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QUERFUNK 104,8 MHz
Freies Radio Karlsruhe |
Orsinos Lied 09.05.2004 13 Uhr
Studio 0721 / 38 50 30 |
Redaktion & Moderation: Roland Altenburger
www.querfunk.de/sendungen/orsino
kontakt: orsino@querfunk.de
Orsino-Jingle
Da die Musik die Nahrung der Liebe ist, möchte ich Euch verwöhnen mit musikalischen Liebesspeisen aus aller Welt. Herzlich willkommen zur Weltmusiksendung bei Querfunk, herzlich Willkommen zur Orsinos Lied.
Herzlich Willkommen sagt Orsino.
Wild zusammengemixt und geschmacksintensiv geht's heute zu bei Orsinos Lied. Karibisches und Armenisches steht genauso auf dem Speiseplan wie Ägyptisches und Japanisches. "Masada" entführt uns wieder wie zurück in die Zukunft des Klezmer und der Goldene Orsino geht an Sainkho Namtchylak für ihre Platte "who stole the sky?" Viel Musik steht auf meinem Plan, also will ich mich heute kurz halten.
Los geht mit einem Lobgesang auf das junge Südafrika, das gerade friedlich seine dritten demokratischen Wahlen abgehalten hat. Kwaito heisst die Musik des jungen Südafrika. Hip-Hop mischt sich mit Afro-Pop mischt sich mit Jazz mischt sich mit Reggae mischt sich mit allem, was Jugendliche in Südafrika hören. Und "Mzansi Music - young urban south africa" hiesst eine wunderbare Platte, die wie eine Schatztruhe, diese hier in Europa völlig unbekannte Musik des jungen Südafrikas vorstellt. Mal glitzert es bekannt, mal funkelt es geheimnisvoll. Doch immer ist es ein kraftvolles Strahlen, das im Hintergrund für das neuerlangte Selbstbewustsein der südafrikanischen Jungendlichen steht. In 15 Songs geht es mit Brown Dash, Revolution oder Brothers of Peace in einer wilde Fahrt durch die Clubs. Mein absoluter Favorit auf "Mzansi Music" ist der Song von Mzekezeke. Seine Markenzeichen ist eine Maske, die er immer bei öffentlichen Auftritten trägt. Seine komischen Imitationen des durchschnittlichen Townshipbewohners, der nur gebrochen Englisch spricht, haben Mzekezeke Kultstatus verliehen. Selbst Präsident Mbeki ist ein Verehrer von Mzekezeke.
V. A. mzansi music 7 5.37
Trikont 2004 LC 04270
www.trikont.de
Oidupaa Vladimir Oiun divine music from a jail 5 2.43
Friends Recrods 1999 Gema
Izaline Calister krioyo 4 3.56
Network 2004 LC 06759
www.networkmedien.de
Gänzehautballaden aus der Karibik von Izaline Calister. Die junge Sängerin stammt von den Antillen, von Curacao und hat soeben ein bezauberndes und abwechslungsreiches neues Album veröffentlicht. Izaline Calister lebt seit Jahren in Holland und ist hierzuland vor allem als Sängerin von Pili Pili und den Dissidenten bekannt. Diese zwei Weltmusikbands haben Izaline auch die Rüstzeug gegeben, um auf "Krioyo" die Lieder ihrer karibischen Heimat mit den Zutaten aus verschiedensten Kulturen zu mischen. Es liegt damit auch auf der Hand, dass sich Izaline von einer Band begleiten lässt, die sich aus 11 internationalen Musikern zusammensetzt. Gerade zu hören an der Gitarre Ulrich de Jesus, der die Queen des Antillenjazz gefühlvoll begleitete.
Zuvor traurig schöne Lieder aus einem sibirischen Zuchhaus. Über Oidupaa Vladimir Oiun ist momentan leider nicht viel zu erfahren, ausser das er aus Tuva in Zentralasien stammt. Seine Platte "Divine music from a jail" strahlt einen derart rauhen Charme aus, dass ich mir kalt den Rücken runter läuft. Oidupaa Vladimir Oiun singt einige Lieder im traditionellen Stil der tuvenischen Obertonsänger. Die Platte klingt wirklich so, wie in einem sibirischen Gefängnis aufgenommen. Kahl, einsam, verzeifelt und doch mit der Hoffnung auf das Gute im Menschen.
Von Sibirien nach New York. Anton Fier ist fest in der dortigen Jazz- und Avantgarde-Szene verwurzelt. Der Schlagzeuger und Sample-Meister ist unter anderem Gründungsmitglied der Lounge Lizzards und der Golden Palominos.
Doch arbeitet Fier nicht nur mit Jazzmusikern zusammen, sondern ist auch immer wieder in Projekten zu finden, die Weltmusik im weitesten Sinne sind.
Die Doppel-CD "dreamspeed/blind light" ist die Wiederveröffentlichung von zwei Platten, die Anton Fier unter andern auch mit der japanischen Sängerin Phew und dem senegalesischen Perkussionisten Aiyb Dieng produziert hat.
Ausserdem mit dabei der musikalische Weltenbummler Bill Laswell am Bass und Funkgitarrist Bootsy Collins. Musik des globalen Dorfes und dazu ehrlich wie eine New Yorker Kneipe gegen 4 Uhr morgens. Anton Fier: Musik wie ein Rausch!
Anton Fier dreamspeed/blind light I/3 4.46
Tzadik 2003 LC 10584
www.tzadik.com
Nazareth Orchestra oum koltoom - the anniversary tribute 2 4.41
Magda Music 2003 Gema
www.magda.co.il
Die Sängerin Lubna Salame feiert mit dem Nazareth Orchestra den 100 Geburtstag von Oum Kolthoom. Für die arabische Musik ist Oum so wichtig wie Maria Callas und Elvis Presley zusammen für die westliche Musik. Von ihr heisst es: Abgesehen von Allah ist Oum Kolthoom das wohl das Einzige, bei dem alle Araber der gleichen Meinung sind. Geboren 1904 im Süden Ägypthens als Tochter eines Muezzins entwickelte sie sich erst langsam zu einem Star.
Denn ihre langen, tiefreligiösen Lieder waren auch für Araber nicht immer leicht zu verdauen. Im Alter von 71 Jahren starb Oum Kolthoom jedoch als der grösste arabische Superstar aller Zeiten. Für das Nazarth Orchestra und seine Sängerin Lubna Salame ist es natürlich schwer, gegen das Idol anzuspielen. Doch finden sie einen eigenen Weg, ihre Verehrung in Musik umzuwandeln. Lubna Salame stammt aus Haifa und gilt als aufstrebender Star der klassischen arabischen Musik. Das Nazarth Orchestra arbeitet seit seiner Gründung im Jahr 1990 mit arabischen, jüdischen und muslemischen Musikern zusammen. Es könnte für die Politiker des Nahen Ostens ein Beispiel dafür sein, wie man trotz unterschiedlicher Kulturen friedlich miteinander leben kann. Die Produktion mit Lubna Salame nennt sich schlicht "Oum Kolthoom - The Anniversary Tribute".
So schwierig es ist, Oum Kaltum zu interpretieren, so schwierig ist es auch, Tango im traditionellem Sinne zu spielen, ohne verstaubt und todlangweilig zu klingen. Dem Duo Tango Immortale aus Berlin ist es auf ihrer Platte "Lisboa" jedoch gelungen, ihrer Musik atmen, schmachten, jauchzen, weinen zu lassen, dass es ein Lust ist. Sissy Schmidhuber ist Mitglied der Münchner Philharmoniert und spielt das Cello. Peter Ludwig komponiert unter anderem Ballett- und Filmmusiken und spielt in verschiedenen Formationen Klavier. Auch bei Tango Immortale hat er sich als Pianist und Komponist hervorgetan. Die CD "Lisboa" ist ungewöhnlich und im engeren Sinne keine Tango-Platte, aber genau das macht den besonderen Reiz dieser Produktion aus.
Tango Immortale lisboa 9 5.20
Oriente 2004 LC 03592
www.p-ludwig.de
Kady Diarra dianako 7 4.17
Playasound 2004 LC 08191
www.playasound.com
Kady Diarra. Endlich wieder ein neue begeisternde Stimme aus Burkina Faso.
Das kleine westafrikanische Land am Südrand der Sahara ist die kleine unscheinbare Schwester unter den afrikanische Superstars produzierenden Nachbarländern. Doch Kady Diarra hat eine Stimme, die gegen Wüstenstürme ansingen kann. Traditionell begleitet von Balafon und Djembé ist es jedoch nicht ganz leicht, gegen die Afrika-Klischees von wilder Trommelmusik den einzigartigen Gesang von Kady Diarra herauszuhören. Kady Diarra stammt aus einer Griot-Familie, also aus einem Musikerclan, dem es in Afrika seit Jahrhunderten eine Aufgabe ist, die Geschichte des eigenen Volkes weiterzugeben und das aktuelle Tagesgeschehen zu kommentieren. Als junge Frau aus einer Griot-Familie nimmt sich Kady Diarra das Recht, auf die schlechte Situation der Frauen in der afrikanischen Gesellschaft einzugehen. Wer sich auf ihre Platte "Dianako" einlässt wird belohnt mit der Entdeckung einer jungen Sängerin mit einer warmen, abwechslungsreichen Stimme und einer politischen Mission.
So unbekannt die Musik Burkina Faso ist die Musik von Armenien. Neben Djivan Gasparyan und Richard Hagopian ist nur noch Arto Tunçboyaciyan im Westen bekannt. Und letzterer, Arto Tunçboyaciyan, hat eine neue Gruppe, die Armenian Navy Band, gegründet. Elf junge und weltoffene Musiker haben sich um den musikalischen Tausendsassa Tunçboyaciyan gescharrt. So seltsam der Name der Truppe, Armenian Navy Band, anmutet, so spannend ist die Musik der Gruppe. Traditionelle Folkinstrumenten wie Duduk, Kemanche oder Kanun verbinden sich mit Posaune, Saxophon, Schlagzeug und Keyboard. Das Album "Sound of Our Life - Part One: Natural Seeds" ist eine fast 50-minütige Komposition in elf Teilen und verbindet türkische und armenischer Musik, Jazz und Rock. Dazu holte sich Arto Tunçboyaciyan gleich noch acht zusätzliche Streicher und zwei Sänger und drei Sängerinnen ist Studio.
"Sound of Our Life - Part One: Natural Seeds" hat also schon fast symphonische Dimensionen.
Armenian Navy Band sound of our life 9 4.39
Heaven & Earth 2004 LC 01623
www.albakultur.de/label
Bugge Wesseltoft film ing 4
Jazzland 2004 LC 00699
www.
jazzlandrec.com
Vor 9 Jahren begann der Pianist Bugge Wesseltoft mit seiner neuen Konzeption von Jazz, die musikalische Szene seiner norwegischen Heimat aufzumischen. Die Grenzen hat Bugge dabei von Anfang an überschritten und den Jazz-Begriff sehr weit ausgelegt. Seine aktuelle Platte "Film ing" hat er nicht nur mit Kollegen aus der jungen, innovativen Jazzszene eingespielt, sondern sich unter anderem auch den "Electric Sufi" Dhafer Youssef ins Studio geladen. Schon auf Dhafers letzter Platte "Digital Prophecy" haben die zwei einen neuen Worldjazz kreiert. Von Bugge Weseltoft ist wohl noch viel Spannendes aus den Grenzbereichen zwischen Jazz und Weltmusik zu erwarten.
"Masada - Zurück in die Zukunft". Einiges ist schon erzählt worden, zu diesem einzigartigen Projekt, in dem jüdische Musiker aus New York Klezmer- Musik, Jazz und Avantgarde verbinden. Der Saxophonist John Zorn ist der musikalische und organisatorischen Kopf dieses Projektes. Gemeinsam mit dem Trompeter Dave Douglas, Greg Cohen am Bass und dem Schlagzeuger Joey Baron hat Zorn als Kern alles Veröffentlichungen das sogenannte Masada-Songbook auf zehn Studioplatten eingespielt. Sie sind in der Reihenfolge der hebräischen Zahlen betitele und Platte Nummer Vier heisst "Dalet". Leider hat "Dalet" nur drei Songs mit einer Gesamtlänge von knapp 19 Minuten.
Trotzdem ist es für mich eine der besten Platten von Masada. Denn hier lässt sich sehr genau hören, was Masada mit ihrem Versuch meinen, eine neue, zeitgemässe Klezmer-Musik zu schaffen. Motive jüdische Lieder werden in ein moderen Gewand gekleidet, dass jungen Juden von heute ein neues, nach vorn gerichtetes Selbstbewustsein geben kann. "Dalet" ist sozusagen die kleine Einstiegsdroge für den musikalischen Rausch genannt "Masada"
Masada dalet 2 8.19
Tzadik 1994 LC 10584
www.tzadik.com
Der Goldene Orsino. Diese Auszeichung für eine CD-Produktion, die kulturelle Grenzen überschreitet und wirklich den Titel Weltmusik verdient, geht heute an Sainkho Namtchylak für ihre jüngstes Werk "Who Stole The Sky".
Sainkho Namtchylak who stole the sky 3 6.15
Ponderosa 2004 Gema
www. ponderosa.it
Sainkho Namtchylak stammt aus Tuva, dem südsibirischen Land an der Grenze zur Mongolei, das mit seinen Obertongesängen weltberühmt geworden ist.
Sainkho ist die einzige Frau, die den Kehlkopfgesang der Tuvenen ausübt.
Seit Jahren wandelt Sainkho Namtchylak an der Grenzen zwischen tuvenische Volksmusik, Jazz und Avantgarde. Auf "Who Stole The Sky" verblüfft sie diesmal durch eine Annäherung an das elektronische Lager. Auch in ihre Heimat hat die weltweite Vernetzung bereits hingefunden, und die daraus entstehenden Entwicklungen faszinieren und inspirieren Sainkho gleichermaßen. Es gibt CDs, die legst Du ein und dann macht es in deinem Hirn: Zack. Eine Musik, ein Sound, eine Stimme, bei der Du denkst: genau das habe ich die ganze Zeit gespürt und nun kann ich es hören. Ein grauer Vorhang wird zur Seite gezogen und eine bunte, neue Welt tut sich auf.
Genauso ist mit "who stole the sky" von Sainkho Namtchylak. Eingespielt hat die Ausnahmesängerin, die in tuvenisch, russisch und englisch singt, das Album mit acht internationalen Musikern, so dass diese Platte auch in dieser Hinsicht das Prädikat "Weltmusik" im besten Wortsinne tragen darf.
Ich sage damit auch schon wieder Ade. Mehr Infos zu den Platten und Musikern im Internet unter www.querfunk.de. Tschüss sagt Orsino und denkt daran: Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen.
Sainkho Namtchylak who stole the sky 10 5.04