100 Jahre 1917: Was wurde aus der Oktoberrevolution? (Teil 3)

Dieses Jahr wird die Russische Revolution, der „Rote Oktober“, hundert Jahre alt. Grund genug für Sachzwang FM, die Geschichte des gescheiterten Weltveränderungsversuchs in einer Reihe von Sondersendungen Revue passieren zu lassen. Die Beschäftigung mit Kommunismus und Revolution stellt auch 25 Jahre nach der überraschenden Implosion der UdSSR noch immer ein Reizthema dar, zumal hierzulande, im ehemaligen Frontstaat des Kalten Krieges.
Einer sachlichen Auseinandersetzung steht die affektierte Ablehung jeglicher dezidierter Gesellschaftskritik von interessierter bürgerlicher Seite ebenso entgegen wie die darauf einschnappende Apologie der revolutionären Geschehnisse seitens linker Kräfte. Eine dritte Haltung neben notorischer Verdammung und trotziger Verklärung ist jenes betretene Schweigen, jene peinliche Verschwiegenheit, mit der dem widerborstigen Thema sowohl von ablehnender wie auch von sympathisierender Seite begegnet wird – jeweils aus komplementären Gründen: Einerseits will man gar nicht wahrhaben, daß ein nennenswerter Weltumsturzversuch überhaupt tatsächlich stattgefunden hat. Andererseits weiß man um die groteske Verkehrung, in die so viele revolutionäre Projekte mündeten. Beides zwingt die faktenkundigen Antagonisten des Diskurses, den Mund nicht gar so voll zu nehmen.

Diesmal zwei Beiträge:

  • Eine Essay gewordene Buchkritik der Redaktion Sachzwang FM, die sich unter dem Titel „Widerborstige Objektivität, frühvernarbter Staat“ dem jüngst erschienenen Band „100 Jahre Roter Oktober“ (Ch.Links Verlag, 2017) widmet; eines aus „einer unüberschaubaren Fülle von Büchern, in denen sich Intellektuelle über den staatgewordenen Sozialismus den Kopf zerbrechen und das Verhältnis von Revolution und Realsozialismus, von Umwälzungsanspruch und ernüchternder Weltgeschichte, ausloten.“
    Bemerkenswert ist die dramaturgische Struktur des Buches: „In elf Beiträgen fragen die Autorinnen und Autoren, was die Erinnerung an die Oktoberrevolution im jeweiligen Jahrzehnt bedeutete“, und so ist jedes der Kapitel mit Jahreszahlen wie 1917, 1927 usw., bis 2007 und 2017, betitelt. „Dabei geht es nicht um eine umfassende Wirkungsgeschichte des Roten Oktober, sondern vielmehr um Schlaglichter, die es erlauben, die Revolution in Zeit und Raum zu vermessen und neu über die langfristigen Folgen nachzudenken“, schreiben die Herausgeber. „Weder die internationale Politik noch die Weltwirtschaft, noch das kulturelle Leben des 20. Jahrhunderts lassen sich ohne das Erdbeben der Russischen Revolution verstehen.“
    „Daß die Bolschewiki an ihrer eigenen Hybris scheiterten, ist wenig verwunderlich“, meinen die Herausgeber. „Erstaunlicher ist, wie lange und wie oft sie ihre Herrschaft in scheinbar ausweglosen Situationen zu konsolidieren vermochten und welche Energien ihr tollkühnes Projekt trotz schwerer Rückschläge immer wieder freisetzte. Die Bolschewiki waren beides, Utopisten und Realpolitiker.“
  • Die bundesweit in Schulen und Behörden zu sehende Ausstellung »Der Kommunismus in seinem Zeitalter« warnt eindringlich davor, die Welt grundlegend verändern zu wollen. Peter Korig kritisiert solcherart Volkspädagogik und Lektionen in Staatsbürgerkunde: „Der Teufel trägt rot“
    „Tatsächlich versteht die Ausstellung unter »Kommunismus« vor allem die Herrschaft kommunistischer Parteien stalinistischer [...] Prägung in Osteuropa und Asien. Dissidente Strömungen und Theoretiker im Kommunismus und die Geschichte des Kommunismus außerhalb der real­sozialistischen Länder werden [...] ignoriert oder aktiv verleugnet.“ „Tatsächlich bemüht sich die ganze Ausstellung, möglichst wenig zu erwähnen von den historischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, unter denen kommunistische Parteien und Bewegungen entstanden und sich entwickelten. Die Ausstellung zeigt den Kommunismus zwischen 1917 und 1990 allein als das putschistische utopisch-totalitäre Projekt kommunistischer Parteikader, gekennzeichnet von Terror und Massenrepressionen, die sich ausschließlich aus dem diktatorischen Machtwillen der Parteiführer erklären.“
     

 

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Sendetermin
Sonntag, 18. Juni 2017 -
20:00 bis 22:00
Wiederholung
Freitag, 30. Juni 2017 -
14:00 bis 16:00
Freitag, 7. Juli 2017 -
14:00 bis 16:00
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