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Orsinos Lied 10.10.2004

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Redaktion & Moderation: Roland Altenburger

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Orsino-Jingle

Da die Musik der Liebe Nahrung ist: Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung beim Querfunk. Herzlich Willkommen zu Orsinos Lied.
Herzlich Willkommen sagt Orsino.

In der kommenden Stunde erwarten Euch unter anderem Musik aus Syrien und Russland, aus der Südsee und Österreich. Masada entführt Euch wieder zurück in die Zukunft der Klezmermusik und der Goldenen Orsino geht an das norwegische Duo Patrick Shaw-Iversen & Raymond C. Pellicer für ihre CD "on/off".


Los geht's mit einem musikalischen Dreierpack aus Kuba. Das Ensemble Trova Camagüeyana und die zwei Sänger Carlos Céspedes und Polo Montanez stehen für drei Generationen kubanischer Musik.

Die Band Trova Camagüeyana stammt, wie der Name schon verrät, aus Camagüey, der drittgrößten Stadt Kubas. Die sieben Musiker, einige weit über 70 Jahre alt, haben sich dem traditionellem Son verschrieben. Dabei schöpfen Trova Camagüeyana aus der ganzen Vielfalt des Son. Sie spielen sowohl die schnelle Guaracha als auch romantisches Bolero, den kraftvolle Son Montuno sowie swingenden Mambo und Cha Cha Cha. Charakterische für den Sound der Band ist dabei das Holzflötenspiel von Orlando Beltrán. Ihr hört gleich ein Stück von ihrer Platte "Camagüey".


Auch Carlos Céspedes stammt aus dem Osten Kubas. Der Sänger, Gitarrist und Songwriter war gerade gemeinsam mit Trova Camagüeyana und weiteren Musikern auf Deutschlandtour. Wer also das Glück hatte, Carlos Céspedes live beim Festival Son Cuba zu erleben, weiss welche Ausstrahlung der Trovador hat, dieser kubanische Poet mit der Gitarre. Pünklich zur Tournee ist seine Debütalbum erschienen. Auf "Mientras Tanto" präsentiert Carlos Céspedes seine bezaubernden Eigenkompositionen, die irgendwo zwischen klassischer Trovador-Kunst und Pop angesiedelt ist.


Die dritte Platte, die Ihr zu Beginn von Orsinos Lied hören sollt heisst "Memoria". Und es ist leider genau das, was der Titel befürchten lässt. Es ist eine Art musikalischer Nachruf auf einen der besten kubanischen Musiker: Polo Montañez. Der Sänger und Gitarrist aus San Cristobal im Westen von Kuba kam 2002 mit 47 Jahren bei einem Autounfall ums Leben.
Dabei hatte seine musikalische Karriere erst mit 44 Jahren begonnen, als der singende Landarbeiter vom Produzenten José de Silva entdeckt wurden.
Zwei Platte konnte Montañez noch einspielen, die ersten Erfolge in gefüllten Stadien in ganz Lateinamerika feiern, bis er leider viel zu früh verunglückte. Auf der Platte "Memoria" sind nun noch zehn bis dato unveröffentlichte Stück von Polo Montañez veröffentlicht.

Zuerst jedoch Trova Camagüeyana, gefolgt von Carlos Céspedes und schliesslich Polo Montañez.


Trova Camagüeyana camagüey 2 3.56

Clave Records 2001 Gema
www.claverecords.com


Carlos Céspedes mientras tanto 10 3.18

Endirecto 2004 LC 00710
www.endirecto.de


Polo Montañez memoria 05 2.42

Lusafrica 2004 LC 10412
www.lusafrica.com


Es gibt schon seltsam Dinge im Leben. Kubanische Musik in ihrer ganzen Vielfalt ist heute in jedem anständigen Plattenladen zu finden. Wer jedoch Volksmusik aus Österreich sucht, wird in die volkstümliche Ecke geschickt und soll sich mit Pseudofolklore a la "Musikantenstadl" und "Blauer Bock" abspeisen lassen. Dabei gibt es natürlich auch in Österreich musikalische Schätze zu finden, wie beispielsweise die Dudelsackmusik von Sepp Pichler.
In seinem Trio Bordunikum lässt sich Sepp Pichler von Eduard Luis Eibl am Cello und Christian Bakanic am Akkordeon begleiten. Als Bordunikum interpretieren sie hauptsächlich österreichische Volksmusik, machen aber auch Ausflüge in die Kirchemusik, zu Mozart und nach Griechenland. Ihre Platte heisst "Überführn" und steht für die Verbindung verschiedener Welten und bietet ein selten gehörtes Soundspektrum. Bordunikum: für mich die Entdeckung dieses Spätsommers!


Bordunikum überführn 1 6.33

Extraplatte 2004 LC 8202
www.extraplatte.at


V.A. siva pacifica - last voices from heaven 8 3.51

Columbia 2004 LC 00162
www.columbia.de


Musik vom anderen Ende der Welt, Musik aus der Inselwelt des Südpazifik.
"Siva Pacifica - Last Voices from Heaven" heisst eine Platte, die elf Südsee-Songs im westlichen Soundgewand präsentiert. Der Australier Anthony Copping hat bei Forschungsreisen rund 200 Südseemusiker aufgenommen. Adam Wren vom Afro Celt Sound System hat diese Feldaufnahmen wie Rohmaterial benutzt und sein Sound System drübergestülpt. Entstanden ist eine Platte:
Ethno-Pop pur. Kennt jemand von Euch noch Bildtapeten. Damit holten sich unsere Eltern und Grosseltern wahlweise Hawaii oder den Bayrischen Wald ins Wohnzimmer. Ein bisschen erinnert mich "Siva Pacifica" an diese Bildtapeten. Das Motiv ist echt, doch was daraus wurde, stimmt eher ein bisschen traurig. Für Leute mit unstillbaren Fernweh ist "Siva Pacifica" aber gut zum Träumen!


Weiter geht's vom heissen Süden in den kühlen Norden. St. Petersburg war schon zu Zeiten, als es noch Leningrad hiess, die heimliche Kulturhauptstadt Russlands. Dort hat sich unter anderem ein Gruppe von Musikern zusammengetan, um elektronische Sounds der besonderen Art zu basteln. Slava Amigo ist einer dieser Musiker und eigentlich Designer. Doch sein Solo-Debüt "Sbornik" strotzt vor musikalischen Einfällen, vor allem der humoristischen Art. Seine Sounds nennt er selbst easypornohardcore und liegt damit garnicht so falsch. Irgendwie hat es was pervers-lustvolles wie Amigo Billigelektronik mit Film-Soundtracks und schrägen Gitarren mixt.
Unterstützt wird Amigo auf "Sbornik" unter anderem von Oleg Gitarkin.
Dieser ist hier bekannt als Teil des Duos "Messer für Frau Müller", die ja auch für schräge Elektromugge berühmt-berüchtigt sind. Amigo: a la salud, na sdrowie!


Amigo sbornik 16 3.41

Solnze Rec 2003 Stora
www.solnzerecords.com


Gerardo Nuñez andando el tiempo 1 5.17

ACT Music 2004 LC 07644
www.actmusic.com


Auf seiner neusten Platte "Andando el Tiempo" zeigt der Gitarrist Gerardo Nuñez wieder einmal, das der Flamenco ein durchauf lebendiger Stil ist, der offen ist für verschiedenste Erweiterungen. Gerardo Núñez wurde 1961 in der Wiege des Flamenco, der andalusischen Stadt Jerez de la Frontera, geboren.
Den Flamenco hat er von der Pike auf gelernt. Schon als kleiner Junge spielte er für alle großen Sänger seiner Stadt, für Legenden wie Terremoto, Tío Borrico, La Paquera de Jerez. Auch heute als erfolgreicher Sologitarrist, begleitet er ab und zu die Größen des Gesangs. Gerardo Nuñez ist jedoch auch schon seit Jahren dafür bekannt, dass er vor allem ein Schwäche für Jazz hat. Eingespielt hat er "Andando el Tiempo" unter anderem mit den Jazzern Paolo Fresu an der Trompete, dem Saxophonisten Perico Sambeat und Mariano Diaz am Klavier. Und es funktioniert, was man ja von Modernisierungsversuchen nicht immer sagen kann. Gerardo Nuñez ist eben eine Klasse für sich, ein Meister seines Instruments und ein begnadeter Flamenco-Komponist.


Von Spanien nach Angola. Bonga Kuenza ist der berühmtesten Musiker des südwestafrikanischen Landes. Und diese wundert auch keinen, der je die Stimme von Bonga gehört hat. Er singt eine Mischung aus traditionellen und neuen Kompositionen mit sehr engagierten Texten. Diese sind entweder in Portugiesisch, meistens aber in Calao gehalten, der Umgangssprache der angolanischen Hauptstadt Luanda, in der Portugiesisch und Kimbundu vermischt sind. Die politischen statements erstaunen nicht, wenn man weiss, dass Bonga seit Anfang der 60er Jahre im europäischen Exil lebt. Schlicht "Live" heisst seine neuste Platte und mit seiner vierköpfigen Band bietet Bonga eine wirklich geile Show. Besonders Bethino Feijó, einer der größten Meister der Semba Gitarre, des angolanische Samba Gitarre, und der grandiose Akkordeonvirtuose Fusica André tragen ihren Teil dazu bei.

Bonga - was soll ich dazu noch sagen: wenn es eine erotische Seite in der Musik gibt, dann ist die Stimme von Bonga purer Sex!


Bonga live 6 4.34

Lusafrica 2004 LC 10412
www.lusafrica.com


DJ Cheb I Sabbah as far as 14 6.37

Six Degrees 2003 LC 06110
www.chebisabbah.com


Er ist nach wie vor der Beste seiner Zunft: DJ Cheb I Sabbah. Der in Kalifornien lebende Algerier gehört mit seinen 58 Jahren nicht nur zu den dienstältesten DJs der Welt, Cheb I Sabbah ist auch einer der unwöhnlichsten. Seine Passion fand er in der indischen Musik. Drei Platten hat er dazu veröffentlicht: Shri Durga, Maha Maya und Krisha Lila, jede für sich genommen ein Meilenstein. Für seine wunderbare Triologie fuhr er auf den indischen Subkontinent und nahm dort traditionelle Musik aus dem Norden und Süden auf und mixte diese in Kalifornien neu. Mit seiner neusten CD "as far as - a dj mix" geht er noch ein Stück weiter. Die Musik der vierzehn Stück kommt in neun Sprachen daher und setzt sich nun neben Samples aus Indien und Pakistan auch aus Teilen aus Nord- und Westafrika zusammen. Von Cheb stammen auf "as far as" genaugenommen nur zwei Stück und drei Remixes von Stücken von Solace, Paul Horn und Audio Letter mit Chebs altem, leider schon verstorbenen Freund, dem Jazzer Don Cherry. Zudem finden sich auf der Platte Stücke von Asian Dub Foundation, Toires, Natacha Atlas, Malake, Trilok Gurtu, Sekouba Bambino und Sangoma, Suzan Hendricks & the Traditional Healers. Daher also der Untertitel "a dj mix".


Vom weltenbummelnden Algerier DJ Cheb I Sabbah zu Samer Hamdan aus Syrier.
Samer Hamdan ist ein Meister des traditionellen Spiels auf dem Qanun, der arabischen Zitter. Neben der Laute Oud ist das Qanun das wichtigste Seiteninstrumente der traditionellen Musiken des östlichen Mittelmeerraumes. So unterschiedlich wie die Kulturen im östlichen Mittelmeerraum, so unterschiedlich auch die Musik, die mit dem Qanun in Griechland, der Türkei, Syrien, dem Libanon und in Ägypten gespielt wird.
Diese fünf verschieden Stile sind auf der CD "Qanun - East Mediterranean Musical Instruments" zu hören. Und zu Samer Hamdan aus Syrien gesellen sich Mostafa Masri aus Ägypten, George Hakim aus dem Libanon, der türkische Meistervirtuose Husein Unal und Petros Tabouris aus Griechenland, der diese CD aus zusammengestellt hat. Lasst Euch also musikalisch mit Samer Hamdan nach Syrien entführen. In seinem Stück verbindet er einen klassischen Taqsim mit einem syrischen Volkstanz.


V. A. qanun - east mediterranean musical instruments 2 6.35

FM Records 2003 Gema
www.fmrecords.net


Von Syrien nach New York. Mit "Masada - Zurück in die Zukunft des Klezmer" feiert Orsinos Lied das 10-jährige Bestehen des jüdischen Quartetts Masada, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die jüdische Musik zu modernisieren.


Masada tet - nine 2 1.56

Tzadik 1997 LC 10584
www.tzadik.com


Dieser Masada-Titel stammt von der neunten Studio-CD und ist typisch für die Arbeitsweise des Quartetts. Die Stücke können zehn Minuten lang sein, oder wie gerade gehört, nur zwei. Doch auch in zwei Minuten gelingt es Masada, Stimmungen aufzubauen; und sei es die des Widerstandes. Des Widerstandes gegen das Bild des kraftlosen Judenstums, gegen das Bild des nach Innen und in die Vergangenheit gerichteten Judentums. Saxophonspieler und Komponisten John Zorn will mit seinem Mitstreitern, dem Trompeter Dave Douglas, dem Bassisten Greg Cohen und dem Schlagzeuger Joey Baron nicht viel weniger als jüdische Musik neu definieren und Musik für Juden von heute machen. Insgesamt zehn Studio-Platten hat Masada zwischen 1994 und 1998 eingespielt. Den hebräischen Zahlenworten folgen heissen sie in der Reihenfolge: Alef für Eins, Beit für Zwei, Gimel und Dalet für Drei und Vier, Hei steht für Fünf und Vav für Sechs. Sieben heisst auf hebräisch Zayin und Acht Het. Die gerade gehörte neunte Studio-CD heisst Tet und Nummer Zehn schliesslich Yod. Insgesamt enthalten diese Platten 94 Kompositionen von John Zorn, die mittlerweile als Masada-Songbook bekannt sind. Das Songbook spielt nicht nur in der zeitgenössischen jüdischen Musik eine von nicht zu unterschätzende Rolle. Die Art, wie Zorn und sein Masada- Kollektiv mit traditionellem Liedgut umgehen, ist weit über die Klezmer-, Jazz- und Avantgarde-Kreise hinaus als revolutionär bezeichnet worden. Es wird aber auch als traditionszertrümmernd verurteilt. Masada scherrt dies jedoch wenig. Eins ist dem Quartett auf alle Fälle gelungen: Klezmermusik aus ihrem Schlummer zu reissen. Mehr zu den Wurzeln in der nächsten Orsino- Sendung. Jetzt das Stück "Hashmal" von der zehnten, der bisher letzten Studio-Platte von Masada, aufgenommen im Jahr 1998.


Masada yod - ten 4 3.23

Tzadik 1998 LC 10584
www.tzadik.com


Der Goldene Orsino! Diese Auszeichnung für eine Platte, die die Bezeichung Weltmusik wirklich verdient, geht heute an die CD "on/off" des norwegische Duos Patrick Shaw-Iversen & Raymond C. Pellicer.


Patrick Shaw-Iversen & Raymond C. Pellicer on/off 2 6.47

Jazzland 2003 LC 00699
www.jazzlandrec.com


Hochverehrte Damen und Herren, werte Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Freundinnen und Freunde der Musik: was war das? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Es war zum Einen der Flötist Patrick Shaw-Iversen und zum Anderen der DJ Raymond C. Pellicer, auch bekannt als DJ Darknorse bzw. Phono. Mit zwei weiteren Norwegern, dem Bassist Audun Erlien und dem Schlagzeuger Anders Engen haben Patrick und Raymond die Platte on/off eingespielt, die sich jedwedem Schubladen-Denken entgegenstellt. Treibende Beats, raumfassenden Jazzcollagen, und meditative Minimalismuszitate werden gebrochen vom Flötenspiel Patricks. Dieser lässt sich von javanesischer und balinesischer Gamelan-Musik inspirieren. Und da wären wir wieder bei der weltumspannenden Kraft der Musik und der einzigen Definition, die zu dieser Musik passt: Weltmusik, Musik mit Zutaten aus aller Welt. Dafür für "on/off" von Patrick Shaw-Iversen und Raymond C. Pellicer der Goldene Orsino.

Orsino selbst verabschiedet sich damit. Mehr Infos zu den vorgestellten Platten und Musikern im Internet unter www.querfunk.de. Dort einfach zu Orsinos Lied weiterklicken. Tschüss sagt Orsino und denkt daran: Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen.


Patrick Shaw-Iversen & Raymond C. Pellicer on/off 3 9.25