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Orsinos Lied 14.08.2005

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13 Uhr

Redaktion & Moderation: Roland Altenburger

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Orsino-Jingle


Ohne Musik würde die Liebe verhungern! Damit Eure Liebe, Euer Herz, Euer Bauch, Euer Kopf nicht an Unter- und Fehlernährung sterben muss, serviere ich Euch in der kommenden Stunde ein international zusammengestelltes Mahl musikalischer Köstlichkeiten. Herzlich Willkommen zu Weltmusiksendung beim Querfunk. Herzlich Willkommen zu Orsinos Lied. Herzlich Willkommen sagt Orsino.

Heute erwartet Euch Musik unter anderem aus Argentinien und Bulgarien, aus Kuba und Algerien. In "Schau an - Musik" stelle ich Euch die Konzert-DVD von Bebo und Cigala vor und der Goldene Orsino geht schliesslich an die Gruppe Ghazal für ihre CD "Lost Songs of the Silk Road".


Lost geht's mit einem Dreierpakt, der zwar Musik aus der Türkei, aus Polen und aus Usbekistan beinhaltet, aber doch eine grosse Gemeinsamkeit aufweisst. All drei Stücke sind jüdische Lieder.

"Klezmer for the Sultan" so nennt der in Israel geborene Perkussionist Yinon Muallem seine CD. Der Titel macht klar, worum es geht. Yinon Muallem vermischt Klezmer mit arabischer Musik, lässt aber auch indische, persische Klänge, als auch Musik vom Balkan und Jazz in seine Songs einfliessen.
Yinon Muallem ist jüdisch-irakischer Herkunft und lebt seit ein paar Jahren in der Weltmusikmetropole Istanbul. Unter anderem arbeitete er mit Ross Daly, Alim Gazimov und Omar Faruk Tekbilek Seine Musik ist die eines Weltenbummlers, frisch und unverkrampft, aus dem Bauch in den Kopf und die Füsse.

Ganz anders klingt die Musik von Brave Old World. Die US-amerikanische Band zählt zu den Mitbegründern des Klezmer-Revivals, das seit den 70ern die jüdischen Musik vor dem Vergessen bewahrt und wieder bekannt gemacht hat.
Mit ihrer neusten Platte wendet sich Brave Old World dem wohl schwärzesten Kapitel der jüdischen Geschichte zu, dem Massenmord an Juden durch die deutschen Nazi. Auf der CD "Dus Gezang fin Geto Lodzh" setzt die Band den im Ghetto der polnischen Stadt Lodz gefangenen und umgebrachten Juden ein musikalisches Denkmal. Die Lieder stammen alle aus dem Ghetto und Brave Old World interpretieren diese mit tiefer Trauer, durch die auch ab und an Wut durchschimmert.

Den eher positiven Effekt der langen Wanderschaften der Juden hebt Willy Schwarz hervor. Der in Bremen lebende Multiinstrumentalist hat auf der CD "Jewish Music around the World" 14 jüdische Songs zusammengetragen, die aus den verschiedensten Ecken der Welt stammen. So spielt und singt Willy Schwarz jüdische Lieder aus Indien und Irland, Bosnien und Nordamerika, Griechenland und Äthopien. Ihr hört nun einen Song, den Willy Schwarz aus Usbekistan mitgebracht hat. Zuvor jedoch Yinon Muallem mit Klezmer für den Sultan und Brave Old World mit einem Lied aus dem Ghetto von Lodz.


Yinon Muallem klezmer for the sultan 5 4.38

Oriente 2005 LC 03592www.yinon-muallem.com

www.oriente.de


Brave Old World dus gezang fin geto lodzh 4 4.56

Winter&Winter 2005 LC 02829www.braveoldworld.com

www.winterandwinter.com


Willy Schwarz jewish music around the world 1 3.45

WS 2003 GEMAwww.willyschwarz.de


Von jüdischer Musik aus aller Welt zu einem Song, der der heiligen Stadt der Juden Jerusalem gewidmet ist, jedoch in einem ganz anderem musikalischen Stil daher kommt. Afrobeat: es gibt eigentlich fast keine andere Musikrichtung, die sich so konkret auf einen einzigen Musiker zurückführen lässt wie Afrobeat. Der nigerianischen Musiker Fela Kuti entwickelte in den 70ern Afrobeat aus einer Mischung verschiedener afrikanischer Musiken und Jazz. Zwar starb Fela Kuti schon 1997, doch sein Afrobeat wird noch heute gespielt unter anderem von der New Yorker Band Kokolo. Die acht Musiker haben Afrobeat zu ihrer Musik gemacht, dass heisst Kokolo reichert Afrobeat mit Sounds des New York von heute an, mit Hip Hop und Latin Music. Die Debüt-CD von Kokolo heisst "Fuss and Fight" und macht klar, dass sich Kokolo auch in kämpferischen Gästen an ihren musikalischen Vater Fela Kuti orientieren.


Kokolo fuss and fight 6 6.54

Kokolo 2002 GEMAwww.kokoloonline.com


Sierra Maestra son: soul of a nation 3 3.19

World Music Network 2005 LC 11068 www.sierra- maestra.net

www.worldmusic.net


Seit nunmehr fast dreizig Jahren sind Sierra Maestra eine der führenden kubanischen Gruppen des Son. Der Son entstand vor rund hundert Jahren in im östlichen Bergland Kubas, in der Sierra Maestra. Schon mit ihrem Bandnamen machen die Musiker von Sierra Maestra also klar, was von ihnen zu erwarten ist. Lange Jahre waren sie die einzigen, die dem Son wirklich die Stange hielte. Doch mit dem Boom um den Buena Vista Social Club wurde auch der Son wiederentdeckt und und damit begann auch der internationale Aufstieg von Sierra Maestra. Ihr neustes Werk trägt den Titel: "Son: Soul of a Nation".


Von Kuba nach Pannonien. Dies liegt in Serbien, Ex-Jugoslawien und ist eine Heimat von Boris Kova?. Und dieses Musikgenie hat uns eine neue Platte geschenkt, die seine bisherigen Wunderwerke noch Top. "World After History" nennt Boris Kova? seine Platte und sie scheint ein religiöses Bekenntnis zum musikalischen Hinduimus zu sein. Kova? glaubt an an Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt von Kultur, auch und gerade im vom Bürgerkrieg zerfleischten Ex-Jugoslawien. Nach den zwei Vorgängerplatten "Ballads at the End of the Time" und "The Last Balkan Tango" ruft Boris Kova? mit "World After History" einen neuen Frühling nach der Apokalypse aus. Dafür würde ich Boris Kova? und seinen Band La Campanella gern umarmen!


Boris Kova? & La Campanella world after history 3 4.03

Piranha 2005 LC 07717www.boriskovac.com

www.piranha.de


Trifon Trifonov & Stanimaka bulgarian wedding music from the last century 4 4.51

Winter&Winter 2005 LC 02829www.winterandwinter.com


Grauhaarige Geschichtslehrerinnen und gigantomanische Hollywood-Produzenten treffen sich in ihren Träumen in einem Landstrich namens Thrakien. Doch Thrakien gibt es nicht nur in antiken Geschichtebüchern, Thrakien ist der Grossteil des Staatengebietes von Bulgarien. Und genau von dort stammt der Saxophonspieler Trifon Trifonov. Mit seiner Band Stanimaka hat Trifonov einen Platte mit zehn klassischen Hochzeitsliedern aus Bulgarien eingespielt. Wunderbar ist auf dieser Platte zu hören, dass sich in die thrakischen und später bulgarische Musik Einflüsse slawischer, asiatischer und turkmenischer Kultur ihren prägenden Platz erobert haben. Und Trifon Trifonov wäre nicht er selbst, würde er nicht die bulgarischen Hochzeitsmusik aus dem letzten Jahrhundert ins hier und jetzt holen.


Auch Cheb I Sabbah vermittelt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen verschiedensten Kulturen. Seit Jahren entführt der aus Algerien stammende und in San Francisco lebende DJ die Hörer auf imaginäre Reise vorzugsweise nach Indien. Doch mit seiner neuste Platte wendet sich Cheb I Sabbah, der überigens nicht nur zu den besten, sondern auch dienstältesten DJs der Welt gehört, seiner alten nordafrikanischen Heimat zu. Cheb I Sabbah lässt beispielsweise das marokkanische Frauenquartett Haddarat mystische Sufi-Verse singen und bettet diese dann in Clubsounds ein. Dafür hat sich Cheb I Sabbah unter anderem Bill Laswell, Karsh Kale und Mercan Dede ins Studio eingeladen. Die Platte heisst "La Kahena" und ist ein wahres Meisterwerk und nicht zu vergleichen mit all den billigen Remix-CDs, die In-Bars einen arabischen Charakter verleihen sollen. Cheb I Sabbah!


Cheb I Sabbah la kahena 5 8.11

Six Degrees 2005 GEMAwww.chebisabbah.com

www.sixdegreesrecords.com


V.A. harem's secret I 1 4.46

Lola's World 2005 LC 00877www.gkultur.de

www.lolasworldrecords.com


Zuhal Olcay. Frag doch einfach mal im türkischen Laden um die Ecke oder beim nächsten Dönerkauf, wer Zuhal Olcay ist. Fast immer werdet ihr ein Leuchten in den Augen des Befragten finden, denn Zuhal Olcay ist nicht nur einen Sängerin mit einer wunderbar weichen Stimme, sondern auch eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen in der Türkei. Die Aufnahme stammt von der Doppel-CD "Harem's Secret 2" und versammelt 35 sehr unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler, die sich alle die Aufgabe gestellt haben, eine Fusion zwischen zeitgemäßen Rhythmen und orientalischen Harmoniebögen zu entwickeln. Zusammengestellt wurde diese spannende Doppel-CD von Gülbahar Kültür, einer türkischstämmigen Kollegin, DJane und Autorin, die in Bremen lebt. Wer die verschiedenen Sampler von Gülbahar kennt, den verwundert es nicht auf "Harem's Secret 2" neben Musikern aus dem arabischen Raum auch Bands aus Tschechien, Portugal oder Ungarn zu hören.


Mindestens genauso spannend wie "Harem's Secret 2" ist die CD "4 Women No Cry". Auf diese Platte stellen vier Frauen ihre Musik vor. Rosario Bléfari stammt aus Argentinien, Tusia Beridze ist Georgierin, aus Paris steuert Èglantine Gouzy ihren Teil bei und als vierte ist die Wienerin Catarina Pratter zu hören. Allen Damen gemeinsam ist, dass sie sich der elektronischen Musik verschrieben haben. Da jede einen anderen kulturellen Hintergrund hat, klingen die 20 Songs sehr abwechslungsreich und machen Lust auf mehr. Das die Platte "4 Women No Cry Vol. 1" heisst, lässt hoffen.
Ihr hört jetzt die Argentinierin Rosario Bléfari, die ihre sanfte Stimme und zarte Gitarrenklängen mit gleichzeitig störenden und ergänzenden Strassengeräuschen durchbricht.


V.A. 4 women no cry 2 3.54

Monika Enterprise 2005 LC 01806www.monika- enterprise.de


Bebo & Cigala DVD black and white - live 5 2.28

Calle 54 2003 LC 00116 www.calle54records.com


Es ist einfach der Hammer dieses Musik von Bebo und Cigala. Im Februar haben der kubanischen Pianist Bebo Valdes und der spanische Flamenco-Sänger Diegnito El Cigala für ihre Platte "Lágrimas Negras" hier den Goldenen Orsino bekommen. Nun möchte ich Euch in "Schau an - Musik" die Doppel-DVD der zwei ans Herz legen. DVD Nummer Eins bietet einen Konzertmitschnitt vom Juni 2003, als Bebo und Cigala mit ihrer Band in Valldemossa auf Mallorca auftraten. DVD Nummer Zwei bietet einen fast einstündigen Dokumentarfilm.
Dieser verfolgt die zwei vom ersten Treffen bis zur Aufnahme der ersten gemeinsamen Platte von Bebo und Cigala.


Wir kommen hier nun direkt zur Verleihung des Goldenen Orsino. Dieser geht das Trio Ghazal für ihre CD "Lost Songs of the Silk Road". Ghazal, dies sind der Iraner Kayhan Kalhor und die zwei Inder Shujaat Hussain Khan und Swapan Chadhuri. Kalhor ist Meister der persischen Spießgeige Kamancheh.
Shujaat Hussain Khan spielt die Sitar und singt. Beide werden vom Tabla- Virtuosen Swapan Chaudhuri begleitet. Zu dreit improvisiert Ghazal zu klassischer indischer und perischer Musik und lässt dabei einen völlig neuen Musikstil entstehen, der in dieser Art einzigartig ist. Ghazal spielt Weltmusik im wahrsten Wortsinn und dafür gibt's hier den Goldenen Orsino.
"Lost Songs of the Silk Road" ist übrigens die erste in einer Reihe von drei Produktionen, die alle durchweg zu empfehlen sind.


Orsino muss sich mit der Musik von Ghazal für heute auch schon wieder empfehlen. Mehr Infos zu dem Platten und Musikern findet Ihr im Internet unter: www.querfunk.de.

Orsinos sagt für heute auf madagassisch: màndra-pirèsaka und denkt daran, gute Musik gibt es überall, haltet die Herzen und Ohren offen.


Ghazal lost songs of the silk road 2

Shanachie 1997 GEMA