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Orsinos Lied 08.08.2004 13 Uhr

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Redaktion & Moderation: Roland Altenburger


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Orsino-Jingle


Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spiel weiter, spiel, lass mich in Tönen schwelgen, bis im Exzess die übersatte Lust erkrankt und stirb. Dies Lied noch einmal! Und noch mal und noch mal will ich Euch füttern mit Musik aus aller Welt, damit Eure Liebe nicht verhungern muss. Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung beim Querfunk. Herzlich Willkommen zu Orsinos Lied.
Herzlich Willkommen sagt Orsino.

Wir pendeln unter anderem zwischen Pakistan, Kenia und Brasilien. Masada lässt uns die Zukunft des Klezmer hören und der Golden Orsino geht an Express Brass Band, die sich auf eine orientalische Reise begeben hat.


Los geht's mit einem Dreierpack aus Spanien. Ja, genau, es geht diesmal auch wirklich um Flamenco. Die Ursprünge des Flamenco liegen im Dunkel.
Einige schreiben sie den Zigeunern zu, andere den Arabern, die dritten glauben darin urspanische Wurzeln zu finden. Auch ob erst der Tanz, die Gitarrenmusik oder der Gesang den Flamenco bestimmte ist unklar. Klar ist jedoch, das der Flamenco jenseits des Touristenkitsch eine überaus spannende Musikform ist. Mit dem Sänger Santiago Donday, dem Gitarristen Tomatito und der Gruppe Ojos de Brujo will ich Euch nun sozusagen die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Flamenco präsentieren.


Santiago Donday stammt aus einer legendären Flamenco-Familie aus der legendären Flamenco-Stadt Cadiz. Santiago Donday wurde 1932 geboren und ist in Spanien ein heimlicher Star. Die CD "Morrongo" ist jedoch seine erste Solo-Platte. Begleiten lässt er sich vom Gitarristen Paco Cepero, der wie Donday bisher wenig auf Platten zu hören war, aber ein ganz grosser Meister seines Faches ist. Ihn nur als Begleiter Dondays zu bezeichnen, wird seinem Gitarrenspiel eigentlich nicht gerecht. Das Duo Santiago Donday und Paco Cepero tragen in tief traditioneller Art die Lieder ihrer Vorfahren vor, Donday mit einer unnachahmlichen Stimme, Cepero mit einer virtousen Beherrschung des Gitarrenspiels.


Santiago Donday morrongo 5 5.09

Nuevos Medios 2003 Gema


Tomatito aguadulce 2 3.47

Universal 2004 LC 00699
www.universalmusic.es


Der musikalische Tribut, den der Flamenco-Gitarrist Tomatito im gerade gehörten Stück dem Jazz-Trompeter Miles Davis zollt, zeigt schon, dass Tomatito mehr spielt als nur traditionellen Flamenco. Auch Tomatito stammt aus einer Flamenco-Dynastie. Als der Flamenco-Sänger Camarón 1973 für ein Konzert kurzfristig einen Gitarristen brauchte, holte er sich an den damals gerade mal 15-jährigen Tomatito auf die Bühne. Fast 20 Jahre blieb Tomatito der Gitarrist von Camarón. Nach dessen Tot ging der Gitarrist neue Wege und erweiterte er sein musikalisches Vokabular um Elemente aus Latin Jazz, Rock, Blues, Bossa Nova und arabischer Musik. "Aguadulce" heisst das aktuelle Album von Tomatito. Für die Einspielung versammelte er die Crème de la crème der zeitgenössischen Flamenco-Szene um sich: unter anderem einige Mitglieder der Gruppe Ketama und sowie nicht zuletzt seine singende Tochter Mari Ángela.


Mit Ojos de Brujo geht's nun in die Zukunft des Flamencos. Die Band aus Barcelona mixt einen unwiderstehlichen Zaubertrank. "Ojos de Brujo" heisst schliesslich auch "Die Augen des Hexers". In einem Interview erklären sie:
"Das Geheimnis liegt in der richtigen Mischung. Vier Teile Flamenco auf je zwei Teile HipHop und Funk, dazu noch ein Teil Latinsounds und ein Teil Reggae." Mit ihrer CD "Bari" hatten sie Riesenerfolg und nun hat Panko, der DJ der Band die CD "Bari" nochmals durch seine Finger gehen lassen.
Spätestens mit diesem Remix-Album: "Bari - Remezclas de la Casa" jetzt müssten Ojos de Brujo auch ausserhalb der Weltmusikszene ihre Fans finden.


Ojos de Brujo 3 8.03

Farbica de Colores Gema
www.ojosdebrujo.com




Es gibt Experten, die vermuten, dass der Flamenco von den Zigeunern nach Spanien gebracht wurde. Wir wandern jetzt musikalisch in die Heimat der Zigeuner, auf den indischen Subkontinent. Aus Pakistan stammt die Qawwali- Musik, die Gesänge der islamischen Mystiker, der Sufis. Bekannt geworden sind die Qawwali-Gesänge hier im Westen vor allem durch Nusrat Fateh Ali Khan, der durch seine Zusammenarbeit mit Peter Gabriel und anderen Rock- und Pop-Grössen zum Botschafter der Qawwali wurde. Er hat den Weg geebnet für andere Sufi-Ensemble, die wie die Gruppe der zwei Sänger Asif Ali Khan Manzoor und Hussain Santoo Khan nun auch in Europa ihre Kunst zu Gehör bringen können. Die CD "Flight to the Soul" drückt schon im Titel aus, dass Qawwali-Musik Musik des Herzens ist. Neben Asif Ali Khan Manzoor und Hussain Santoo Khan ist auf der CD auch noch der traditionelle Altmeister Bahauddin Qutbuddin zu hören. Wer sich einlässt auf die mystischen Gesänge der Sufis kann mit ihrer Kunst in die eigene Seele fliegen.


V.A. flight to the soul - qawwali from pakistan 6 16.24

Wergo 2001 LC 06356
www.wergo.de


Nach diesem Abstecher in die heiligen Gesänge der pakistanischen Sufis mit Asif Ali Khan Manzoor und Hussain Santoo Khan und ihrem Ensemble nun in einem grossen Sprung nach Ostafrika, nach Kenia. Dort ist die junge Sängerin und Gitarristin Suzanna Owiyo nicht nur als Musikerin, sondern auch für ihr starkes soziales Engagement bekannt. Suzanna Owiyo singt ihre Texte in Englisch und Luo, der Sprache ihres Stammes. Musikalisch reichert sie ihre traditionellen und selbstkomponierten Lieder mit brasilianischen Sounds, Gitarrenfolk, Afrojazz und Dub an. Afropop für heisse Sommernächte.
"Mama Africa" heisst die Platte von Suzanna Owiyo.


Suzanna Owiyo mama africa 1 6.31

ARC 2004 LC 05111
www.arcmusic.co.uk




Anastácia Azevedo amahaiara 3 4.39

Piranha 2004 LC 07717
www.piranha.de


Brasilianische Musik aus Berlin bietet Anastásica Azevedo. Die Sängerin kam 1990 nach Berlin, um Gesang zu studieren. Zum Glück gründete sie nebenbei mit dem Gitarristen und Komponisten Zé Eugênio eine Band, die sich der Musik ihrer Heimat verschrieben hat. Doch spielt Anastácia nicht die rückwärtsgewandte Traditionalistin, sondern benutzt die Musik des brasilianischen Nordostens als Grundlage für ihre Ausflüge in Jazz und Pop.
Ihr zweite Platte heisst "Amahaiara" - zu deutsch Regen, den man sich nur wünschen kann, wenn es ganz, ganz lange sehr, sehr heiss ist: so wie die Musik von Anastásica Azevedo, deren Name auf der CD auch mit "Senhora da Chuva", die Dame, die den Regen bringt, angegeben wird.


Von Berlin via Brasilien nach New York. Dort begann vor 10 Jahren das Quartett Masada, die jüdische Musik, den Klezmer zu revolutionieren. Mit der Reihe "Masada - Zurück in die Zukunft des Klezmer" die musikalischen Entwicklungen von John Zorn, Dave Douglas, Greg Cohen und Joey Baron.


Masada seven - zayin 5 1.24

Tzadik 1996 LC 10584
www.tzadik.com


Masada mit dem Song "Bacharach" von ihrer siebenten Studioproduktion, die das hebräische Zahlwort für Sieben Zayin als Titel trägt. Aus den spärlichen Texten der CD lässt sich nicht erkennen, ob mit Bacharach der jüdische Komponist Burt Bacharach gemeint ist. Es ist jedoch schon eine Art Markenzeichen von John Zorn, dem musikalischen und konzeptionellen Kopf von Masada, mit Namen, Orten, Zahlen- und Wortspielen, mystischen und philosophischen Gedanken sowie Symbolen zu jonglieren. Nichts wird erklärt, alles muss für sich selbst sprechen, neue Kontexte erzeugen, Ideen reflektieren, Zusammenhänge aufzeigen, Klischees zertrümmern. Masada ist Meditation und Arbeit zugleich. Meditation über die Geschichte der Juden und Arbeit an der Gegenwart für eine Zukunft der jüdischen Kultur und damit auch der ganzen Menschheit. Schon der Name des Quartetts Masada steckt voller Geschichte. Masada heisst ein Berg mit einer Burg am Rande der judäischen Wüste, der eine grosse Bedeutung in der jüdischen Geschichte hat. Im ersten Jahrhundert unserer Zeit war die Burg der letzte Zufluchtsort der von den Römern okkupierten Juden. Als es dem römischen Feldherr Flavius Silva gelang, die Burg zu stürmen, töten sich die 960 Juden, darunter Frauen und Kinder selbst. Seither ist Masada ein Symbol für den Freiheitsdrang der Juden. Und diese ist die Art, wie John Zorn mit seiner Band, seinem Plattenlabel und seinen Veröffentlichungen mit seiner Herkunft umgeht. Von der gleichen Platte, von Masada Sieben - Zayin der Titel Shevet. Mehr aus der Rubrik: "Masada - zurück in die Zukunft des Klezmer" in der nächsten Sendung.


Masada seven - zayin 1 7.58


Schon wieder ist die Zeit für die Verleihung des Goldenen Orsino. Der geht heute an die Express Brass Band für ihre Produktion "Oriental Journey".


Express Brass Band oriental journey 09 9.58

Trikont 2004 LC 04270
www.trikont.de


Wer hätte geahnt, dass es in Edmund Stoibers Landeshauptstadt München eine Blaskapelle geben kann, die das Zeug hätte, das Oktoberfest zeitgleich verwandeln kann in arabischen Basar, eine Balkanhochzeit, ein Derwischtreffen und eine fitzgeraldische Opernaufführung am Amazons. Wie die Express Brass Band dies schafft? Zum einem mit einer Besetzung aus sage und schreibe 26 Musikern, die hauptsächlich Blechbläser und Perkussionisten sind. Das dies diesen musikalischen Tausendsassas nicht genug für ihr Debüt- Album erschien, holten sie sich noch Gäste hinzu. Deren Spektrum von Soul, Jazz, afrikanischen und osteuropäischen Einflüssen bis hin zu arabisch angehauchtem Dub, klassischem Piano aus Aserbeidschan und ungarischem Operngesang reicht. In dieser wilden Mischung wandert die Express Brass Band auf der Produktion "Oriental Journey" quer durch Stile und Zeiten, dass es nur so eine Wonne ist. Klar dass es für diese Produktion, die uns Weltmusik im wahrsten Sinn des Wortes den Goldenen Orsino gibt.

Die Express Brass Band begleitet uns mit ihrer "oriental journey" aus der Sendung und damit sage ich auch schon wieder adé. Mehr Infos zu den Platte und Musikern die in der vergangenen Stunde gespielt wurden im Internet unter www.querfunk.de. Dort klickt Euch durch zu Orsinos Lied. Orsino sagt nun wirklich tschüss und erinnert Euch daran: Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen.


Express Brass Band oriental journey 11 + 12 1.29+3.37