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QUERFUNK 104,8 MHz
Freies Radio Karlsruhe |
Orsinos Lied 11.01.2004
Studio 0721 / 38 50 30 |
Redaktion & Moderation: Roland Altenburger
www.querfunk.de/sendungen/orsino
kontakt: orsino@querfunk.de
Orsino-Jingle
Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spiel weiter, spiel und lass mich in Tönen schwelgen, bis im Exzess die übersatte Lust erkrankt und stirbt! Dies Lied noch einmal!
Herzlich Willkommen bei der Weltmusiksendung im Querfunk, herzlich Willkommen zu "Orsinos Lied", herzlich Willkommen sagt Orsino.
Auch im Jahr 2004 soll Euch "Orsinos Lied" mit Klängen aus allen Kontinenten verwöhnen. Mittlerweile geht die Weltmusik-Sendung hier bei Querfunk ins achte Jahr. Danke an alle Stamm- und Zufallshörer, und an alle Besucher der Orsino-Internetseite. Danke auch allen, die mithelfen, dass Orsino Euer Radio zum Weltempfänger machen kann.
Was bringt das neue Jahr. In Orsinos Lied eine neue Rubrik. John Zorn hat mit seiner Gruppe Masada jiddische Musikgeschichte geschrieben. Orsinos Lied feiert ein ganzes Jahr das 10-jährigen Bestehen des Ensembles mit der Rubrik: "Masada - Zurück in die Zukunft".
Klar, auch der Goldene Orsino wird weiterhin an Produktionen verliehen, die die Bezeichnung Weltmusik verdienen.
Ja und heute: unter anderem Musik eines Inders aus London und eines Libanesen aus München.
Los geht's mit Musik von der anderen Seite der Kugel, von Hawaii. Für mich sind dies die Paradiesinseln dieser Erde und von ihnen stammt Led Kaapana.
Hier im Westen durch die Zusammenarbeit mit Bob Brozman bekannt geworden, hat sich Led Kaapana längst auch solo in die Reihe der besten Gitarristen dieser Welt gespielt. Kaapana pflegt das traditionelle Slack Key Gitarrenspiel Hawaiis und ist zudem ein wunderbarer Bariton und Falsettsänger. Geborener 1948, wuchs er in einer sehr musikalischen Familie im kleinen Dorf Kalapana auf der grossen Insel von Hawai'i auf. Seine Solo- Platte "Black Sand" ist nach den berühmten schwarzen Sandstränden seines Heimatdorfes benannt. Led Kaapana spielt traditionelle Songs, Lieblingslieder seiner Familie sowie Eigenkompositionen. Bei zwei Songs lässt sich Led Kaapana vom Gitarristen Leonard Kwan bzw. vom Pianisten George Winston unterstützen. Lasst Euch entführen an die schwarzen Sandstrände Hawaiis.
Led Kaapana black sand 13 3.23
Dancing Cat 2000 Gema
www.dancingcat.com
Sambadromo Abfahrt 1 + 2 0.18 + 4.08
Weltwunder 2003 LC 06027 www.sambodromo.com
Ja, trotz Deutschland sucht den Superstar, Starsearch und so weiter, gibt es sich noch, deutsche Musiker, die echte Musik machen. Sambodromo ist eine dieser Bands, die spielen, als wäre der Teufel in sie gefahren. Sambodromo reisst die Hörer mit auf einen Trip quer durch alle Stile und Kulturen. Die 13 junge Musiker aus Hamburg haben 1993 als Schülercombo begonnen. Nun, 10 Jahre später, stehen sie in der glorreichen Tradition von Bands wie Michele Baresi, der Freiwilligen Selbstkontrolle oder Messer Banzani. "Abfahrt" heisst die wirklich abgefahrene Debüt-Platte von Sambodromo. Partymusik, die mir das Herz erwärmt, nicht nur im kalten Januar.
Musik fürs Herz, Musik tief aus dem eigenen Herzen bietet auch Nitin Sawhney. Seine aktuelle, seine sechste Platte "Human" bezeichnet Sawhney selbst als "persönliche Vergangenheitsbewältigung". In 13 Songs erzählt der in London lebenden Multiinstrumentalist indischer Abstammung von seiner Kindheit und Jugend als Ausländerkind in England. Auf "Human" erweitert Nitin Sawhney die Sounds des asian underground, den er in London selbst mitinitiiert hat. Nun mischt er nicht nur indische Tablas mit Pop-Musik, sondern nimmt erweitert seinen Sound mit Gospels und Rock. Rund 20 Musiker unterstützten Nitin Sawhney im Studio. Mit dabei unter anderem Natascha Atlas, Aqualung und Ronu Majumdar.
Nitin Sawnhey human 1 4.21
V2 Music 2003 LC 01801
www.nitinsawhney.com
Tcheka argui 11 5.43
Docura 2003 LC 10412
www.tcheka.com
Dies: Musik von den westlichsten Inseln Afrikas, von den Kap Verden. Tcheka ist ein 20-jähriger Sänger und Gitarrist, der zu den Musikern und Bands gehört, die im Windschatten von Cesaria Evora langsam auch in Europa bekannt werden. Gemeinsam mit seiner 3-köpfigen Band sowie über einem Dutzend Gastmusikern hat Tcheka die Platte "Argui" eingespielt. Sie bietet den auf den Kap Versen sehr populären Batuco. Doch Tcheka hat den Batuco sanft modernisiert und damit seinen eigenen Stil geschaffen.
Auch der in München lebende Libanese Rabih Abou-Khalil hat seinen eigenen Musikstil kreiert. Wie kein anderer mischt der Oud-Spieler Abou-Khalil arabische Musik, Jazz, Neue E-Musik sowie Klänge des Balkans und Zentralasiens. "Morton's Foot" heisst das neuste Werk des genialen Meisters. Wieder holte sich Rabih Abou-Khalil vorzugsweise Jazzmusiker ins Studio: Michel Godard an der Tuba, Gabriele Mirabassi mit seiner Klarinette, am Akkordeon Luciano Biondini, Schlagzeug und Rahmentrommel spielt Jarrod Cagwin. The Master himself, Rabih Abou-Khalil spielt die arabische Laute Oud. Neu für Rabih Abou-Khalil ist die verstärkte Einbeziehung der menschlichen Stimme in seine Kompositionen. Dabei setzt Abou-Khalil die Stimme von Sänger Gavino Murgia wie ein Instrument ein.
"Morton`s Foot" ist somit wieder ein Schritt tiefer hinein in das Sounduniversum von Rabih Abou-Khalil.
Rabih Abou-Khalil mortons foot 2 8.12
Enja 2003 LC 03126
www.enjarecords.com
Chucho Valdes new conceptions 4 4.45
Blue Note 2003 LC 00133
www.bluenote.com
So romantisch und verträumt ist er selten zu hören: Chucho Valdes.
Vielleicht hängt es damit zusammen, das der kubanische Pianist mittlerweile auch schon seinen 62. Geburtstag gefeiert hat. Als Mitbegründer der Gruppe Irakere ist Chucho Valdes sozusagen einer der Väter des Latin Jazz. "New Conceptions" heisst seine aktuelle CD. Chucho Valdés sucht nach neuen Verknüpfungsmöglichkeiten der musikalischer Traditionen Afrikas, Kubas und des Jazz. Sein Quartett mit Yaroldy Abreu Robles an den Congas, Lazaro Rivero Alarcón am Bass und Ramses Rodriguez Baralt am Schlagzeug erweitert Chuchu Valdés wird bei einigen Stücken um Cello, Flöte, Alt- bzw.
Tenorsaxophon erweitert.
Ebenfalls neue Wege in der Verbindung von verschiedenen Kulturen sowie von Tradition und Moderne geht das Ensemble Media Aetas. Die Gruppe um den Ethnologen, Komponisten und Dichter Roberto De Simone stammt aus Neapel. In der italienischen Hafenstadt trafen schon immer die verschiedenen Mittelmeerkulturen aufeinander. Italiener, Griechen, Türken, Ägypter, Magrebiner tauschten hier ihre Waren aus und mischten die Kulturen. Roberto De Simone und das Ensemble Media Aetas lassen dies kongenial zu Musik werden. Media Aetas ist die Nachfolge der Nuova Compagnia di Canto Popolare. Ende der 60er war die Nuova Compagnia mit Simone als Musik- und Theatertruppe angetreten, um die Volkskunst Süditaliens zeitgenössisch und urban am Leben zu halten. Aus der Nuova Compagnia wurde Anfang der 80er das Media Aetas Teatro. Die CD von den reisenden Türken, "Li Turchi viaggiano" ist somit nur der aktuelle Beweis der überaus fruchtbaren Zusammenarbeit von Roberto De Simone und den 19 Schauspielern, Musikern und Sängern von Media Aetas. "Li Turchi viaggiano" hat es sogar in die europäischen Weltmusikcharts geschafft!
Media Aetas li truchi viaggiano 9 7.13
Oriente 2003 LC 03592
www.oriente.de
Mané fado subtil 5 3.45
Playa Sound 2003 LC 08191
www.playasound.com
Aus den westlichsten Gefilden Europas, aus Portugal stammt Mané. In Lissabon geboren und im afrikanischen Mosambik aufgewachsen hat Mané den Fado zu ihrer musikalischen Sprache gemacht. Heute in Frankreich lebend nahm Mané ihre Platte "Fado Subil" im Studio live auf. So will Mané dem sehr emotionalen Fado gerecht werden und hat dies, wie zu hören war, auch geschafft. Mané ist somit der leise, eher traditionelle Gegenpart ihrer grossen Fado-Kollegin Mariza. Begleitet wird Mané auf "Fado Subtil" von Nel Garcia an der Gitarre und Samuel Cabral an der Guitarra Portuguesa.
"Masada Zurück in die Zukunft" - Mit dieser Rubrik feiert Orsinos Lied das 10-jährige Bestehen von John Zorns Masada-Projekt. Denn ich haltet Masada für eines der wichtigsten und einflussreichsten Klezmerbands überhaupt.
New York Anfang der 1990er. Unter der Begriff "Radical Jewish Culture" - Radikale Jüdische Kultur - versuchen junge jüdisch-amerikanische Künstler eine neue, eigenständige Identität zu finden. Einer der Initiatoren der Radical Jewish Culture ist John Zorn mit seiner Plattenfirma Tzadik.
Im Jahr 1993 komponierte der Saxophonist, Komponist und Kulturaktivist Zorn Musik für den Low-Bugdet-Film "Thieves Quartet". Um die Songs einzuspielen, holte er sich den Trompeter Dave Douglas, den Bassisten Greg Cohen und den Schlagzeuger Joey Baron ins Studio. John Zorn selbst spielt Saxophon.
Masada ist geboren. Die Radical Jewish Culture hatte ihre musikalische musikalische Entsprechung gefunden. Die erste Platte von Masada, erscheint im Februar 1994 und träg den programmatischen Titel: "Number One - Alef".
Masada one - alef 2 6.22
Tzadik 1994 LC 10584
www.tzadik.com
In einem Interview bringt es John Zorn noch mal auf den Punkt: "Die Idee war, mit Masada eine Art radikale jüdische Musik, eine neue jüdische Musik zu produzieren. Musik für Juden von heute." In den letzten 10 Jahren hat Masada fast 30 Platten veröffentlicht und auch die Anzahl der Mitwirkenden ist stetig gestiegen. Masada hat mit ihrer Mischung aus Jazz, Klezmer und Avantgarde Musikgeschichte geschrieben.
Mehr dazu in der nächsten Sendung, wenn es wieder heisst: "Masada - Zurück in der Zukunft". Jetzt noch Musik von der Platte "Masada - Live" aufgenommen 1994 in New York. Bei diesen Aufnahmen ist am Schlagzeug statt Joey Baron Kenny Wollesen zu hören. Schon im ersten Jahr wurde die Gründungsbesetzung von Masada also erweitert.
Masada live 7 4.01
Jazzdoor 1995 LC 16052
Nach Masada wird es nun Zeit für den ersten Goldenen Orsino im Jahr 2004.
Dieser geht heute an Rokia Traoré für ihre Platte "Bowmboi".
Rokia Traoré bowmboi 10
Label Bleu 2003 LC 09743
www.label-bleu.com
Die Platte "Bowmboi" ist das dritte Werk der Sängerin und Gitarristin Rokia Traoré. Die junge Musikerin aus Mali macht Musik, die von der Tradition ihrer westafrikanischen Heimat eben so beeinflusst ist, wie von Klassik, Jazz, Rock oder indischer Musik. Für "Bowmboi" holte sich Rokia Traoré neben elf Meister der afrikanischen Musik auch das Avantgarde- Streichensemble Kronos Quartet aus Kalifornien ins Studio. Gemeinsam überschreiten sie in zarten Liedern die Grenzen der zeitgenössischen afrikanischen Musik hinein ins Universelle. Rokia Traoré macht somit Weltmusik im besten Sinn des Wortes. Dafür hier den Goldenen Orsino!
Und damit geht die erste Weltmusiksendung beim Querfunk im Jahr 2004 auch schon ihrem Ende entgegen. Mehr Infos zu den Platten und Musikern im Internet unter www.querfunk.de.
tschüss sagt Orsino und denkt dran:
Gute Musik gibt es überall, halten die Ohren und Herzen offen.
Rokia Traoré bowmboi 5
Label Bleu 2003