Vom Versteinern des Marxismus

Karl Marx gegen seine vermeintlichen Liebhaber verteidigt

Eine weitere Folge im Jubiläumsgejubel anläßlich der Erstveröffentlichung von Das Kapital vor 150 Jahren (1867) ... Manche mögen sich vielleicht schon gefragt haben, warum ausgerechnet Marx höchstselbst insistiert hat: "Alles, was ich weiß, ist, daß ich kein Marxist bin"! ... Was hat es damit auf sich?

Licht ins Dunkel bringt ein Vortrag von Joachim Bruhn (2012 in Heidelberg):
"Der Anfang des 'Kapital' und das Ende des Kapitalismus. Warum Marxisten nicht lesen können"
Bruhn holt wie immer weitestmöglich - philosophisch - aus, um maximale - kritische - Schlagkraft zu entfalten und dem Kultus der Arbeit, des Werts, des Staates den Garaus zu machen.

"Wer nicht polemisch schreibt, handelt im Angesicht des Kapitals unsachlich."
(J. Bruhn)

Die Marxisten aller Fraktionen haben sich darauf versteift, Das Kapital als alternatives Handbuch der Volkswirtschaftslehre lesen zu wollen und sodann zu ihrem höchst eigenem Nutzen zu bewerben. Am allerliebsten diskutieren sie die Frage, die ihnen die FAZ pünktlich zu Beginn der neuesten Krise vorgelegt hat: "Hat Marx doch recht?" Wenn sie derart nachgefragt werden, dann sind sie alle in ihrem Element: dem Rechthaben über die gesellschaftliche Organisation des größtmöglichen Unglücks der größtmöglichen Zahl, und das heißt: dem Wahrsagen einer Vergesellschaftung, die doch an sich die Widervernunft schlechthin darstellt.

"Bei Marx hingegen enthalten die Tatsachen ihre eigene Wertung gleich schon selbst."
(J. Bruhn)

Seit Kautsky und Altvater, seit Lenin und Heinrich gefallen sich die Marxisten als gemeinnützige Interessenvertreter, gar als Avantgarde einer ominösen "Arbeiterklasse", wofür sie gerne, als kleine Aufwandsentschädigung, einen gewissen politischen, v.a. aber akademischen Mehrwert einstreichen und sich auf Veranstaltungen und Kongressen spreizen. Sie bevölkern die ideologischen Staatsapparate, gerne auch auf Almosen der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Und sie tun dies, indem sie - was von Engels vielleicht noch als müdes Witzchen gemeint war, als er den Proletariern Das Kapital als die "Bibel der Arbeiterklasse" verkaufen wollte - als erstes den Untertitel des Marxschen Buches totschlagen, der ja die "Kritik der politischen Ökonomie" ankündigt. So beugen sie sich über Das Kapital wie die Scholastiker über die Bibel, bewerfen sich mit Zitaten und haben überhaupt ihr grausiges Spaßvergnügen daran, die von Marx intendierte sozialrevolutionäre Kritik zur akademischen Theorie, zur "Wissenschaft vom Wert" (M. Heinrich), zu verharmlosen.

"Die philologische Akribie der Erbsenzähler verdaut das subversive Interesse und gebiert noch nicht einmal Scholastik, sondern PowerPoint-Folien."
(J. Bruhn)

 

 

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Sendetermin
Sonntag, 16. Juli 2017 -
20:00 bis 22:00
Wiederholung
Freitag, 4. August 2017 -
14:00 bis 16:00
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