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QUERFUNK 104,8 MHz
Freies Radio Karlsruhe |
Orsinos Lied 12.01.2003
Studio 0721 / 38 50 30 |
Redaktion & Moderation: Roland Altenburger
www.querfunk.de/sendungen/orsino kontakt: orsino@querfunk.de
Orsino-Jingle
Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spiel weiter, spiel und lass mich in Tönen schwelgen!
Herzlich Willkommen bei der Weltmusiksendung im Querfunk, herzlich Willkommen zu "orsinos lied", herzlich Willkommen sagt Orsino.
Auch im Jahr 2003 möchte ich Euch in "orsinos lied" wieder mit Musik aus aller Welt verwöhnen. Mittlerweile geht die Weltmusik-Sendung hier bei Querfunk ins siebente Jahr. Danke deshalb an dieser Stelle allen Stamm- und Zufallshörern, allen Besuchern der Orsino-Internetseite und allen, die mithelfen, dass Orsino im schöner Regelmässigkeit euer Radio zum Weltempfänger machen kann.
Heute auf dem musikalischen Speiseplan unter anderem Hip-Hop aus Kuba, Obertonpunk aus Tuva, Bigbandjazz aus dem Magreb und eine Opernarie aus Japan. Es gibt eine neue Rubrik: "Schlaflos" und natürlich die Verleihung des Goldenen Orsinos. Der geht diesmal an Besh o Drom aus Ungarn.
Los geht's mit einer der heissesten Platten, die uns das Jahr 2002 geschenkt hat: "Red Hot & Riot - The Music and Spirit of Fela Kuti". Der Erfinder des Afro-Beat - Fela Kuti gilt als einer der wichtigsten afrikanischen Musiker der letzten 50 Jahre. Fela Kuti mixte die Rhythmen Nigerias mit Funk und Freejazz zum Afrobeat und prangerte in seinen Texten Unterdrückung, Korruption und Gewalt in Afrika an. Als Kuti am 03. August 1997 an Aids starb, verlor die afrikanischen Welt nicht nur den genialen Afrobeat-Pionier, sondern auch einen unerschütterlichen Politaktivisten.
"Red Hot & Riot" ist eine grosse Hommage an Fela Kuti. Der Hut zogen unter anderem Remixer Mario Caldato Jr., Blues-Gitarrist Taj Mahal, Jazz- Saxofonist Archie Shepp und Brasiliens Musikgenius Lenine. Macy Gray und Sade sind genauso zu hören, wie Baaba Maal, Manu Dibango, Ray Lema und Felas Sohn Femi Kuti. Afrobeat meets Rap, Jazz, Pop, Soul: Gigantisch!
Wie sowas klingt: hört selbst! Dead Prez, Jorge Ben Jor, Talib Kweli, Bilal & Positive Force vereint im Geiste Fela Kutis.
V. A. red hot + riot 3+4 0.32 + 7.50
Red Hot 2002 lc 01056
www.redhot.com
Wenn Musik der Liebe Nahrung ist, dann war dies Sex pur! Und das Beste daran, der Reinerlös von Red Hot + Riot kommt der "Red Hot Organization" zugute. Diese Vereinigung bekämpft seit vielen Jahren die Ausbreitung von HIV & Aids. Beim Kauf von "Red Hot + Riot: The Music and Spirit of Fela Kuti" gibt's es zur genialen Musik auch noch ein tolles Gefühl gratis, denn nebenbei wird auch noch eine gute Sache unterstützt. Denn von den 40 Millionen HIV-Infizierten leben 70% in Afrika und werden 95% davon aus Mangel an Medikamenten frühzeitig sterben: Hilfe ist also dringend angesagt! Und wenn sich dafür Baaba Maal mit Taj Mahal, Kaouding Cissoko und Antibalas zusammentun, dann macht Hilfe auch noch glücklich.
V. A. red hot + riot 20 10.38
Trio Scho odessa 1 2.46
Raumer Rec 2002 lc 03050
www.raumer-records.de
"Odessa - Russische Songs aus dem letzten Jahrhundert", so heisst die aktuelle Platte vom Trio Scho. Selten kommt russische Musik so klar, so eindeutig, so unverkitscht daher, wie sie von Scho präsentiert wird. Geige, Akkordeon, Kontrabass und ein bisschen Perkussion, mehr brauchen Scho nicht, um die Musik der alten Weltstadt Odessa lebendig werden zu lassen.
Russischen Romanzen, Tangos, Bossa Nova Russian Style, ja sogar Sowjetski Rock'n'Roll schleichen sich ganz langsam aber unaufhaltsam ins Herz. Trio Scho - ein Ensemble, das sich mit Sicherheit auf Dauer eine treue Fangemeinde finden wird.
Orchestre National de Barbès - diesen Bandnamen verstehen auf Anhieb nur Menschen, die wissen, dass Barbès ein Stadtviertel von Paris ist, in dem viele Magrebiner wohnen. Im Orchester National de Barbès bieten elf Musiker aus Algerien, Marokko und Frankreich Bigbandjazz der arabischen Art.
Wunderbar, wenn es dann auch live wie auf ihrer Platte "Orchestre National de Barbès en concert" eingespielt ist. Ein musikalisches Kleinode irgendwo zwischen den Welten.
Orchestre National de Barbès en concert 6 5.57
Tajmaat 1997 LC 03098
Yat Kha aldyn dashka 6 3.46
Yat Kha 2000 lc 01056
www.yat-kh.com
Jimmy Hendrix hatte einen Bruder in Tuva: Albert Kuvezin. Mit seiner Gruppe Yat Kha mischt Kuvezin tuvenischen Obertongesängen, jammernder Heavy-Metal- Gitarren mit Schamanentum und Country-Geschrammel. Die Jungs stammen aus dem südsibirischen Tuva an der russisch-mogolischen Grenze und sind ein Phänomen für sich. Yat Kha bieten besonders auf Livekonzerten eine wilde Mischung aus tuvenischer Folklore und Heavy Metal, ohne ihre Wurzeln ganz zu verleugnen. Aldyn Dashka heisst die CD, von der ihr eine Kostprobe hörtet.
Kostprobe, mehr geht leider nicht: aber "orsinos lied" versteht sich sowieso als Apetit Anreger! Übrigens, wem's zu schnell geht, der kann im Internet unter www.querfunk.de alles über "orsinos lied" und natürlich die hier gespielte Musik erfahren.
Jetzt gibt's erstmal die versprochene Arie aus Japan. Gagaku heissen die höfischen Musikaufführungen, deren Tradition über 1000 Jahr zurückreicht.
Im modernen Japan ist es die Aufgabe der Gagaku, die klassische Musik Japans am Leben zu halten. Beim Hören dieser Musik habe ich wirklich das Gefühl, in einen andere mir völlig fremde Welt einzutauchen. Aber auch ohne den geringsten Schimmer über die Bedeutung der musikalischen Chiffren, der kompositorischen Gesten, der gesungenen Lyrik strahlt diese Musik ihrer unwiderstehlichen Reiz aus. "Gagaku - Edelsteine aus fernen Ländern" - der Titel der Platten trifft es ziemlich genau. Es spielt das Ensemble Tokyo Gakuso unter der Leitung von Ono Tadaaki.
Tokyo Gakuso gagaku - gems of foreign lands 12 5.17
Celestal Harmonies 2002 lc 07869
www.harmonies.com
Orishas a lo cubano 14 4.15
EMI 1999 lc 0542
http://www.emi-catalogue- marketing.de/xml/4/3200288/index.html
HipHop aus Kuba: Orishas scheinen die Enkel des Buena Vista Social Clubs zu sein. "O lo cubano" ist zwar nicht die aktuelle, doch bisher die beste CD von Orishas. Denn "O lo cubano" haben Orishas noch mit echten traditionellen Musikern eingespielt. Die jungen in Paris lebende Exilkubaner von Orishas mixen Tradition mit Hip Hop. Scratching meets Boleros und Son. Fette Computerbeats treffen fette Blässer. In Mittel- und Südamerika sind Orishas Superstars. Auf Kuba soll es keinen Straßenverkäufer mehr geben, der nicht mindestens eine illegale Kassettenkopie der beiden Alben "A Lo Cubano" und "Emmigrante" hat.
Wir bleiben noch in Kuba, kommen aber zu einer Neuheit in "orsinos lied":
"Schlaflos" heisst die kleine Reihe, die Euch diese Jahr Wiegenlieder aus aller Welt präsentiern wird. Nachdem ich Euch die letzten zwei Jahr alte Schellackaufnahmen vorgestellte habe, es davor in der Rubrik: "Totentanz" Beerdigungsmusik und Totenlieder aus verschiedensten Ecken der Welt gab und in den Anfängen von "orsinos lied" Komponistinnen vorgestellt wurden, nun also grenzüberschreitendes aus dem intimsten Bereich der Familie. Ein ganz spezieller Song hat mich dabei auf die Idee für diese Reihe gebracht. Bola de Nieve, der kubanische Sänger und Pianist spielt auf der Platte "Cuban Lullaby": "Durme Negrita" mit solch einer intensiven Zärtlichkeit, dass ich auch nach tausendmal hören eine Gänsehaut bekommen. Neben Bola de Nieve sind auf "Cuban Lullaby" unter anderem auch Omara Portuondo, Chucho Valdes und Rey Guerra zu hören. Tolle Scheibe: nicht nur für Eltern mit kleinen Kindern.
V.A. cuban lullaby 1 2.35
qrious 2002 lc 02181
www.qrious.de
Auch im Jahr 2003 wird hier in der Weltmusiksendung beim Querfunk der Goldene Orsino vergeben. Diesmal geht er wieder einmal an Besh o drom aus Ungarn für ihrer aktuelle CD "Can't make me!".
Besh o Drom can't make me 8 5.58
Asphalt Tango 2002 lc 12494
www.beshodrom.hu
Im Sommer 2001 brachte mir ein Freund die erste Platte von Besh o Drom aus Ungarn mit. Schon ihr Debüt blies einem das Hirn frei. Und nun erst ihre aktuelle Platte "can't make me": Stellt Euch wiedermal vor, der letzte Kaiser von Österreich, der letzte Osmanische Sultan, Tito und all die gekillten Gangsterrapper Harlems kommen aus dem Grab und wollen, um ihre Schandtaten ein bisschen wieder gutzumachen, eine gemeinsame grosse Partie in Budapest geben. Dann könnte nur eine Band die entsprechende grenzüberschreitende Musik dazu spielen. Besh o Drom. Der etwas andere Weg, denn Besh o Drom beschreiten, lässt sich eigentlich nur mit Weltmusik im besten Wortsinne betiteln. Dafür gibt's hier bekanntlich den Goldenen Orsino. Mit Besho o Drom sagt Orsino für heute auch schon wieder Tschüss.
mehr Infos zu den Platten und Musikern im Internet unter www.querfunk.de. Gute Musik gibt es überall, haltet die Ohren und Herzen offen!
Besh o Drom can't make me 9 4.24