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QUERFUNK 104,8 MHz
Freies Radio Karlsruhe |
Orsinos Lied 09.01.2005
Studio 0721 / 38 50 30 |
Redaktion & Moderation: Roland Altenburger
www.querfunk.de/sendungen/orsino
kontakt: orsino@querfunk.de
Orsino-Jingle
Die Musik ist die Nahrung der Liebe. Und da es von der Liebe auf dieser krisen- und katastrophengeschüttelten Erde viel zu wenig gibt, will Euch Orsinos Lied auch im neuten Jahr mit Musik aus aller Welt füttern. Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung beim Querfunk, herzlich willkommen zu Orsinos Lied, herzlich Willkommen sagt Orsino. In der kommenden Stunde erwartet Euch unter anderem Musik aus China und Myanmar, aus der Südsee und aus Algerien. "Schau an - Musik" sieht Musiker aus Rumänien und Kuba und der Goldenen Orsino geht an die New Yorker Klezmatics für ihr neustes Meisterwerk: "Brother Moses smote the water". Los geht's ins neue Jahr mit einem abwechslungsreichen europäischen Dreierpack: mit der Oysterband, Efim Jourist und einen Tribut an Amália Rodrigues.
Seit einen Vierteljahrhundert ist die Oysterband aus Canterbury eine der erfolgreichsten und einflussreichsten Bands der keltischen Musikszene. In diesen 25 Jahren kamen die Platten der Oysterband mal punkig-frech, als folkig-besinnlich, mal rockig-politsch daher. Zur Feier des Jubiläums haben die Oysterband zu einem grossen Musikertreffen, zu einer Big Session, geladen. Gekommen sind alte Weggefährten, wie June Tabor und Steve Knightley sowie Phil Beer von Show of Hands. Gekommen sich auch die Youngsters der britischen Folkszene Eliza Carthy und Ben Ivitsky, Jim Moray sowie James O'Grady. Schliesslich machten die Stars der "Alternative Country" - The Handsome Family - die Bühne voll. Die neun Musiker feiern in unterschiedlichsten Besetzungen mit der fünf Oysterband-Mitgliedern das 25- jährige Bühnenjubiläum. Noch keine der Oysterband-Platten hat mir so viel Freude gemacht, wie "Big Session". Und da die Platte "Big Session - Volume 1" heisst, ist zu hoffen, dass mindestens noch eine weitere Platte folgt.
Hier bei Orsinos Lied wird auf die Oysterband Efim Jourist folgen. Der aus der Ukraine stammende Akkordeon-Virtuose Efim Jourist steht mit seiner Spielweise und seinen Kompositionen für das Akkordeonspiel im Stile der klassischen Musik. Bevor Jourist vor ein paar Jahren nach Hamburg zog, war er unter anderem Bajan-Solist an der Krasnojarsker Philharmonie. Bajan ist die russische Variante des Knopfakkordeons. Auf seiner CD "Russian Rhapsody" bietet Efim Jourist mit seinem neunköpfigen Ensemble nicht nur Eigenkompositionen, sondern zollt auch klassischen russischen Komponisten, wie Glinka und Rimsky-Korssakoff Tribut.
Die dritte Platte, die ich Euch vorstellen werden, ist auch ein Tribut: ein Tribut an die beliebtestes portugiesische Sängerin aller Zeiten, an Amália Rodrigues. Als Amália Rodrigues im Oktober 1999 starb wurde klar, das die 79-jährige mehr war, als nur eine Fado-Sängerin. Amália Rodrigues war im Lauf ihrer rund 50-jährigen Karriere ein nationales Symbol für Portugal geworden. Der Gitarrist Jorge Fernando war über lange Zeit ein Wegbegleiter von Amália Rodrigues. Nun hat er die wichtigsten Musiker der protugiesischen Musikszenen zusammengeholt, um 17 Songs für "A Tribute to Amália Rodrigues" einzuspielen. Dabei reicht das Spektrum der Interpreten von klassischen Fadosängerin, wie Maria da Fé, über die Queen des "New Fado", Cristina Branco, jazzorienterten Klängen mit Terra D`Agua und karibischen Rhythmen mit Raul Marques e os Amigos Salsa bis zur wunderbaren Verschmelzung von Fado und Flamenco mit den Ciganos D´ouro. In kurzen Worten: "A Triubute to Amália Rodrigues" ist eine abwechslungsreiche Platte mit einem spannenden Überblick über die portugiesische Musikszene. Hört gleich Ciganos D´ouro, zuvor jedoch die Oysterband und Efim Jourist.
Oysterband the big session - volume 1 6 5.33
Westpark Music 2004 LC 07535
www.oysterband.co.uk
Efim Jourist & Ensemble russian rhaspody 3 5.18
H&H Music 2004 LC 11839
www.h-h-music.com
V.A. a tribute to amália rodrigues 2 2.47
World Connection 2004 LC 10236
www.worldconnection.nl
Von Ciganos D`ouro mit ihrer Flamenco-Version eines Amália Rodrigues-Titels zur Königin des Fado selbst. Amália war schon zu Lebzeiten eine portugiesische Legende, mit allen Ungereimtheiten, die dazugehören. Erste Erfolge feierte sie nicht in ihrer Heimat, sondern in Frankreich und Brasilien. Auch hatte sie keine grossen Problem, vom Diktator Salazar umworben zu werden. Trotzdem konnte Amália ihren Ruhm über die Nelkenrevolution 1974 hinwegretten und wurde bis zu ihrem Tod 1999 zu einer Art portugiesisches Nationalheiligtum. Sie produzierte dutzende von Veröffentlichungen und 1955 den Titel, der den entgültigen internationalen Durchbruch von Amália Rodrigues markierte: Coimbra.
Amália Rodrigues coimbra 1 2.10
Music of the World 1992
The Cook Island Drummers pacific drums 18 + 19 1.01 + 2.09
Klangwelten 2004 LC 06818
www.klangwelten.com
Direkt unter uns, auf der anderen Seite der Erde, jenseits der Datumsgrenze, dort wo gestern heute ist, und heute morgen liegen die Südseeinseln Polynesiens. Dort sind die unglaublich kraftvollen Trommler zu finden, die ihr gerade gehört habt. Die besten von ihnen sollen auf den Cook Inseln zu finden sind und von dort stammen auch die Aufnahmen. Auf der CD "Pacific Drums" sind insgesamt fünf Gruppen mit ihren hölzernen Schlitztrommeln , Basstrommeln und Bongo-ähnlichen Felltrommeln zu hören.
Ein schneller Grundpuls wird durch festgelegte Schläge akzentuiert, die von allen Trommlern unisono mitgespielt werden. So entstehten die musikalischen Kraftpakete, die auf "Pacific Drums" zu hören sind.
Ebensfalls ein Kraftpaket in ihrer Kategorie ist die Fanfare Ciocarlia. In "Schau an - Musik" möchte ich Euch nun ihrer DVD "Fanfare Ciocarlia - The Story of the Band" vorstellen. Diese DVD ist ein Muß für alle, die Spaß an Blasmusik vom Balkan haben. "The Story of the Band" präsentiert nicht nur ein Konzert, dass Fanfare Ciocarlia im April 2004 in Berlin gegeben haben.
Auch der äußerst stimmige Dokumentarfilm "Iag Bari - Brass on Fire" ist auf der DVD zu finden. Und wer dann nach rund zwei Stunden immer noch nicht genug hat, wird nochmal mit knapp einer halben Stunde Videos, Interviews und Extramaterial vollgeladen. Diese DVD bittet somit einen echten Mehrwert gegenüber einer normalen Audio-CD. Dieser ist eigentlich nur durch ein echtes Livekonzert der Fanfare Ciocarlia zu überbieten. Hört nun einen Ausschnitt aus dem auf der DVD zu findenen Konzertmitschnitt der Fanfare Ciocarlia.
Fanfare Ciocarlia dvd the story of the band 5 5.46
Asphalt Tango 2004 LC 12494
www.fanfare- ciocarlia.com
V.A. dvd festival son cuba - live in berlin 15 6.23
Endirecto 2004 LC 00710
www.endirecto.de
Kuba ist reich an herausragenden Musikern, doch solch einer Stimme, wie die von Caridad Hierrezuelo, ist auch auf der Karibikinsel eine Ausnahmen.
Obwohl mittlerweile fast 80 Jahre alt, ist Caridad Hierrezuelo hier in Deutschland noch viel zu wenig bekannt. Dabei hat sie in Kuba Kultstatus und ist unter anderem mit Ibrahim Ferrer, Ruben González, Vieja Trova Santiaguera oder Los Van Van aufgetreten. Auf der DVD "Festival Son Cuba" ist Caridad Hierrezuelo nun zu entdecken. Aufgezeichnet ist ein Konzert in Berlin im Jahre 2003. Zwar gibt's auf der DVD viel mehr als das Konzert, doch ist die Starbesetzung die Sache wert. Denn neben Caridad Hierrezuelo sind Carlos Manuel Céspedes, Rumba y Batá, Proposisón und die wunderbaren Sonora Universal zu hören und zu sehen: "Festival Son Cuba - live in Berlin".
Von der Spree an den Mississippi. Vor dreieinhalb Jahre ist er leider im Alter von 83 Jahren verstorben, John Lee Hooker. Er zählt zu den einflussreichsten und produktivsten Bluesmusikern der alten Generation.
Zwar feierte er erst mit "The Healer" im Alter von 72 Jahren seinen grössten Welterfolg, doch hatte er bis dahin ungezählte Platten und Konzerte gespielt. Mit der Live-Platte "Black Night is falling" ist nun posthum ein Konzert veröffentlicht, dass John Lee Hooker 1977 im kleinen Rising Sun Jazzclub in Montreal/Kanada geben hat. Diese Aufnahme präsentiert John Lee Hooker und seine exzellente Band in intimer Atmosphäre in Höchstform. Hört das Titelstück: "Black Night is falling". Dies ist Blues pur!
John Lee Hooker black night ist falling 4 8.07
Justin A Memory 2004 Gema
www.justin-time.com
Xiao Ying the art of the chinese harp - guzheng 3 3.13
ARC 2004 LC 05111
www.arcmusic.co.uk
Xiao Ying mit ihrem Lieblingsinstrument, der Zither Guzheng. Die Guzheng ist eine horizontal gezupfte Zither und sieht der japanischen Koto ähnlich.
Historischen Schriften zufolge, soll die die Zither schon vor 2200 Jahren in Westchina gespielt worden sein. Der Klang der Guzheng ist also aus der chinesischen Musik nicht wegzudenken und wohl auch deshalb so oft in chinesischen Lokalen zu hören. Xiao Ying hat in Peking verschiedene klassische Spielweisen der Guzheng studiert. Heute spielt sie sowohl klassische Musik als auch Neukomposition im traditionellen Stil. Mit einem kleinen Ensemble hat Xiao Ying die CD "The Art of Chinese Harp" eingespielt, die die Zuhörer in die chinesische Musik jenseits des Canton- Pop entführt.
Zwar lebt Khaled seit rund 20 Jahren in Frankreich, doch wird der gebührtige Algerier im Maghreb, im westlichen Teil Nordafrikas, hochachtungsvoll der König des Rai genannt. Sein Hit "Aisha" macht ihn auch weit über den arabischen Raum hinaus zum Superstart. Nach fünf Jahren hat Khaled nun endlich wieder ein neues Album produziert: Ya-Rayi - zu deutsch - ich sage meine Meinung. Khaled hat eine Botschaft, die Botschaft vom Frieden und der Liebe. Khaled hat sich deshalb ganz bewusst arabische und jüdische Musiker ins Studio geholt, um seine neue Platte einzuspielen.
Damit macht Khaled den Rai, diese von den algerischen Fundamentalisten sowie schon verteufelte Partymusik, auch noch zu politischen Plattform gegen Intoleranz, Terror und Krieg. Und bei alle dem kommt trotzdem gute Laune auf. Dies kann halt nur ein König, dies kann nur Khaled.
Khaled ya-rati 6 3.50
AZ 2004 LC 01846
www.universal- music.de
Mariana Ramos bibia 4 4.04
Cap-Vert 2004 Gema
www.mariana-ramos.com
Es ist ein Sound, dem ich einfach nicht widerstehen kann, der Sound der Kapverdischen Musik. Ein neuer aufsteigender Stern am kapverdischen Musikhimmel ist Mariana Ramos. Das Handwerk hat die junge Sängerin zum einem von ihrem Vater gelernt, dem Gitarristen der Band Voz de Cabo-Verde und zum anderem vom bedeutensten kapverdischen Komponisten und Arrangeur Teofilo Chantre, dem langjährigen Begleiter von Cesaria Evora. Auf ihrer zweiten Platte "Bibia" bewegt sich Mariana Ramos leichtfüssig zwischen der Morna, dem kapverdischem Blues, Jazz, brasilianischer und afrikanischer Musik.
Tief aus dem Herzen Asiens, aus Myanmar/Burma kommt Sandaya U Yee Nwe. Auf seiner Platte "Sandaya: The Spellbinding Piano of Burma" stellt er die burmesische Art des Klavierspiels vor. 1872 kam ein Klavier als Geschenk des italienischen Botschafter an den König von Burma das erste Klavier ins Land. Einheimische Musiker fanden gefallen an dem Instrument und entwickelten eine Technik, bei der mit nur zwei bzw. vier Fingern Klavier gespielt wurde. Traditionellen Lieder wurden fürs Klavier umgeschrieben und so entstand eine der ungewöhnlichsten und faszinierendsten Klaviermusiken der Welt. Sandaya U Yee Nwe begann schon mit fünf Jahren Klavier zu spielen, wurde später Pianist in einem Kino und ist heute Musikprofessor in Burmas Hauptstadt Yangon. Seine Platte hat Sandaya mit einem halben Dutzend Musikern aus Burma eingespielt, die allesamt traditionelle Instrumente spielen. So entsteht eine spannende Verbindung zwischen traditionellen burmesischen Klängen und dem westlichen Klang des Pianos, das eben doch ganz anders gespielt wird.
Sandaya U Yee Nwe the spellbinding piano of burma 9 5.51
Shanachie Gema
Auch im Jahr 2005 soll die gute Tradition beibehalten werden, in dieser Sendung den Goldenen Orsino zu verleihen. Ausgezeichnet werden mit diesem Preis Produktionen, die verschiedene Musikstile aus aller Welt verbinden und damit einen neuen Stil entstehen lassen. Der erste Goldene Orsino des Jahres 2005 geht an die Klezmatics für ihrer CD "Brother Moses smote the water". Seit fast 20 Jahren sind die Klezmatics die wichtigste Band des zeitgenössischen Klezmer. Zwar waren sie immer tief in der jiddischen Tradition verwurzelt, doch fanden auch Protest- und Arbeiterlieder, Jazz und Rock Zugang in ihre Lieder. Schon auf ihrer letzten Platte "Rise up!" hatten sich die Klezmatics an einer Verbindung von afroamerikanischen Gospel und jüdischen Klezmer versucht. Mit "Brother Moses smote the water" sind sie diese Weg weiterbeschritten. Zur Verstärkung haben sich die Klezmatics den Gospelsänger Joshua Nelson und die Jazzmusikerin Kathryn Farmer hinzugeholt. Entstanden ist eine neue Musik, die schlicht und einfach als Weltmusik bezeichnet werden kann. Dafür den Goldenen Orsino! Mit "Brother Moses smote the water" haben die Klezmatics ausserdem den Fans noch einen besondern Wunsch erfüllt. Die Platte ist der Mitschnitt eines Livekonzertes und ein Bonusvideo ist auf der CD auch noch zu finden. Bevor die Klezmatics mit Joshua Nelson und Kathryn Farmer die Sendung beenden, will ich mich verabschieden.
Mehr Infos zu den vorgestellten CDs und Musiken findet ihr im Internet unter www.querfunk.de. Orsino sagt damit auf malayisch "selamat tinggal" und denkt daran: Gute Musik gibt es überall, haltet die Herzen und Ohren offen.
The Klezmatics feat. Joshua Nelson & Kathryn Farmer brother moses smote the water 4 8.30
Piranha 2004 LC 07717
www.klezmatics.com