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QUERFUNK 104,8 MHz
Freies Radio Karlsruhe |
Orsinos Lied 14.03.2004 13 Uhr
Studio 0721 / 38 50 30 |
Redaktion & Moderation: Roland Altenburger
www.querfunk.de/sendungen/orsino
kontakt: orsino@querfunk.de
Orsino-Jingle
Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, will ich Euch verwöhnen mit einem opulenten Mahl und Zutaten aus aller Welt!
Herzlich Willkommen bei der Weltmusiksendung im Querfunk, herzlich Willkommen zu "Orsinos Lied", herzlich Willkommen sagt Orsino.
Heute möchte ich Euch wieder ein Menü servieren, was so ganz nach meinem Geschmack ist: die musikalischen Köstlichkeiten kommen unter anderem aus Russland und Argentinien, aus Japan und Griechenland, aus dem Senegal und Vietnam. Masada führt uns zurück in die Zukunft des Klezmer und der Goldene Orsino geht an Bill Frisell für seine Platte "The Intercontinenals".
Und gleich zu Beginn möchte ich Euch in einen Harem entführen. Besser gesagt nicht ich, sondern Gülbahar Kültür verrät auf einer wunderbarem Doppel-CD die Geheimnisse des Harems. In der Club-Szene ist die in der Türkei geborenen und in Bremen lebende Journalistin und Dichterin als DJ Poesia bekannt. Was ihre CD "Harem´s Secret" von die vielen anderen Produktionen dieser Art auszeichnet, ist die gefühlvolle und breitgefächterte Zusammenstellung der insgesamt 32 Songs. Die vorgestellten Musiker haben ihre Wurzeln dabei nicht nur im Orient wie Sapho oder Natascha Atlas. sondern auch in Ungarn wie das Anima Sound System oder in Vietnam, wie Huong Thanh. Auch reicht die musikalische Bandbreite von klassisch mit dem Ensemble Sarband bis zu bestem New Yorker Ambient Dub vom Samsara Sound System. Mit letzteren sollt nun auch ihr einen Geschmack von "Harem´s Secret" bekommen. Gülbahar Kültür sei Dank für diese wunderbar Doppel-CD.
V.A. harem`s secret I 15 4.08
Soulstar 2004 LC 00877
www.soulstarrecords.com
Warner Williams blues highway 13 2.05
Smithsonian Folkways 2004 LC 09628
www.si.edu/folkways
Wolfgang Meyering malbrook 1 3.02
Westpark 2004 LC 07535
www.westparkmusic.com
Norddeutsch-skandinavischer Power-Folk bietet Wolfgang Meyering mit seinem Projekt "Malbrook". Die Idee dazu entstand auf einer Reise durch das schwedisch-norwegische Grenzgebiet. Dort fielen Wolfgang Meyering die Gemeinsamkeiten der schwedischen Sprache mit der seiner niederdeutschen Heimat. Neben der Sprache gab es auch in kulturellen Bereichen wie der Musik im Spätmittelalter einen regen Austausch. So pendeln auch Wolfgang Meyering und seine 15 deutschen und schwedischen Mitstreiter auf "Malbrook" lustvoll zwischen den Stilen und Kulturen.
Zuvor nicht minder lustvoll vorgetragener Blues and Country von Warner Williams. Ich kann mich fast nicht mehr daran erinnern, dass mir eine Blues- Platte so viel Spass gemacht hat, wie "Blues Highway". Dabei sind Warner Williams nur schlicht zu seinem Gitarrenspiel und wird nur ab und an von Jay Summerour an der Mundharmonika gegleitet. Aber wie der 1995 schon 65- jährige Warner Williams seine Piedmont-Blues von der Ostküste vorträgt, dies ist schlichtweg einzigartig.
Im Frühling ist Griechenland am schönsten. Was passt also besser als den zögerlich beginnenden deutschen Frühling mit Musik von Kontrabando zu begrüssen. Kontrabando sind 7 vorwiegend junge Musiker, die einen neuen griechische Musik entwickeln wollen.
Sie nehmen das traditionelle Liedgut ihrer Heimat und reichern es mit Zutaten vom Balkan und aus dem Orient an. Das ganze jedoch nur mit akustischen Instrumenten und ohne Schnick-Schnack. Neue mediterrane Küche, abwechslungsreich und bestens bekömmlich. Diese wunderbare Platte von Kontrabando heisst "Cargo".
Kontrabando cargo 10 3.00
Libra Music 2004 Gema
www.kontrabando.gr
Aki & Kuniko ha 3.16
Acoustic Music 2004 LC 07103
www.acoustic- music.de
Akustische Weltmusik aus Japan. So könnten die Songs von Aki und Kuniko kurz auf einen Nenner gebracht werden. Aki spielt Akustikgitarre. In Japan zählt er zu den innovativsten Meistern seines Fachs und ist auch schon mit internationalen Gitarren-Grössen wie Tim Sparks oder Peter Finger aufgetreten. Die Gitarre ist zwar auch in Japan sehr beliebt, gehört jedoch nicht zu den traditionellen Instrumenten. Die Zither Koto jedoch schon. Und Kuniko ist eine Virtuosin der Koto. Seit ihrem dritten Lebensjahr spielt Kuniko die Koto und hat sich mit diesem Instrument mittlerweile auch universitären Titel geholt. Sie kümmert sich um die Bewahrung der japanischen Koto-Tradition ebenso wie um die Erforschung neuer Klangfarben.
Kuniko und Kuniko verbinden auf ihrer Platte "Ha" traditionelle japanische Klänge und Avantgarde auf vorsichtige und leise Art miteinander.
Von Japan nach Russland. In Sankt Petersburg ist Oleg Kostrow eine fester Bestandteil der modernen Kulturszene. Zum einen ist er ein Teil des mittlerweile auch in Deutschland bekannten Duos "Messer für Frau Müller", zum anderen macht Oleg Kostrow durch seinen viele Theater- & Performance- Projekte auf sich aufmerksam. Rund ein halbes Dutzende Solo-Platten sprechen zudem von der Kreativität des Künstlers. Ein dieser Platten von Oleg Kostrow nennt sich "Lego for 4" und schillert wie ein musikalisches Panoptikum aus dem Kinderzimmer. Mit der Unterstützung unter anderem von Oleg Gitarkin, seinem "Messer für Frau Müller"-Duo-Partner und vier weiteren Musikerkollegen schuf er einen Comic-Soundtrack par excellence.
Oleg Kostrow!
Oleg Kostrow lego for 4 8 2.40
Solnze Records 2003 Freibank/Stora
www.kostrow.com
Teofilo Chantre azulando 4 4.00
Tropical Music 2004 LC 09078
www.tropical- music.com
Obwohl sie weltweit immer bekannt wird und immer öfters zu hören ist, hat die kapverdische Musik nichts von ihrem Reiz verloren. Und obwohl Cesaria Evora als die Inkarnation der Musik dieser kleinen Inselgruppe links von Afrika gilt, wäre Cesaria keine Superstar, hätte nicht ein gewisser Teofilo Chantre ihr dazu verholfen. Der Komponist, Arrangeur, Dichter und Gitarrist Teofilo Chantre hat viele der Hits von Cesaria veröffentlicht. Er kann - und scheint`s auch will - sich nicht vom Schatten der Diva trennen. So verwundert es nicht, dass Cesaria auch wieder auf seinem aktuellen Solo- Album "Azulando" zu hören ist. Teofilo Chantre hat sich jedoch noch andere Musiker aus aller Welt ins Studio geholt. Unter anderem den angolanischen Sänger Bonga, den französischen Akkordeonisten Jacky Fourniret und den vietnamesischen Geiger Kim Dan Le Oc Mach. Chantre bietet also nicht traditionelle kapverdische Musik, sondern seine eigenen weltläufigen Erweiterungen.
Viel in der Welt herumgekommen ist auch Huong Thanh. Die in Paris lebende Vietnamesin pendelt zwischen der Tradition ihrer Heimat, Jazz und Klassik.
Dabei entwickelte Huong Thanh ihrer eigen musikalische Sprache, die nun auf ihrer dritte Solo-CD "Mangustao" voll zur Ausprägung kommt. Zur Seite stehen Huong Thanh dabei unter anderem der vietnamesische Gitarrist Nguyen Le, der italienische Trompeter Paolo Fresu und der tunesische Oud-Spieler Dhafer Youssef. Es ist eine internationale Crew mit der Huong Thanh eine in vielfältigesten Farben schillernde Produktion eingespielt hat. So bekommt das Wort Weltmusik seinen eigentlichen Sinn!
Huong Thanh mangustao 8 4.57
ACT 2004 LC 07644
www.actmusic.com
Sandra Luna tango varón 13 2.14
World Connection LC 10236
www.sandraluna.net
Ihre Stimme ist unwiderstehlich, wenn sie beim Tango auf den Pathos verzichtet und einfach "nur" singt: Sandra Luna. Die junge argentinische Sängerin aus Buenos Aires hat mit "Tango Varón" ein tief beeindruckendes internationales Debüt-Album veröffentlicht. Klar gibt es auf der Platte von Sandra Luna den Tango-Schmelz der Kronleuchter und der Seidenkleider. Doch eben auch Lieder einer jungen Frau, die mit dem Tango gross geworden ist, und ihn zu ihrer eigenen Sprache umgewandelt hat.
Nicht nur in Argentinien ist der Tango zu Hause. Auch im kalten Finnland hat er eine Heimat gefunden. Das Tango-Orkesteri Unto ist eine von ungezählten finnischen Ensembles, die der Leidenschaft und der Erotik des Tangos verfallen sind. Trotzdem ist das Tango-Orkesteri Unto anders. Zum einen durch die in Jazz und E-Musik beheimatete Sängerin Pirjo Aittomätti.
Durch ihrer geschulte Technik hebt sie den Gesangspart in eine andere Qualitätsstufe und zieht mit vier Instrumentalisten den finnischen Tango in eine andere Dimension. Zum anderen wird das Tango-Orkesteri Unto von der Maria Kalaniemi unterstützt. Sie ist nicht nur in Finnland, sondern weltweit eine der herausragendsten Akkordeon-Spielerinnen und Mitglied des legendären Accordion Tribe. Auf der CD "Finnish Tango" des Tango-Orkesteri Unto sind hauptsächlich Tangos von finnischen Komponisten zu hören, die ihren ganz eigenen Charme versprühen.
Tango-Orkesteri Unto finnish tango 14 3.20
ARC Music 2003 LC 05111
www.
musicfinland.com/unto
V.A. flowers in the wildwood 22
Trikont 2003 LC 04270
www.trikont.de
Vor vier Jahren überraschte ein sensationeller Verkaufserfolg die Musikwelt - der Soundtrack zum Film der Coen-Brüder - "O Brother Where Art Thou?".
Wunderbare alte, einfache Songs aus der Frühzeit von Country, Blue-Grass und Hillbilly werden im Jahr 2000 zum Hit. Wo aber waren die "Sisters" der frühen Countrymusik? Auf der CD "Flowers of the Wildwood" sind sie zu finden. Der Untertitel "Women in early country music - Frauen in der frühen Country Musik" sagt, worum es geht: um die Anfangszeiten des kommerziellen Country von 1923 bis 1939. Ich habe eine Schwäche für solche CDs, die alte Schellack mit den Wurzeln der heutigen Weltmusik zu Gehör bringen. In 25 Songs kommen die weiblichen Pioniere des Genres zu Wort, die sich nicht selten gegen harten Widerstand der Männerwelt durchsetzen mußten. Mit dabei unter anderem die Aaron Sisters, Patsy Montana und das Dou Samantha Bumgarner & Eva Davis. Letztere waren gerade in einer Aufnahme aus dem Jahr 1924 zu hören.
Völlig am Puls der Gegenwart ist das Trio Daara J. Die drei Senegalesen haben es mit ihrer Hip-Hop-Platte "Boomerang" auf Platz 1 der europäischen Weltmusikcharts gebracht. Ihre CD ist abwechslungsreich, spannend und durchaus afrikanische, nicht nur die übliche Kopie des US-amerikanischen Hip Hops. Als Gastmusiker sind unter anderem Rokia Traoré und Sergent Garcia vertreten. Daara J ist nur die edle Spitze des Eisbergs, denn in Westafrika gibt es mittlerweile einen Hip Hop - Boom und Hunderte von Bands.
Daara J boomerang 1 4.02
Wrasse Records 2003 Gema
www.wrasserecords.com
"Masada - Zurück in die Zukunft". Mit dieser kleinen Reihe feiert Orsinos Lied das 10-jährige Bestehen des Musikprojekts Masada. Masada ist heute schon eine Art Synonym für neue jüdische Musik aus New York. Der Initiator und Saxophonspieler John Zorn hatte 1996 mit Trompeter Dave Douglas, Bassisten Greg Cohen und Schlagzeuger Joey Baron schon die erste der insgesamt 10 regulären Masada-Platte eingespielte, als ihm mit der Doppel- CD "Bar Kokhba" der bahnbrechende Geniestreich gelang. John Zorn arrangierte 22 Songs aus dem Masada-Song-Book um. Er erweiterte das Quarett in wechselnden Besetzungen zum Masada Chamber Ensemble. Neben Trompeter Dave Douglas und Bassist Greg Cohen kamen Mark Feldmann - Violine, Erik Friedländer - Cello, Mark Ribot -Gitarre sowie Pianist Anthony Coleman, die Klarinettisten David Karakauer und Chris Speed hinzu. John Medeski spielte die Orgel, Mark Dresser den zweiten Bass und Kenny Wollesen das Schlagzeug.
Mit dieser erweiterten Besetzung löste sich Zorn entgültig vom Jazz-Kontext und führte seinen neuen Klezmer in Richtung zeitgenössische Kammermusik.
Der entgültige Durchbruch war geschafft. Die 25 Songs auf "Bar Kokhba" wurden zwischen April 1994 bis März 1996 eingespielt.
Masada Chamber Ensemble bar kokhba I 5 5.19 + II 8 2.06
Tzadik LC 10584
www.tzadik.com
Der Goldene Orsino. Mit diesem Weltmusikpreis will sich Orsino bei Bill Frisell für seinen Platte "The Intercontinentals" bedanken. Dies ist für mich eine der besten Platten des letzen Jahres.
Bill Frisell the intercontinetals 4 5.18
Nonesuch 2003 LC 00286
www.billfrisell.com
Bill Frisell. Im Lexikon ist der Jazzgitarrist als Solist und Gastmusiker auf einer Unzahl von Veröffentlichen zu finden. Doch blieb Frisell bisher eigentlich immer im Rahmen der nordamerikanischen Jazz und Pop-Kultur. Mit "The Intercontinentals" sprengte Frisell nun alle Grenzen. Gemeinsam mit Musikern aus Nord- und Südamerika, aus Westafrika und Osteuropa produzierte er ein Platte, bei der mir das Herz aufgehen lässt. Bill Frisell selbst spielte elektrische und akustische Gitarre sowie Bass. An Oud und Bouzouki ist Christos Govetas zu hören. Aus Brasilien stammt der Gitarrist Vinicius Cantuaria, der auch wie Sidiki Camara aus Mali/Westafrika am Schlagzeug zu hören ist. Greg Leisz an der Pedal- und Slide-Gitarre sowie die Geigerin Jenny Scheinman machen "The Intercontinentals" komplett. So international wie die Crew sind auch die 14 Songs des Albums. Weltmusik im besten Wortsinnen: der Goldene Orsino an Bill Frisell für "The Intercontinentals"
Orsinos sagt damit ade! Mehr Infos zu den Platten und Musikern im Internet unter www.querfunk.de. Danke für`s zuhören ruft Euch Orsino zu und denkt daran: Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen.
Bill Frisell the intercontinetals 10 5.47