QUERFUNK 104,8 MHz

Freies Radio Karlsruhe
Steinstraße 23
76133 Karlsruhe

Lesebuch

Studio 0721 / 38 50 30
Büro 0721 / 38 78 58
Fax 0721 / 38 50 20

 

www.querfunk.de
info@querfunk.de
Kommentar loswerden

Zum Lesebuchinhalt

An dieser Stelle soll beispielhaft ein Freies Radio aus dem Italien der 70er Jahre vorgestellt werden: Radio Alice, das 1976 bis 77 in Bologna sendete. Die Wahl fiel auf dieses Radio, weil es in einer für ein Freies Radio ausgesprochen untypischen Weise Konzepte und Grundlagen formuliert hat und in seiner politischen Tendenz aus der damaligen "Basisbewegung" für die von Querfunk auf dieser Homepage formulierten Programmzielen in mancher Hinsicht Patin stand.

"Spermatozoen in der Luft zeugen kollektive Kinder":

Radio Alice, Bologna, 1976 - 77

Die Stimme des Begehrens und die transversale Wiederzusammensetzung des Bewegungssubjekts

Alice sendete in Bologna vom 9. Februar 1976 bis zu ihrer Räumung am 12. März 1977. An diesem Tag war in Bologna der Student Francesco Lorusso, organisiert bei Lotta Continua, ermordet worden. Die ganze Stadt befand sich im Belagerungszustand, Alice wurde aufgrund eines mit dem bundesdeutschen õ129a vergleichbaren Paragraphen geschlossen.

DELEGIEREN WIR NICHT DIE REVOLUTION AN DIE KOMÖDIANTEN UND DELEGIERTEN UND DRESSIERTEN DARSTELLER, AN DIE THEATERBÜHNEN, AN DIE INSZENIERUNGEN. BEFREIEN WIR DAS BEGEHREN, BEFREIEN WIR DIE ZEIT VON DER ARBEIT, BEFREIEN WIR DIE FRAU VOM MANNE, BEFREIEN WIR DIE REVOLUTION VON DEN THEATERN UND DEN GERICHTEN, BEFREIEN WIR DAS WORT VOM DISKURS.

"Die Form der Kommunikation selbst, wenn sie sich als Zerstörung des kommunikativen Codes darstellt, modifiziert unmittelbar die Termini des Verhältnisses zwischen Bereichen der Bewegung. Wir sagen also, daß die Sprache nicht ein Mittel ist zur Kommunikation von etwas, das woanders liegt (einem Inhalt, der außerhalb der Sprache selbst liegt, der Geste der kommunikativen Beziehung). Die Sprache ist kein neutrales Instrument, das sich für jeden Gebrauch beugen läßt, kein Gefäß, das sich so oder so mit neuen Inhalten auffüllen läßt, mit Respektoren des dominierenden signifikanten Codes, wonach jedem Zeichen ein Objekt entspricht und die Zeichen sich alle wohlerzogen und geordnet bewegen, um eine Wahrheit zu ,beweisen" (die dann natürlich immer moralisch und revolutionär ist). Daraus folgt, daß die Sprache kein Mittel ist, sondern eine Praxis, ein absolut materieller Boden, der die Realität, die Kräfteverhältnisse zwischen den Klassen, die Form der zwischenmenschlichen Beziehungen, die Bedingungen des Kampfes um die Macht modifiziert. Ein Boden, wo sich eine wahre Schlacht abspielt, wo reale Wünsche agieren; und die Operation, die die Bewegung gegenüber der kodifizierten Sprache vollziehen soll, ist nicht das einfache Einfügen von neuen Inhalten in alte Kommunikationsmodelle, sondern ist der Einbruch des subversiven Begehrens in die Organisation des Kommunikationsalltags. D.h. anders gesagt, sie ist der Einbruch einer realen Modifikation in die Ordnung der kommunikativen und praktischen Verhältnisse."

Wir befinden uns in den Ausführungen von Radio Alice in einer wahren Megaschnittstelle von medien- bzw. allgemeiner: zeichentheoretischen Diskursen von einer ungewohnt anregenden Ergiebigkeit.
Die Sprache ist kein Mittel, sondern eine Praxis: Dieses Axiom, Sprache nicht als (mehr oder weniger präexistente) Struktur an sich, unabhängig von ihrem Gebrauch, zu betrachten, sondern Sprache als Sprachhandeln anzusehen, ist der Kernpunkt der pragmalinguistischen -------------------------das radio nimmt nicht die pille -- kkkrrrrr--- spermatozoen in der luft zeugen kollektive kinder----------------------------- Revolution, die ja auch - sicher kein Zufall - gerade in den Siebziger Jahren ihren Siegeszug hielt.
Kommunikative Verhältnisse, Klassenverhältnisse und Verhältnisse zwischen den einzelnen Menschen stehen in einem Zusammenhang; Sprachhandeln ist "reale Modifikation" dieser Verhältnisse. Ebenfalls modifiziert die Form der Kommunikation selbst die Verhältnisse zwischen Bereichen der Bewegung: Dies wird an anderer Stelle als Transversalität bezeichnet. ,Reale Modifikation", auf der Grundlage von "realen Wünschen", gegenüber der "Realität": Hier läßt Lacan grüßen, für den das "Reale", realisiert durch das Begehren als Produktivkraft, gegen die "Realität" steht, die sich meistens als etwas ziemlich Irreelles entpuppt. Schließlich und endlich: Die Bewegung soll nicht einfach neue Inhalte in alte Kommunikationsmodelle einfügen, sondern das subversive Begehren soll einbrechen in die Organisation des Kommunikationsalltags.
-------------das auftauchen des jugendproletariats hat sich ausgedrückt im aufbau von befreiten räumen; um deren ghettoisierung und schließlich ihre spektakularisierung zu vermeiden, ist es notwendig, daß sie als befreiende räume funktionieren können, daß, ausgehend von den spannungen, die aus dem inneren der befreiten zeit erwachsen, man fähig sein kann, die foltermaschinen anzugreifen, die die zeit zur leistung zwingen, die foltermaschinen, die das andere unterdrücken, und die das leben zu einer leeren schale machen, auf produktive abstrakte arbeit reduzieren---- ---------------------Benjamin wäre hochzufrieden: Sein Diktum, es genüge nicht, den Apparat mit revolutionären Inhalten zu beliefern, sondern es sei nötig, ihn immer zugleich zu verändern, da ja der bürgerliche Apparat jede Menge "revolutionären Stoffs" assimilieren kann, ist hier unschwer im Hintergrund zu erkennen.

"Die Sprache ist kein Mittel, sondern eine Praxis, und das historische Subjekt, das auf jenem Boden auftaucht, durchläuft auf destruktive Weise die kodifizierten Formen der Kommunikation und durchquert die getrennten Ordnungen. Es ist nicht wichtig zu sagen, daß in der-oder-der Schule das Rektorat besetzt worden ist, wichtig ist, daß es die Schüler sagen, die es besetzt haben, das Radio anrufen, und gleichzeitig die Schreie hören, die sie gerade durchgeben. Es ist nicht wichtig, lange Reden gegen den Lohnstop zu halten, sondern das Tonband einem Arbeiter zu geben, der es in den Betrieb bringt, während eines Protestzugs durch die Fabrik, der seine Wut multipliziert, um sie dann aufzunehmen, und am Abend hört er die Aufnahme und interveniert erneut, indem er das Radio anruft. Wichtig ist nicht, über die Notwendigkeit nur zu sprechen, sich selbstverwaltete Räume zu nehmen, sondern per Radio eine Jam-session vorzuschlagen und 2000 Genossen zu finden, die zum vereinbarten Ort Trommeln, Gitarren, Drachen, Geigen und Flöten mitgebracht haben und durch die Stadt ziehen mit dem Ruf `diese Demo ist nicht erlaubt'."

Die kodifizierte Form der Kommunikation besteht auf der Trennung in Sender und Empfänger. Die transversale und damit destruktive Kommunikation sprengt diese Trennung: Sender und Empfänger werden tatsächlich in Beziehung gesetzt, die Kommunikation des Begehrens ist transversal zur kodifizierten Ordnung des Diskurses. Hier ist schwer zu sagen, ob denn auch Brecht hochzufrieden wäre: Zumindest läßt sich seine Formulierung vom Kommunikationsapparat, der Sender und Empfänger in Beziehung::::::krrtz---- die krankheit ist eine verminderung unseres lebens also ist die ganze arbeit eine gefährliche berufskrankheit:::::::::::::::::::::::::--------setzt und die bisherigen Empfänger als Lieferanten des Senders organisiert, in der von Radio Alice beschriebenen Weise verstehen. Ob der alte, autoritäre Kommunist Brecht von spontanen und nicht ordentlich parteimäßig durchgeführten Rektoratsbesetzungen so viel gehalten hätte, wissen wir nicht. (Ob wohl die rebellischen Jugendlichen aus der linksradikalen Szene Bolognas von 1976 sehr viel Verständnis für das kollektive, disziplinierte Absingen von Brechts Ozeanflug gehabt hätten???) Brecht hätte es bestimmt allemal besser gefunden, der Rektor zu sein, als das Rektorat zu besetzen. Jedenfalls war er sicherlich kein Anhänger der subversiven Macht des Begehrens gegen das Begehren der Macht.

"Der dadaistische Hinweis kann also wiederaufgenommen werden: Kritisieren und überwinden der Trennung der Kunst vom Leben, der textlichen und bildenden Tätigkeit von der Bewegung, die verändert. Aber der Ort, an dem sich diese Operation der Wiederzusammensetzung ergibt, muß sich ändern. Die dadaistische Erfahrung hatte versucht, jene Trennung zu überwinden auf dem Boden der Literatur, der Kunst; die kreative Praxis hingegen hat ein Massensubjekt, sie stellt ihre Tätigkeit in den Raum der praktischen Veränderung, sie ist ein Moment des Prozesses der transversalen Wiederzusammensetzung des Bewegungssubjektes. Es ist der Hinweis Majakovskijs, zuerst Bolschewik und dann Poet: weder hat er lange die Trennung der Kunst vom Leben beklagt, noch das Spektakuläre des Textes kritisiert und dabei die Kritik selbst zum Spektakel gemacht. Majakovskij hat am revolutionären Prozeß teilgenommen und hat dort den Punkt gefunden, wo die Trennung praktisch überwunden wurde; die ganze Geisteskraft, die das Kapital entzieht, in Form von Arbeit kristallisiert, die ganze Kreativität, die das Kapital auf das Spektakel reduziert gegenüber dem Alltagselend der Massen, explodierte in jener Massenbewegung, die der rote Oktober war, und überschwemmte das Gehege, in dem die Literatur eingesperrt bleiben wollte. ...die Sprache aller Verkehrsformen zu ändern, um die kapitalistische Sklaverei unerträglich zu machen. Das ist der Hinweis Majakovskijs....Im revolutionären Prozeß der Befreiung des Arbeiterlebens von der Lohnarbeit wird die kollektive Umgestaltung der befreiten Zeit, des Raumes, in dem man lebt, und der Sprache zentral."
Wie Benjamin, bezieht sich auch Alice auf die junge sowjetische Avantgarde, hier noch das Gemeinsame wie das Trennende im Vergleich mit DaDa betonend: Die Wiederzusammensetzung (dessen, was getrennt verläuft) soll nicht, wie beim DaDaismus, auf dem Terrain der Kunst (im herkömmlichen Sinne) geschehen, sondern auf dem Terrain der gesellschaftlichen Auseinandersetzung - so wie beim "operierenden Schriftsteller" Tretjakov bei Benjamin. Alice nennt nicht Tretjakov, der dem Kollektiv aber sicher bekannt ist (Enzensbergers Baukasten wird direkt zitiert), hier wird sich auf Tretjakovs Genossen Majakovskij bezogen.
Die Bewegung, die den Bezugspunkt der Arbeit von Radio Alice darstellte, war die operaistisch geprägte Bewegung Norditaliens, die in Bologna eine ihrer Hochburgen hatte. Radio Alice entsprang einem Zirkel, der "gatto selvaggio", wilde Katze hieß; wildcat ist die englische Bezeichnung für wilden Streik. Diese Bewegung stand in scharfer Opposition gegenüber der Kommunistischen Partei PCI, die in Bologna damals zum Beispiel den Bürgermeister stellte; Bologna galt sogar als Musterbeispiel einer kommunistischen Stadtregierung.
Operaismus (häßliche Eindeutschung: "Arbeiterismus") war eine linksmarxistische Strömung, die zu Beginn der 60er Jahre in Norditalien entstand, und zwar im Zusammenhang mit einem Kampfzyklus insbesondere in der Automobilindustrie (FIAT in Turin insbesondere). Anfänglich bezog sich dieser Begriff auf Kreise von Intellektuellen und Funktionären innerhalb von KP und Gewerkschaft, die insbesondere Untersuchungen über die neue Zusammensetzung der Klasse anstellten, (,Arbeiteruntersuchung", inchiesta operaia). Eine wesentliche Erkenntnis dieser Untersuchungen war, daß die Arbeitsorganisation in der Großindustrie sich von einer Form, in der es noch Reste von handwerklicher Arbeitsweise gab, wegentwickelt habe in eine Form, in der ein Typus eines jederzeit ersetzbaren, weil nicht weiter qualifizierten Bandarbeiters vorherrscht. Unter diesen Bandarbeitern (Massenarbeiter, operai massa) gab es übrigens sehr viele Migranten vor allem aus Süditalien.
In dieser Produktionsweise gründet sich die Arbeitsorganisation nicht mehr auf Bildung und Wissen, sondern auf Einstellungen und entsprechende Verhaltensweisen - vereinfacht gesagt: Dressur. Eine Kommunikation über die Arbeit ist nicht mehr möglich, weil unnötig. Die Betriebshierarchie wird in der Fließbandfabrik vollends zur Kommandohierarchie. Die Arbeitsorganisation am Band bringt den operaio massa hervor, damit eine neue Klassenzusammensetzung, ein neues Verhalten in der Produktion, und auch ein neues Verhalten im Kampf, das die neue Arbeitsrealität wiederspiegelt.
Zunächst ist und bleibt der Operaismus aber - entgegen aller Mythen, die seine Rezeption immer begleitet haben - eine, und keine unwesentliche, Denkrichtung innerhalb der KP und der Gewerkschaften. Es finden sich bei führenden Operaisten knackige Sätze wie "Die Arbeiterklasse braucht das Kapital und will den Fortschritt." oder "Die Führung der Arbeiter muß vom reifen Kapital lernen." oder "Der moderne Staat ist die authentische Form der autonomen Reorganisation der Arbeiterklasse."
Erst die Studentenbewegung von 68 bringt etwas Leben in die Geschichte. Es gibt fortan eigentlich zwei Operaismen: Viale spricht von "Bewegungs-Operaismus" - außerhalb und gegen die KPI - und "Staats-Operaismus" - innerhalb derselben. Beide Operaismen haben viele ihrer Vertreter zu beachtlichen universitären Karrieren gebracht.
Was den Bewegungs-Operaismus besonders----krrrkkkrrrkkkkkkk----- die praxis des glücks ist subversiv wenn sie kollektiv wird-------konspirieren heißt zusammen atmen---------- und dessen sind wir angeklagt------------weil wir uns geweigert haben vereinzelt zu atmen---jeder an seinem eigenen erstickenden arbeitsplatz-------krrrkrrrrrtt-- beweglich macht, ist sein flexibler Umgang mit revolutionären Subjekten. Der klassische Träger der Revolution in der operaistischen Lehre war der Massenarbeiter. Als das Kapital dessen Dominanz mit Hilfe der soundsovielten technisch - industriellen Revolution Anfang der 70er Jahre beendete, trat an seine Stelle der operaio sociale, der gesellschaftliche Arbeiter. Das revolutionäre Subjekt wurde auf bisher nicht beachtete Sektoren der Gesellschaft ausgeweitet, etwa Arbeitslose, Schüler, Studenten, zum Terrain revolutionärer Kämpfe traten neben der Fabrik auch der Stadtteil und die Psychiatrie.
Im Lauf der 70er Jahre traten mit den "neuen sozialen Bewegungen" weitere Subjekte auf: Mit dem Feminismus, oder auch der Ökologiebewegung. Viale resumiert leicht zynisch: "Die Subjekte wechseln - die überlegene Weisheit des Operaismus bleibt: die maschinelle---kkktttttzzzzssss---der befreite und kollektive alltag ist die solideste rote basis gegen die kapitalistische macht.------kzzzz---Subjektproduktion in der Theorie des `Bewegungs-' Operaismus hat nur die Funktion, eben diesen Operaismus am Leben zu halten." In der Zeit nach der Studentenbewegung waren die zentralen Entdeckungen am revolutionären Subjekt die Eigenschaften Intelligenz und Polyvalenz, was soviel wie "Reichtum an Bedürfnissen" heißt.
Hintergrund für diese neuentdeckten Eigenheiten des operaio sociale dürften der Überschuß an vom Kapital nicht benötigten und daher proletarisierten Akademikern wie auch der Fabriken - Entrismus von Teilen der Studentenschaft sein. Die Arbeit in der Fabrik - unter Fabrik wird nun im Bewegungs-Operaismus als "fabbrica diffusa" praktisch die ganze nach dem Paradigma der Fabrik organisierte Gesellschaft------------der terror verwurzelt sich also in den formen des alltags, als der terror des gefängnisses und der irrenanstalt, der kaserne und der arbeitslosigkeit, der familie und des sexismus---- -----------verstanden - kann natürlich die "Polyvalenz" nicht befriedigen - es bleibt ein Rest, ein Begehren. Damit wären wir dann auch wieder bei eben diesen beiden Lacan entlehnten, bereits weiter oben erwähnten Begriffen.
Viale schreibt hierzu: Die Sprache der 68er Bewegung "unterdrückt das Unbewußte, bringt die innere Dichte und Fülle von Erfahrung zum Schweigen - oder degradiert sie zum Mikrofeld der Gesellschaftsanalyse." "Das Unbewußte ... kann mit der Sprache restlos erhellt, erklärt, beschrieben - ja es kann letztlich sogar in Diagrammen dargestellt werden." Erst im Niedergang dieser Bewegung bekamen die Ansätze von Lacan, Deleuze und Guattari große Bedeutung. In deren Analysen "gibt es einen nicht auflösbaren, nicht beschreibbaren Rest (das `Andere', den `Mangel', den `Wunsch'): alle Versuche, ihn sprachlich zu durchdringen, sind fruchtlos. Der Sprache kommt eine andere Bedeutung zu: das Wort definiert Realität nicht, es evoziert oder durchschreitet (attraversa) sie - indem es sie aufbricht."
Um Radio Alice im genauen Zusammenhang zu sehen, bleibt noch eine weitere Differenzierung zu machen. Mitte der 70er Jahre besteht der Bewegungs-Operaismus aus zwei Strömungen: autonomia creativa und autonomia organizzata, wobei das Wort "autonomia" wie das Wort "Bewegung" verwendet wird.
Die autonomia organizzata steht dabei stärker in der Tradition des Politikverständnisses desjenigen (Bewegungs-)Operaismus, der sich letztlich von den Fabrikkämpfen herleitet, wobei es eine Entwicklung zu mehr (auch bewaffneter) Militanz gab. Der zentrale Begriff der autonomia creativa war die "Wiederaneignung des eigenen Lebens". Zu dieser Bewegung zählen die "indiani metropolitani", die "alternative" Werte wie Ökologie und Kiffen ins Spiel brachten und eher im studentischen Milieu auftauchten. Eher in den (sub-)proletarischen Vorstädten existierten die "circoli del proletario giovantile", die die direkte Enteignung vermittels proletarischen Einkaufs,---------liederlichkeit, zügellosigkeit, fest, das ist unsere antwort auf die krise---------------Nulltarifaktionen in Kinos, Theatern, Konzerten und öffentlichen Verkehrsmitteln, das Besetzen von Jugendzentren und das Verprügeln von Heroindealern praktizierten. In diese Strömung gehören auch Radio Alice, der circolo gatto selvaggio und die Zeitschrift A/traverso.

"Wir professionalisieren uns nicht. Wir weigern uns, uns auszubilden. Wir lernen nicht. Es geht nicht in unseren Kopf rein, daß unsere vitale Aktivität nichts anderes sein soll, als ein Mittel zum Leben. Wir nehmen uns nach wie vor die Übertretung vor als Form des Verhältnisses zur Realität. ... Die Sprache rebelliert: gegen die wütende Ohnmacht, die den Tod der vitalen Aktivität in der toten Arbeit einläutet. ... Das Schweigen der Frauen, die dauernde Abwesenheit der "Frauenkunst" in der Geschichte; sie werden gefüllt von einer Anwesenheit und von einer Macht der Männer, die Produktivität bedeutet hat als Verdrängung des Körpers, von einem selbst verschieden. Innerhalb dieser Logik war nie ein Raum für den Körper der Frau, für ihre Sexualität, die Bedingung des Lebens ist und nicht getrenntes Moment."
die hypothese, nach der die struktur des mittels eindeutig den sinn der kommunikation bedingt, ist falsch, aber genauso verkehrt ist es zu denken, daß sich die inhalte der botschaft ohne jegliche umwälzung des mittels ändern können. es ist nötig, aus der idealistischen terminologie von form und inhalt herauszukommen; wenn das kommunizierende subjekt verändert ist, verändern sich auch die materiellen und ideologischen bedingungen der kommunikation.