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Orsinos Lied 11.06.2006

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Redaktion und Moderation: Roland Altenburger

Orsino-Jingle

Die Musik ist die Nahrung der Liebe, deshalb sollt ihr in der kommenden Stunde versorgt werden mit Spezialitäten aus aller Welt.
Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung beim Querfunk, herzlich Willkommen zu Orsinos Lied, herzlich Willkommen sagt Orsino.
Heute unter anderem auf dem Menü: Musik aus der Türkei, dem Senegal und aus Hawaii. Der Goldene Orsino geht nach Brasilien an Forro in the Dark.

Doch bevor es soweit ist steigen wir erstmal klangopulent mit einem musikalischen Dreierpack aus Südamerika ein. Los geht's mit Otros Aires.
Luisito Quintero und Barbatuques.

Die 6-köpfige Band Otros Aires stammt aus hauptsächlich aus Argentinien. In ihrer Musik treffen Tangos von Anfang des letzten Jahrhunderts auf zeitgenössische Musik, Elektronik und Hip Hop. Zur Zeit sind Otros Aires mit ihrem "Audiovisual Electronic Tango Project" in Deutschland unterwegs.
Mein Tipp: Sollte Otros Aires irgendwo in Eurer Nähe auftreten, hingehen! Ich versprech Euch einen unvergesslichen Abend!

Von Argentinien nach Venezuela. Dies ist die Heimat von Luisito Quintero.
Der Perkussionist hat sich schon als Begleitmusiker von Herbie Hancock, Tito Puento oder Man at Work einen Namen in der Musikerszene gemacht. Nun bringt Luisito Quintero mit Percussion Maddness endlich sein erstes Solo- Album heraus. Im Spannungsfeld zwischen Afrobeat, Latin-Jazz und Ethno-Pop wird Luisito Quintero unter anderem unterstützt Mitgliedern der Weltmusik- Band Elements auf Life, zu der er selbst zählt, als auch von dem Jazz- Pianistn Hilton Ruiz und der kap verdischen Sängerin Anané.

Ebenfalls der Perkussion hat sich das Ensemble Barbatuques verschreiben.
Doch 14 Brasilianer benutzen fast ausschliesslich ihre Körper als Instrumente. Und vielleicht kennt ihr die Musik der Band schon. Passend zur Weltmeisterschaft läuft zur Zeit im Fernsehen ein Werbefilm mit dem brasilianischen Fußballer Ronaldinho. Wer dieses Filmchen schon gesehen hat, hat vielleicht noch die Musik im Ohr. Diese stammt von Barbatuques! Wenigstens diese musikalische Entdeckung hat uns also die Fußball-WM in Deutschland beschert. Die CD von Barbatuques heisst passend Body of Sound.
Nun aber genug geredet, haltet die Ohren und Herzen offen für Otros Aires, Luisito Quintero und Barbatuques.

Otros Aires ditto 5

Union 2004 GEMA www.otros- aires.com.ar

www.umiargentina.com.ar

Luisito Qunitero percussion maddness 5

BBE 2006 LC 07306 www.bbemusic.com

www.rapsterrecords.com

Barbatuques body of sound 1

beatScience 2006 LC 11784 www.barbatuques.com.br

www.peacelounge.com

Von Südamerika über den grossen Teich nach Westafrika. Der Senegal ist die Heimat einiger der grössten zeitgenössischen Sänger Afrikas. Dafür stehen Namen wie Youssou N'Dour, Baaba Maal und Cheikh Lô. Nun betreten zwei weitere herausragende Sänger aus dem Senegal die Manage, El Hadj N'Diaye und Daby Balde. El Hadj N'Diaye ist in seiner Heimat nicht nur als Sänger, sondern auch als Schauspieler bekannt. Seine Platten produziert N'Diaye wie so viele Afrikaner in Paris. Das von traditioneller westafrikanischer Musik inspirierte Album von El Hadj N'Diaye heißt Xel. Die Songs reichen von pur gesungenen Liedern über hinreissende Balladen bis zu bestem Afropop.

Auch die Lieder von Daby Balde bewegen sich weitgehende in diesem Spektrum.
Doch lässt sich Daby Balde rein akustisch begleiten. In Westafrika schon ein Star, gilt es hier Daby Balde wie so viele nichtwestlichen Musiker, hierzulande noch zu entdecken. Seine CD heißt entsprechend: Introducing Daby Balde.

El Hadj N'Diaye xel 10

World Village 2000 GEMA www.worldvillage.com

Daby Balde introducing 5

World Music Network 2005 LC 11067 www.worldmusic.net

Vom Senegal gen Norden nach Marokko. Dorthin hat es ein Urgestein des deutschen Jazz, Klaus Doldinger, noch mal verschlagen. Der Saxofonist war bereits 1964 in Marokko, lange bevor es das Wort Weltmusik gab und lange bevor sich andere auf die Suche nach Inspiration aus fernen Kulturen begaben. Klaus Doldingers neustes Werk Passport to Morocco sucht erneut nach einer Verbindung von Jazz und marokkanischer Musik. Dolinger beweist, dass er auch in seinem 70. Lebensjahr immer noch Lust hat zum Experimentieren fernab jedweder Genre-Grenzen. Unterstützung erhält er und seine Band für dieses Projekt von drei eindrucksvollen marokkanischen Musikern, die mit ihren traditionellen Instrumenten und magrebischen Gesängen für das Marokko in Passport to Morocco sorgen.

Klaus Doldinger's Passport to morocco 4

Warner 2006 LC 03708 http://www.warnermusic.de

Mercan Dede breath 9

Doublemoon 2006 GEMA www.doublemoon.com.tr

Innerhalb kürzester Zeit ist sein Name zum Synonym für das junge, moderne und trotzdem traditionsbewusste Istanbul geworden: Mercan Dede. Der Electronikspezialist und Meister der arabischen Flöte Ney hat mit Breath seine siebente Platte veröffentlicht. Wieder trifft traditionelle Musik des Orients auf zeitgenössische Klänge des Okzident. Und wieder gelingt es Mercan Dede mit seinen Freunden seine Musik so klingen zu lassen, als wäre kulturübergreifendes Zusammenarbeiten das Normalste der Welt. Zu diesen Musikerfreunden zählt unter anderem der Drehleier-Spieler Ben Grossman, der Posaunist Steve Turre, der diesmal Seemuscheln zum Klingen bringt und die aus dem Iran stammende und in Indien aufgewachsene Sängerin Azam Ali. Die Platte Breath steckt also voller Entdeckungen.

Von Mercan Dede zu Darko Rundek. Den Sänger der legendären serbischen New- Wave-Band Haustor verschlug es zu Zeiten des Balkankrieges nach Paris. Dort suchte sich Rundek mit seinem Cargo Orkestar eine neue musikalische Familien zusammen. In seinen Liedern erzählt Darko Rundek nun mit einer herzerweichend rauen und tiefen Stimme von der Einsamkeit der Exilanten, von der Ortlosigkeit des Internet und von der grenzüberschreitenden Liebe.
Die aktuelle Platte von Darko Rundek und seinem Cargo Orkestar heisst Mhm A- ha O Yeah Da-Da - Migration Stories and Love Songs.

Darko Rundek & Cargo Orkestar mhm a-ha o yeah da-da 5

Piranha 2006 LC 07717 www.rundekcargoorkestar.com

www.piranha.de

Amsterdam Klezmer Band remixed 1

Essay 2006 LC 13406 www.amsterdamklezmerband.nl

www.essayrecordings.com

Musik der Amsterdam Klezmer Band in einer neu gemixten, unwiderstehlichen Balkan-Version von Shantal vo Bukovina Club. Die Amsterdam Klezmer Band hat sich zum 10-jährigen Bandjubiläum selbst beschenkt. Denn zu den Aufnahmen ihrer neusten Platte hat sich die Band sechs DJs in Studio geholt, neben Shantel unter anderem auch DJ Yuri von der Russendisco und Stefan Schmid von Zuco 103. Zu den sechs Remixen steuert die Amsterdam Klezmer Band selbst noch sieben Neuaufnahmen bei, so dass der Titel des Albums:
Amsterdam Klezmer Band - Remixed! nicht ganz stimmt. Doch dies tut nicht viel zur Sache, denn ein lustvoller Hörgenuß ist garantiert.

Ganz anders und doch mindestens genauso spannend geht die Band Davka mit ihrem jüdischen Erbe um. Das Quartett aus San Francisco bietet eine aussergewöhnliche Mischung traditioneller jüdischer Musik, Jazz, Kammermusik. Das Ganze atemberaubend virtuos und rein akustisch umgesetzt.
Ihr aktuelle, die vierte CD heisst schlicht Live und Davka beweisen, dass sie Meister ihrer Instrumente und der Improvisation sind. Vergesst alle Klischees zu jüdischer Musik und lasst Euch ein auf das Hörereignis Davka!

Davka live 5

Tzadik 2005 LC 01221 www.davkamusic.com

www.tzadik.com

Stimmhorn & Kold Electronics igloo 10

RecRec 2004 LC 01219 www.stimmhorn.ch

www.recrec.ch

Sie sind wohl das ungewöhnlichste Duo der Schweiz: Stimmhorn. Christian Zehnder und Balthasar Streiff verbinden Stimmakrobatik auf höchste Niveau mit für zeitgenössische Musik eher ungewöhnlichen Instrumenten wie Alphorn, solo gespielten Orgelpfeifen oder Wippakkordeon. Diese Musik hängt irgendwo zwischen allen Schubladen und dies ist wunderbar so. Für ihr Album Igloo haben sich Stimmhorn nun noch den Multiinstrumentalisten und Soundtüftler Kold Electronics ins Studio geladen. Damit haben sie ihr Klangspektrum nochmals erweitert. Stimmhorn: ein Band, die jeder Musikinteressierte kennen sollte.

Von den Schweiz geht's nach Norden zu Jonas Knutsson und Johan Norberg.
Knutsson ist Saxofonist und Norberg ein Virtuose auf der Gitarre und dem skandinavischen Hackbrett Kantele. Beide sind schon so lang in der schwedische Musikszene unterwegs, dass es fast wundert, das sie erst jetzt die erste gemeinsame CD eingespielt haben. Mit Norrland - so der Titel des Albums- entstand eine Produktion, die Jazz und schwedische Volksmusik einfühlsam ineinander aufgehen lässt.

Jonas Knutsson & Johan Norberg norrland 7

ARC 2004 LC 07644 www.actmusic.com

Bob Brozman & Ledward Kaapana 14

Dancing Cat 1997 LC 03098 www.bobbrozman.com

www.dancingcat.com

Die Klänge der Sehnsucht. Bob Brozman und Ledward Kaapana sind zwei der grössten Meister des Hawaii-Gitarrenspiels. Gemeinsam haben sie schon einige CDs und DVDs eingspielt, unter anderem die Platte Kika Kila meets Ki Ho'alu. Von dieser stammte der gerade gehörte Titel. Die Original-Version diese Liedes wurde 1929 vom Urvater der modernen hawaiianischen Gitarrenmusik, Tau Moe, eingespielt. Zwar stammt Bob Brozman nicht wie Tau Moe oder Led Kaapana von Hawaii. Doch hat Brozman sich wie wohl kein anderer um die Bewahrung und Aufarbeitung der traditionellen Musik der Inseln einen Namen gemacht. Und dies vor allem als Musiker.

Mehr mit dem Mikrophon unterwegs war Deben Bhattacharya. Seit den 50 Jahren hat der Musikwissenschaftler über 800 Stunden traditionelle Musik aus aller Welt gesammelt und ausgewertet. Leider ist Deben Bhattacharya vor fünf Jahren gestorben, doch seine Veröffentlichungen werden immer wertvoller.
Denn mit der Globalisierung gehen viel Musiktraditionen verloren. So führt uns beispielweise die CD Bauls of Bengal - Mystic Songs from India zu den Ursprüngen des Bollywoodsounds und den Originalen, die vom Asian Underground in London zu Clubmusic verarbeitet werden. Hier also die Rohdiamanten: Bauls of Bengal - Mystic Songs from India.

Bauls of Bengal mystic songs from india1

ARC 2005 LC 05111 www.arcmusic.co.uk

V.A. made in india I/14

Lolas World 2005 LC 00877 www.jragam.de

www.lolasworldrecords.com

J Ragam: unter diesem Namen haben sich neun indische und deutsche Musiker in Düsseldorf zusammengetan, um indisch inspierte Popmusik zu machen.
Spannenderweise habe ich J Ragam auf dem Sampler Made in India gefunden.
Made in India? Klingt wie Made in Turkey und Made in Greece. Genau, ist auch von der gleichen DJane: Gülbahar Kültür. Wieder hat sie in ihrer ganz eigenen Art indische und indisch inspirierte clubtaugliche Songs zusammengeschweisst. Neben Superstars der Bollywoodmusik wie Asha Bhosle, Bhangra-Grössen wie Dahler Mehndi und Heroen des Asian Underground wie Nitin Sawhney sind auch Newcomer, wie eben J Ragam, Rohan oder Major Singh auf Made in India zu hören.

So und nun ist die Zeit gekommen für die Verleihung des Goldenen Orsino.
Forro in the Dark sind ein multikulturelles Trio bestehend aus dem schrägen American-Folk-Gitarristen Smokey Hormel, dem brasilianischen Meister- Percussionisten Mauro Refosco und dem Akkordeonspieler Rob Curto, bekannt aus den jüdischen Klezmerkreisen New Yorks. Als Trio Forro in the Dark haben sie sich die Aufgabe gestellt, den Forro - die Tanzmusik Nordbarsiliens - auch einem anderem Publikum mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Doch die drei Musiker wären nicht als Unterstützung von Stars wie Tom Waits, Bebel Gilberto oder den Klezmatics bekannt, würden sie einfach nur Standart spielen. Das Trio macht die Verwandtschaft des nordbrasilianischen Forro mit der Musik Osteuropas und den Liedern der Roma und Sinti hörbar. Ein bisschen Jazz und andere Stile fliessen auch noch mit rein, so dass Forro inthe Dark nicht nur Forro, sondern auch Weltmusik im besten Wortsinne spielen. Dafür hier und jetzt der Goldene Orsino für Forro in the Dark.

Orsino muß sich damit auch leider schon wieder für heute verabschieden.
Mehr Infos zu den vorgestellten Platten und Musikern im Internet unter www.querfunk.de. Orsino sagt auf turkmenisch: sabyr et und denkt daran: Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen.

Forro in the Dark dito 9

Ponderosa 2006 LC 13477 www.forrointhedark.com