar balkea 1 5.33

Network 2004 LC 06759
www.lopicic.com


Sandy Lopicic Orkestar. Hinter diesem Namen verbergen sich ein fünf Bläser, erweitert durch Schlagzeuger, Geiger, einen Akkordeon- und einen Drehleierspieler. Schliesslich, um das Wichtigste am Schluss hervorzuheben, drei fabelhaften Sängerinnen. Natasa Mirkovic-De Ro, Irnina Karamarkovic und Vesna Petkovic. Sie stammen aus dem Kosovo, Serbien und Bosnien. Die Wirklichkeit ist manchmal verrückter als man denkt. Das Sandy Lopicic Orchestar ist in Graz ansässig und demonstiert, welchen gemeinsamen Nenner die immer noch verfeindeten Völker des Balkans haben: die Musik. Doch die Band spielt nicht nur Blasmusikklassiker vom Balkan, sondern macht Ausflüge nach Arabien, in den Jazz, den Tango oder die Zigeunermusik. "Balkea" heisst ihre aktuelle Platte, die Weltmusik im besten Wortsinn bietet. Und dafür gibt's den Goldenen Orsino.


Orsinos Zeit ist damit fast um. Mehr Infos zu den Platten und Musikern im Internet unter www.querfunk.de. Orsino sagt Tschüss. Und nicht vergessen:

Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen.


Sandy Lopicic Orkestar balkea 14 5.28