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Orsinos Lied 11.04.2004

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Redaktion & Moderation: Roland Altenburger

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Orsino-Jingle


Die Nahrung der Liebe ist die Musik. Und da es in dieser Welt an nichts mehr mangelt, als an Liebe, möchte ich Euch eine musikalisches Mahl mit Zutaten aus aller Welt servieren.

Herzlich Willkommen zur Weltmusiksendung beim Querfunk, herzlich Willkommen zu Orsinos Lied, herzlich Willkommen sagt Orsino.

Auf dem musikalischen Speiseplan heute drei grosse Hauptspeisen aus Arabien, Indien und Südamerika. "Masada" entführt uns zurück in die Zukunft der Klezmermusik und der Goldene Orsino geht an die tatarische Sängerin Zulya für ihre Platte "Elusive".

Geht es in den moderen Hochglanzblättern des Life-Style um die Türkei, da ist in der Rubrik "Nightlife in Istanbul" immer wieder ein Name zu lesen:
DJ Mercan Dede alias Arkin Allen. Dabei gehört Mercan Dede nicht zu der Sorte Plattenaufleger, die wahllos zwischen Florida, Ibiza und Sidney hin- und herjeten, um immer dem letzten Trend nachzufliegen. Mercan Dede liebt zwar die harten Technobeats der Raver-Generation, doch genauso begeistert er sich für die vergeistigte Musik der islamischen Mystiker, der Sufis. So muss es nicht verwundern, das Mercan Deda die einfache Rohrflöte Ney mit elektronischen Sounds mischt. Zudem kommen als echte Instrumente auf seiner dritten Platte "Seyahatname" unter anderem noch Elektrovioline, Didgeridoo oder Klarinette hinzu, gespielt von 11 internationalen Musikern. "Derwisch der modernen Welt", so soll eine türkische Tageszeitung Mercan Dede bezeichnet haben. Und dies triffts ziemlich gut, finde ich.


Mercan Dede seyahatname 7 7.18

Rh Pozitif Müzik 2001 Gema
www.doublemoon.com

Vinicius Cantuaria horse and fish 1 9.24

Rykodisk 2004 Gema
www.vinicius.com


Vinicius Cantuaria. Obwohl der brasilianische Sänger, Komponist, Gitarrist und Schlagzeuger seine 11 Platte veröffentlicht hat, ist Vinisius Cantuaria hierzulande noch immer fast ein Unbekannter. Dies verwundert um so mehr als Cantuaria auch auf Platten von Stars wie Laurie Anderson, Brian Eno, Angélique Kidjo, Bill Frisell, Arto Lindsay, Jun Miyake oder Caetano Veloso zu hören ist. Vinicius Cantuarias Musik ist der Bossa Nova, doch schon die gerade genannte Namensliste macht wohl klar, das die Musik von Cantuarias weit über die Grenzen des Bossa hinausreicht. "Horse and Fish" heisst die aktuelle Platte von Vinicius Cantuaria. Seit Tagen schaffe ich es nicht , diese Platte aus dem CD-Player zu nehmen. Sie läuft und läuft und läuft und ich kann einfach nicht genug davon bekommen.


Und wenn sie dann mal raus muss, dann um einer andere CD Platz zu machen.
"As night falls on the silk road" ist diese andere Scheibe. Das Duo Ghazal sind der Perser Kayhan Kalhor und der Inder Shujaat Husain Khan. Vor ziemlich genau einem Jahr bekam ich die erste Live-Platte von Ghazal zu hören. "The Rain" war der Live-Mitschnitt eines Konzertes in der Schweiz und sozusagen bisherige Endpunkt der "Silk Road"-Reihe des Duos. Zuvor hatten Ghazal auf drei Platten ihre eigene Art entwickelt, über indischen und persischen Themen zu improvisieren. Kayhan Kalhor stammt aus der iranischen Hauptstadt Teheran und spielt die Kamanche, eine arabisch- asiatische Geige. Shujaat Husain Khan gehört einer uralten indischen Musiker-Dynastie an und ist Virtuose auf der Sitar, jenem Instrument, das Ravi Shankar im Westen bekannt gemacht hat. Ghazal machen Musik, die mir Tief ins Herz dringt. Und weil dies so ist, jetzt ein Stück, in dem Ihr 15 Minuten lang versinkten könnte. Ghazal - "As night falls on the silk road".


Ghazal as night falls on the silk road 1 15.10

Shanachie 2002 Gema
www.heartheworld.org


"Masada - Zurück in die Zukunft". Nun gilt es bei Orsinos Lied wieder das 10-jährige Bestehen des New Yorker Klezmer-Projekt Masada zu feiern.
Klezmer ist nicht nur die Musik der osteuropäischen Juden. Klezmer ist auch nicht nur der Mix dieser Musik mit dem us-amerikanischen Jazz um 1900, Klezmer ist genauso wenig der verkitschte Sound des späten Giora Feidmans.
Klezmer, wie in Masada spielen, ist jüdische Musik von heute für Menschen von heute. Jiddische Tradition mischt sich bei Masada mit Freejazz, der Musik des mittlern Ostens und der zeitgenössischen Avantgarde. Die zehn Studioplatte von Masada sind hebräisch durchnummeriert. Im hebräischen heisst Drei: Gimel. So heisst die dritte Platte von Masada: Gimel.


Masada three - gimel 1 9.17

Tzadik 1994 LC 10584
www.tzadik.com


Wer von Masada redet, kommt an der "Radikal Jewish Culture" nicht vorbei.
1992 initiierte John Zorn 1992 in München das erst sogenannte "Radical New Jewish Culture"-Festvial. Im Programmheft des Konzertes veröffentlichte Zorn das Manifest der radikalen neuen jüdische Kultur. Darin sucht Zorn nach einer eigenen jüdischen Kultur, die sich nicht nur durch Nichtzugehörigkeit definiert. Jüdischsein als Fragestellung. Das Projekt Masada und Zorn Plattenfirma Tzadik wurden kurz Zeit später Inbegriff dieser Suche nach einer neuen jüdischen Identität. Ein Jahr nach dem Münchner Manifest gaben Masada noch vor der Veröffentlichung der erste Studioplatte ihr erstes Konzert. Dieses ist auf der CD "First Live 1993" veröffentlicht. Schon bei diesen ersten Auftritt ist all dies zu hören, was später Masada Magic - die Magie von Masada genannt wird.


Masada first live 4 5.00

Tzadik 2002 LC 10584
www.tzadik.com


Der Goldene Orsino. Diese Auszeichnung für eine Platte, die wirklich die Bezeichnung Weltmusik verdient, geht heute an Zulya.


Zulya elusive 3 4.40

Westpark 2004 LC 07535
www.westparkmusic.com


Zulya, die tatarische Sängerin lebt in Australien ist jedoch ihrer zentralasiatischen Heimat musikalisch immer treu geblieben. Ihr Musikstil spiegelt das Aufeinandertreffen von Ost und West wider, das seit jeher das Schicksal des tatarischen Volkes bestimmte. Dazu kommt ihre Vorliebe, je nach Bedarf Elemente anderer musikalischer Kulturen zu integrieren und auch solch ungleiche Instrumente wie das Didgeridoo, das Flügelhorn, das Akkordeon oder die indische Tabla einzusetzen. Zulya wurde in der Wolga- Region Zentralrusslands geboren. Mit neun hatte sie bereits mit tatarischen und russischen Liedern erste Auftritte. Später studierte sie Musik und Sprachen und wanderte schliesslich 1991 nach Australien aus. "Elusive" heisst die dritte Platte, mit der sich Zulya und ihre 14-köpfige Band nun würdig in die Reihe der Preisträger des Goldenen Orsino einreihen kann.


Für mich heisst es nun auch schon wieder Abschied nehmen. Mehr Infos zu den Musiken und Künstlern im Internet unter www.querfunk.de.

Tschüss sagt Orsino und denkt daran: Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen.


Zulya elusive 6 3.33