Klassenclown und Schulhofschläger in einem

Donald J. Trump zum 80. Geburtstag

Fürwahr, über Trump scheint nach zehn Jahren längst alles gesagt. Und auch die Kommentare und Berichterstattung der politischen Mitte finden erstaunlich klare Worte über den toxischen Suppenkasper – ohne aber zu merken (oder wahrhaben zu wollen), daß ihr eigenes Klientel mittlerweile solche Leute wählt. Der Populist liebt schließlich die „hart arbeitende“ Mitte der Gesellschaft, die Normalen also. Erklären läßt sich die selektive Klarsicht auf die trübe Brühe der US-Faschisierung damit, daß der auffällige Präsident tatsächlich rigoros US-amerikanische Kapitalinteressen vertritt – nicht hiesige. Und nein, daß dies deutschen Interessen zuwiderläuft, ist nun wirklich nicht der Kritikpunkt, der hier stark gemacht werden soll.

Berlusconi in groß

Kritische Stimmen waren schon immer befremdet angesichts der Neigung der Sendereihe Sachzwang FM, Jahrestagen und Personenkult allzu viel Gewicht beizumessen. Personalisieren ist nie gut, und so wird es uns auch um gesellschaftliche, ideologische Trends gehen, deren Symptom der bizarre CEO-Politiker doch bloß ist, auch wenn er sich für einen bedeutenden Weltenlenker hält. Denn die eigentlich interessante Frage ist doch, wie Millionen und Abermillionen Menschen tatsächlich glauben können, ausgerechnet ein Milliardär helfe als „Anwalt des kleinen Mannes“ gegen „das Establishment“ und „die da oben“. Trump und sein Klientel sind die Probe aufs Exempel für die Binsenweisheit, daß die Borniertheit rechts tickt und der Intellekt links – zumeist jedenfalls. Der Sachverhalt läßt sich ja auch am Intelligenzquotienten seines Fußvolks und seiner Fanclubs ablesen: Die Proud Boys z.B. sind junge Männer, die sich gerne mit Waffen fotografieren lassen.
Donald J. Trump jedenfalls hat seinen 80. Geburtstag gefeiert – auch wir kondolieren.

Aufgetrumpft

Die bestürzende Klischeehaftigkeit der Figur Trump – seiner politischen Ziele, seiner rabiaten Methoden, seines öffentlichen Gebarens – ist sicherlich geeignet, das analytische Denken und die Urteilsfähigkeit mittelfristig zu beschädigen. Die nun wieder kenntliche Affinität von Kapitalismus und Faschismus, beide ja Ausprägungen des Sozialdarwinismus, wurde vor dem allzu offenen Auftrumpfen des Präsidenten noch immer gerne ins Reich vulgärlinker Klischees und Mythen verwiesen.

MAGA ist ein four letter word

Dystopischer Demiurg, gefährlicher Suppenkasper. Eigentlich hätte man eine solche Führungskraft nicht schon nach nur so wenigen Jahren Konzern-Intelligenz (KI) erwartet. Aber offenbar dreht sich die Erdkugel schneller als gedacht. Vielleicht auch weil man durch die Dauerpräsenz und Allgegenwart des Aberwitzigen nicht klüger wird sondern dümmer, greifen wir in der heutigen Sondersendung gerne auf solchen Analysen und Essays zurück, die in der – damals noch Befremden erregenden – Anfangszeit von Trumps Regentschaft entstanden sind.

 

»Die größte Gefahr [...] liegt [...] darin, daß die überspitzte Mischung aus Spaßkultur und reaktionärem Ernst auch ihre Kritiker durch Gewöhnung verdummt und sie diese [...] die Sicherheitszonen kühler Analyse nicht mehr finden läßt, von welchen aus sich die wahren Proportionen erkennen lassen. Die beste Übung [...] ist, bei der Kritik schon dort anzusetzen, wo der Trumpismus im Kern angelegt ist. Hier in Europa, nicht nur beim wuchernden Faschismus und Rassismus, sondern bei all den Kräften der Mitte, die sich diesen anbiedern und dennoch als ziviles Gegengift dazu verkaufen, [...] bei den Vollstreckern und Profiteuren von Austerität, Enteignung und Deregulierung.« »Trump kommt wie gerufen, er setzt das als unmöglich Gedachte in Amerika um, damit seine Kritiker und Bewunderer in Europa zumindest das Mögliche an Nationalismus, Rassismus und Entdemokratisierung beschleunigen können. [...] Man wird ihn dorthin vorschicken, wo man sich noch nicht hintraut, und wohin er sein Banner pflanzt, rückt man zaghaft nach, nicht ohne zu beteuern, er sei wieder mal zu weit gegangen. [...] Der abnormale Wahnsinn soll mit dem normalen versöhnen.«
(Richard Schuberth)

 

Sendetermin
Sonntag, 21. Juni 2026 - 20:00 bis 22:00
Wiederholung
Freitag, 3. Juli 2026 - 14:00 bis 16:00
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