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Orsinos Lied 08.09.2004 13 Uhr

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Redaktion & Moderation: Roland Altenburger

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Orsino-Jingle


Die Liebe lebt von der Musik, die in Eurem Herzen spielt. Und damit diese nicht zu eintönig daherkommt, nun bezaubernde Songs aus allen Ecken dieser Erde.

Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung bei Querfunk. Herzlich Willkommen zu Orsinos Lied. Herzlich Willkommen sagt Orsino.

Es erwartet Euch in der kommenden Stunde Musik unter anderem aus Japan und Peru, aus Ungarn und dem Senegal. Masada wird uns zurück in die Zukunft der jüdischen Klezmermusik führen und der Goldene Orsino geht an Mitsou für ihr unwerfendes erstes Soloalbum Mitsoura.


Los geht's gerüttelt, geschüttelt und gerührt. Alt trifft neu, traditionelles wird modernisiert, Wurzeln schicken ihren Saft zu den Blüten der Zukunft. Es geht um Musik, die alte Traditionen mit zeitgenössischen Sounds verbindet. Song Nummer Eins führt uns nach Indien, Nummer Zwei nach Portugal und Lied Nummer Drei in die USA. Nummer Eins ist das Projekt von Sam Zaman alias State of Bengal und Paban das Baul. Geboren in Indien zog State of Bengal erst durch die halbe Welt um schliesslich in England sesshaft zu werden. Dort kreierte der DJ mit Gesinnungsgenossen den Sound des Asian Underground zu kreieren. Mit dem Sänger Paban das Baul holte sich State of Bengal nun sozusagen die eigenen Wurzeln ins Studio. Paban das Baul stammt aus der indischen Bengali-Region und ist Vertreter einer jahrhundertealten Musikertradition. State of Bengal und Paban das Baul gelingt es auf ihrer Platte "Tana Tani" Tradition und Moderne wie selbstverständlich ineinander fliessen zu lassen.


Solch ein Projekt funktioniert nicht immer, wie die CD "Chillfado" zeigt.
Auf dieser Platte haben DJs und Arrangeure der Clubszene zehn portugiesischen Fados bearbeitet. In manchen Songs laufen Tradition und Moderne eher nebeneinander her, als dass sie sich enge und unwiderruflich umschlingen. Doch es gibt sie auch auf dieser Platte, die Songs, bei denen es funktioniert. Beispielsweise wenn sich Plaster der Fados von Madredeus oder wie gleich zu hören von Mariza annimmt. Dann entsteht ein Fado der neuen Generation. Elektro-Melancholie vom Besten, kurz gesagt: Chillfado.


Die dritte Platte für den Anfang stammt von Tangle Eye. Scott Billington und Steve Reynolds sind das Produzenten-Dou Tangle Eye, die mit einem runden Dutzend Musikern alte Südstaaten-Songs neu interpretieren. Grundlage sind Aufnahmen, die der Musiker und Wissenschaftler Alan Lomax in der Mitte des letzten Jahrhunderts gemacht hat. So nennt sich Tangle Eyes Platte auch "Alan Lomax`s Southern Journey Remixed". Einfach ein wirklich geile Scheibe.

Los geht's nun endlich mit State of Bengal und Paban das Baul, gefolgt von Plasters Chillfado und schliesslich Tangle Eye.


State of Bengal vs Paban das Baul tana tani 8 7.43

Real World 2004 LC 03098
www.stateofbengal.com


V.A. chillfado v.01 10 5.47

M247 2004 LC 10236
www.worldconnection.nl


Tangle Eye alan lomax`s southern journey remixed 4 4.23

Zoe Records 2004 LC 10148
www.continental.nl


Cocktails haben einen Nachteil. Oft ist nicht klar, woraus sie den eigentlich bestehen.

Wem der gemixte Dreierpack zu bunt und süss war, nun ein kleiner Ausgleich.
Wie schon erzählt, waren für die Songs von Tangle Eye Aufnahmen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts die Grundlage. Das Orginial des gerade verklungenen Liedes findet sich auf der Platte "Southern Journey", die Alan Lomax 1959 in den US-amerikanischen Südstaaten aufnahm. Komponist und Sänger war Ervin Webb. Ich habe es auf dem Sampler "The Alan Lomax Collection" gefunden. Diese CD bietet Ausschnitte aus zehn Platten, die Lomax aufgenommen hat und die neben Aufnahmen aus den Südstaaten unter anderem Songs aus der Karibik, Kolumbien, Spanien und Italien zu Gehör bringt. Ein spannender Kurztrip durch das Archiv von Alan Lomax. Jetzt zu hören Ervin Webb und seine Gruppe.


V.A. the alan lomax collection 2 2.10

Rounder 1997 LC 03719
www.rounder.com


Vagtazo Hallottkemek naptanc - dancing with the sun 9 4.27

Trottel 1999 Gema
http://trottel.mentha.hu


Vagtazo Hallottkemek, zu deutsch: die Rasenden Leichenbeschauer, heisst die ungarische Band, die einen ganz speziellen Hunnen-Schamanismus zelebrieren.
Seit rund 30 Jahren verknüpfen die Rasenden Leichenbeschauer Folk, Punk und Jazz und liessen sich nie von der Zensur kleinkriegen. Zu sozialistischen Zeiten durften die sechs Musiker deshalb jahrelang in Ungarn nicht öffentlich auftreten. Dies sowie ihre raue und nicht schubladengerechte Musik ist wohl der Grund, dass die Rasenden Leichenbeschauer auch heute noch ein Geheimtipp sind. Die Platte, von der das gerade gespielte Lied stammt heisst: "naptanc - dancing with the sun".


Für Fans japanischer Taiko-Trommelpower überhaupt kein Geheimtipp mehr ist die Gruppe Ondekoza. Zwar war es nach dem Tod des Ondekoza-Gründers Tagayasu Den im Jahre 2001 einige Zeit still um die älteste und bekannteste Taiko-Trommelgruppe Japans geworden. Nun haben sie jedoch ein neue Platte mit dem Titel "Heaven Roars and Earth Moves" eingespielt. Diesmal verbinden Ondekoza die klassische Ästhetik der Taiko-Trommeln und der japanischen Flöte Sakuhachi mit neuen Ansätzen und westlichen Instrumenten wie dem Saxophon und Cembalo.


Ondekoza heaven roars and earth moves 2 3.58

Tropical Music 2004 LC 08879
www.tropical- music.com


Youssou N'Dour Egypt 4 5.45

Nonesuch 2004 LC 00286
www.youssou.com


Noch immer ist er gut für Überraschungen der besonderen Art: Youssou N'Dour. Den Sänger aus dem Senegal hat es nun auf seiner Wanderung durch die musikalischen Stile der Welt nach Ägypten verschlagen. In Kairo hat er gemeinsam mit ägyptischen Musikern arabischen Streichersound mit den Mbalax- Rhythmen seiner westafrikanischen Heimat verbunden. In den Texten bekennt sich Youssou N`Dour zu einem toleranten, weltoffenen Islam. Ein bisschen Schade ist, dass die Songs nie länger sind als normale Pop-Songs, und nie die zeitfordernden Ausweitungen arabischer Lieder haben. Doch gerade dies hat der Platte "Egyt" wohl zu ihrem momentanen Riesenerfolg verholfen.


Wie die neue Platte von Youssou N`Dour so wurde auch die neuste Produktion von Tania Libertad lang von den Fans und Kritikern erwartet. Und wieder hat Tania Libertad mit der CD "Negro Color" diese Erwartungen erfüllt. "Negro Color" ist mittlerweile die 34. Platte der Peruanerin, doch Tania Libertad gilt hierzuland immer noch als Gemeintip. Vielleicht fehlt so eine Art Buena Vista Social Club aus Lima, damit die wunderbare und abwechslungsreiche Musik des südamerikanischen Landes auch hier bekannter wird. Auf "Negro Color" beispielsweise singt Tania Libertad ein Duett mit Eder Da Rosa von der Gruppe Quem. Wenn Musik die Nahrung der Liebe ist, dann ist dieses Duett die geheime Erotik, die der körperlichen Liebe innewohnt. Sperrt Eure Herzen und Ohren auf.


Tanja Libertad negro color 6 3.48

Lusafrica 2004 LC 10412
www.lusafrica.com


Rabih Abou-Khalil il sospiro 11 3.32

Enja 2002 LC 03126
www.enjarecords.com


"An Oyster in Paris - eine Auster in Paris" heisst das Stück. Der begnadetet Musiker, von dem diese Perle stammt, ist ein Zauberer mit einem wie Perlmutt schimmernden Mantel aus wundervoller Musik: Rabih Abou-Khalil.
Der seit Jahrzehnten in München lebende Libanese ist ein begnadeter Virtuose auf der arabischen Laute Oud und noch viel mehr ein genialer Komponist und Arrangeur. Über ein Dutzende Platten hat Rabih Abou-Khalil mittlerweile eingespielt und und die Liste der Musikern, mit denen er zusammen gespielt hat, liest sich wie das Who is Who der zeitgenössischen Musik: Kronos Quartett und Balanescu Quartett ebenso wie die Jazzgrößen Charlie Mariano, Kenny Wheeler und Michel Godard oder Weltmusiker Glen Velez und Gavino Murgia. Die Platte "Il Sospiro" ist eine Besonderheit unter seinen Produktionen, den sie ist die einzige Produktion, auf der Rabhi Abou-Khalil nur solo mit seiner Oud zu hören ist. Doch welch ein musikalisches Universum tut sich da auf, für den, der sich einlässt auf die Sprache des Meisters.


Ein anderer ebenbürdiger Komponist, der sich weder um kulturelle noch stilistische Dünkel kümmert ist John Zorn. Seinem Projekt Masada ist hier bei Orsinos Lied die Rubrik "Masada - Zurück in die Zukunft des Klezmer gewidmet.


Masada eight - het 7 4.53

Tzadik 1996 LC 10584
www.tzadik.com


Als der Komponist und Saxophonist John Zorn vor über 10 Jahren gemeinsam mit dem Trompeter Dave Douglas, dem Bassisten Greg Cohen und dem Schlagzeuger Joey Baron unter dem Namen Masada die ersten Stücke einspielten, war wohl keinem der vier Musiker klar, das sie damit beginnen würden, die jüdischen Musik, den Klezmer zu revolutionieren. Gerade gehörtes Stück stammt von der achten Studio-CD des Quartets, die das hebräische Zahlenworts für Acht, nämlich Het als Titel trägt. Insgesamt 10 Studio-Platten gibt es von Masada und in ihrer Gesamtheit bilden sie das Masada-Songbook. Masada war zu Beginn tief verwurzelt in der New Yorker Jazz-Szene. Doch schnell bildetet sich um Masada und das Platten-Label von John Zorn eine vollig neue Gruppe von innovativen Musikern mit jüdischen Wurzeln, die überall auf der Welt zu finden sind. Ziel war und ist es, zeitgenössische jüdische Musik zu machen, die die Wurzeln nicht verleugnet, doch trotzdem im hier und jetzt steht und nach vor weist. Neben Masada stehen für diese neue jüdische Avantgarde Gruppen wie Hassidic New Wave, Satlah oder Klezmer Madness! und Musiker wie Marc Ribot, Koby Israelite und DJ Socalled. Neben den 10 Studio-Produktionen von Masada wächst die Zahl der Live-Mitschnitte, die auf Platte veröffentlicht werden. Und es zeugt von der innovativen Kraft des Quartetts, das diese Live-Mitschnitt immer wieder neuen Versionen der Songs zu Gehör bringt. 1999 trafen sich vier Musiker zu einem Auftritt in Middelheim. Ein halbes Jahr lang hatten sie sich nicht mehr gesehen und waren aus allen Ecken der Welt nach Belgien geflogen. Dort betraten sie die Bühen und spielten, als ob sie erst am Vortag miteinander gespielt und neue Variationen den Songs geprobt hätten.
Masada - Live in Middelheim 1999.


Masada live in middelheim 7 4.57

Tzadik 1999 LC 10584
www.tzadik.com


Der Goldene Orsino: Heute geht diese Auszeichnun an die ungarische Sängerin Mitsou für ihr Solo-Debüt "Mitsoura".


Mitsou mitsoura 5 5.12

Szerzöi Kiadás 2003
www.mitsoura.com


Jahrelang war Mitsou die hochgelobte Sängerin einer der wichtigsten ungarischen Zigeunerbands, von Ando Drom. Es folgten aber schon kurz nach ihrem Debüt als Sängerin von Ando Drom Gastauftritte mit der französischen Weltmusikband Bratsch. Mitsou wurde Teil des Global Vocal Meeting und sang in Soundtracks zu Zigeuner- und anderen Filmen.All dies brachte sie dazu, nach einer eigenen musikalischen Sprachen ausserhalb der tradititionellen Zigeunermusik zu suchen. Drei Jahre hat sie sich Zeit gelassen und nun mit "Mitsoura" das Ergebnis vorgestellt. Mit zehn herausragenden ungarischen Musikern, von denen hier eigentlich nur der Hackbrett-Virtouse Kálmán Balogh bekannt ist, hat Mitsou Songs eingespielt, die Zigeunermusik mit Jazz, indischer Musik und elektronischen Klängen verbindet. Also Weltmusik im besten Wortsinn. Dafür hier nun den Goldenen Orsino.

Mitsou übernimmt für mich den Abgesang der heutigen Sendung. Mehr Infos zu den Platten und Musikern im Internet unter www.querfunk.de. Orsino sagt tschüss und denkt daran: Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen!


Mitsou mitsoura 3 7.13