Die Kulturenbeflissenen
Zur Kulturalisierung des Sozialen
Im 21. Jahrhundert haben sich die Inhalte zeitgenössischer Auseinandersetzungen vom gesellschaftspolitischen Großkonflikt des 20. Jahrhunderts im Zeichen von Interessen zurückentwickelt hin zu einem Räsonieren über "Kulturen" und "Identitäten". Und dementsprechend sieht die sich um solche Fragen drehende Welt in emsiger Selbstbeschäftigung aus: Ganz will es so scheinen, als wäre der universelle Pluralismus, die Ideologie der Postmoderne höchstselbst, die zeitgemäße Form des Totalitären.
Auch die wissenschaftliche Sphäre ist von dieser Wandlung nicht unberührt, vielmehr hat sie ihn ja maßgeblich mit vorangetrieben: weg von den kontroversen Auseinandersetzungen um Aufklärung und Kritik, Natur und Gesellschaft, Subjekt und Objekt, Schein und Wesen, hin zu einem lediglichen Erforschen des Bestehenden (oder vielmehr seiner Oberflächenphänomene) im Zeichen von linguistic turn und cultural studies. Derart intellektuell bescheiden ist man geworden in den Akademien; und macht sich bereitwillig zum Stichwortgeber einer hirnerweichenden Kulturalisierung des Sozialen.
